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Ein lauer Maiabend in Rostock, Flutlicht an der Warnow, 3957 Zuschauer im Stadion - und einer, der gleich zu Beginn keine Zeit verlieren wollte: Frank Brückner. Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da zappelte der Ball schon in der dritten Minute im Netz der Gäste aus Fellbach. Es war der Auftakt zu einem jener Spiele, in denen man schon nach zehn Minuten ahnt, dass der Abend für eine Mannschaft sehr lang werden wird. "Ich wollte eigentlich erstmal ruhig reinkommen", grinste Brückner später, "aber dann lag der Ball halt so schön vor mir." Der Pass kam von Valter Holmqvist, und Brückner machte daraus das 1:0 - trocken, präzise, ohne Schnörkel. Falke Fellbach? Ja, die waren auch da. Zumindest körperlich. Spielerisch blieben sie allerdings im Rostocker Mittelfeld hängen, wo Maurice Hofmann und Bernt Riedel das Zentrum dichtmachten wie ein altes Hafentor. Trainer Johan Johansson hatte seine Elf mit viel Ballbesitz (am Ende fast 60 Prozent) und kurzen Pässen eingestellt - und die Jungs hielten sich brav daran. In der elften Minute wiederholte sich das Schauspiel: Hofmann chipte den Ball in den Strafraum, Brückner lauerte - und vollendete zum 2:0. Zwei Chancen, zwei Tore, und noch nicht mal eine Viertelstunde gespielt. Fellbachs Verteidiger wirkten, als wollten sie lieber wieder in den Bus steigen. "Wir wollten offensiv spielen", erklärte Gästecoach James Bond später mit stoischer Miene, "aber offenbar hat uns jemand den Ballbesitz entzogen." Man muss Bond zugutehalten: Seine Mannschaft hatte tatsächlich keinen einzigen Torschuss. Null. Nada. 0:24 stand es in dieser Statistik. Der junge Torwart Raphael Freitag bekam mehr Rückpässe als Bälle aus Rostocker Schüssen - und rettete, was zu retten war. Ohne ihn wäre das Ergebnis wohl noch deutlicher ausgefallen. Nach der Pause blieb das Bild gleich. Empor spielte mit der Gelassenheit einer Truppe, die genau weiß, dass sie heute nichts anbrennen lässt. In der 57. Minute durfte dann auch Jakob Hauser ran - nach feiner Vorarbeit des 19-jährigen Rechtsverteidigers Jordan Kischischew schob der Stürmer zum 3:0 ein. "Jordan hat mir den Ball auf dem Silbertablett serviert", lachte Hauser, "da hätte sogar unser Torwart getroffen." Falke Fellbach versuchte, mit jugendlichem Elan gegenzuhalten - was schwer fiel, wenn man bedenkt, dass die meisten Spieler selbst noch den Führerschein in der Tasche haben. Der älteste Feldspieler im Kader? 18. Der älteste Rostocker dagegen: 29. Erfahrung war an diesem Abend eindeutig Trumpf. Das 4:0 fiel in der 66. Minute, und es war die wohl schönste Szene des Spiels. Innenverteidiger Cafer Simsek, sonst eher für rustikale Zweikämpfe bekannt, stieg nach einer Ecke hoch und köpfte den Ball wuchtig ins Eck. Der frisch eingewechselte Björn Hafner hatte die Flanke getreten - Bruder von Rechtsaußen Jannik übrigens. "Das war eine Hafner-Produktion", witzelte Coach Johansson nach dem Spiel, "der Familienbetrieb läuft." Einziger Wermutstropfen: Rechtsverteidiger Jordan Kischischew kassierte in der 63. Minute Gelb, als er einen Fellbacher Konter mit einem beherzten Grätschen stoppte. "Ich hab den Ball gespielt - zumindest ein bisschen", verteidigte sich der 19-Jährige später, was Johansson nur mit einem trockenen "Er lernt noch" kommentierte. Ab der 80. Minute durfte Johansson durchwechseln: Stephan Sonntag und Niels Merkel kamen für den Doppeltorschützen Hauser und den jungen Jelzin. Der Trainer nahm’s sportlich: "Man muss auch mal anderen die Bühne lassen, wenn die Vorstellung längst entschieden ist." Als der Schlusspfiff ertönte, blieb auf der Anzeigetafel das stehen, was sich längst abgezeichnet hatte: Empor Rostock 4, Falke Fellbach 0. Ein Sieg, der so souverän war, dass selbst die obligatorische Stadionwurst danach besser schmeckte. Und während Fellbachs Coach Bond mit britischem Understatement murmelte, "wir haben halt Lehrgeld bezahlt", fasste Johansson das Ganze treffend zusammen: "Wir wollten dominant auftreten - und haben’s getan." Ein Fazit, dem selbst die 3957 Zuschauer zustimmen dürften. Empor Rostock spielt wie ein Team, das mehr will als nur den Klassenerhalt. Und Falke Fellbach? Nun, sie wissen jetzt zumindest, dass man in Rostock nicht nur Wind von der Ostsee, sondern auch ordentlich Gegenwind auf dem Rasen bekommt. Oder, wie ein Rostocker Fan beim Rausgehen schmunzelnd sagte: "Das war heute kein Spiel - das war ein Lehrfilm in Balleroberung." 07.11.643999 17:11 |
Sprücheklopfer
Ich sehe einen positiven Trend: Tiefer kann es nicht mehr gehen.
Olaf Thon