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Falke flattert, Speldorf fliegt - ein 0:3 mit Ansage

Wenn 3073 Zuschauer an einem lauen Aprilabend ins Stadion an der Leine pilgern, hoffen sie auf Leidenschaft, Spannung und vielleicht ein kleines Wunder. Bekommen haben sie immerhin eins davon: Leidenschaft - allerdings fast ausschließlich von den Gästen. Der VfB Speldorf siegte am 2. Spieltag der Regionalliga C bei Falke Hannover mit 3:0 (2:0) und hätte bei etwas mehr Zielwasser locker doppelt so hoch gewinnen können.

Schon die ersten Minuten ließen ahnen, wer den Takt vorgibt. Speldorfs Asier Espriu prüfte Falke-Torhüter Frank Reich in der 3. Minute - ein Vorgeschmack auf einen langen Abend für den jungen Keeper. "Ich hab mich gefühlt wie an der Schießbude", grinste Reich später gequält und meinte es halb im Spaß, halb im Ernst. Ganze 21 Schüsse feuerten die Gäste ab, während Hannover mit drei kümmerlichen Versuchen in Richtung Tor so tat, als wäre Ballbesitz bereits eine Trophäe.

In der 28. Minute fiel das logische 0:1. Espriu verwertete eine butterweiche Flanke von Jesús Urban - technisch fein, eiskalt im Abschluss. Trainer Jakob Meier vom VfB kommentierte trocken: "So haben wir das im Training besprochen. Nur dass Asier sonst zehnmal danebenhaut." Diesmal passte alles. Und Falke? Wirkte konsterniert, als sei man überrascht, dass der Gegner wirklich Tore schießt.

Acht Minuten später legte Aitor Melendez nach. Nach einem zügigen Angriff über die linke Seite steckte Javier Manu klug durch, Melendez vollendete ins lange Eck (36.). Spätestens jetzt war klar: Speldorf spielte Fußball, Falke Hannover spielte mit.

Kurz vor der Pause durfte man sich auf der Tribüne die Frage stellen, ob die jungen Falken überhaupt eine Idee hatten, wie man den Ball nach vorne trägt. Trainer der Heimelf - sein Name blieb an diesem Abend ebenso blass wie seine Taktiktafel - brüllte von außen: "Höher stehen!", woraufhin ein Zuschauer trocken zurückrief: "Aber nicht stolpern!" Der Humor der Anhänger war es, der die Stimmung rettete.

Nach dem Seitenwechsel wechselte Speldorf gleich dreifach: Unter anderem kam der 21-jährige Veljko Ristic für Melendez. Frischer Wind, gleiche Dominanz. Falke versuchte es mit Kampf - Yisrael Tzabar holte sich in der 47. Minute die gelbe Karte ab, wohl ein Zeichen, dass wenigstens einer den Gegner gesehen hatte.

Kaum zwei Minuten später der endgültige Knockout: Giulio Mango de Aquino, der Name klingt nach Oper, und sein Tor sah auch so aus. Nach Vorlage von Mario Demo drosch er den Ball aus rund 18 Metern unhaltbar unter die Latte (49.). "Ich wollte eigentlich flanken", gab er später mit einem Augenzwinkern zu - und alle lachten, außer vielleicht die Hannoveraner.

Danach spielte Speldorf das Ergebnis routiniert herunter. Ballbesitz 57 Prozent, Zweikampfquote fast 60 Prozent - Zahlen, die Bände sprechen. Nur die Statistik der vergebenen Chancen dürfte Trainer Meier geärgert haben: "Wir hätten auch fünf oder sechs machen können. Aber ich will ja keine Gier fördern", meinte er mit einem schelmischen Lächeln.

Falke hingegen fand nie wirklich ins Spiel. Die Jungen - viele erst Anfang zwanzig - wirkten bemüht, aber überfordert. "Wir müssen lernen, dass Regionalliga kein Jugendturnier ist", sagte Kapitän Filipe Tonel nüchtern.

Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Speldorfer Fans, die mitgereist waren, lautstark. Hannoveraner Anhänger hingegen blieben still. Nur ein kleiner Junge auf der Haupttribüne rief tapfer: "Nächstes Mal gewinnen wir!" - und erntete Applaus von allen Seiten.

Ein Spiel also, das weniger durch Spannung als durch die Frage glänzte: Wie hoch wird’s diesmal? Speldorf präsentierte sich abgeklärt, reif und torgefährlich. Hannover dagegen muss sich fragen, ob man mit 42 Prozent Ballbesitz und drei Torschüssen pro Spieltag wirklich in dieser Liga bestehen kann.

Trainer Meier fasste es am treffendsten zusammen: "Wir waren einfach die Erwachsenen heute." Und vielleicht war genau das der Unterschied.

Falke flattert weiter, Speldorf fliegt vorerst oben mit - und die Regionalliga C hat ihr erstes klares Kräfteverhältnis.

(Spielbericht von unserem Redakteur vor Ort)

02.04.643997 22:03
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