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Ein lauer Maiabend, 20.30 Uhr, 20.575 Zuschauer im Marzahner Stadion - und am Ende ein Spiel, das wohl noch länger in den Geschichtsbüchern der 3. Liga stehen wird. Der FC Marzahn überrollte den SV Brake mit 7:0. Sieben! Zu null! Trainer Frank Henning grinste nach dem Schlusspfiff so breit, dass selbst die Ersatzbank kurzzeitig geblendet war. "Ich hätte mir ein kontrolliertes Spiel gewünscht", sagte er augenzwinkernd, "aber die Jungs haben entschieden, dass heute Spaßfußball auf dem Lehrplan steht." Schon die Anfangsphase ließ ahnen, wohin die Reise geht. Tim Fröhlich, 17 Jahre jung und offenbar ohne jeden Respekt vor erfahrenen Gegenspielern, traf in der 18. Minute zum 1:0. Nach Zuspiel von Joschua Rupp nagelte er den Ball unter die Latte - so trocken, dass SV-Keeper Juan Pablo Vasco wohl noch jetzt nach dem Ball schaut. "Ich dachte, das war ein Scherz, als der Trainer mich in die Startelf stellte", gab Fröhlich später zu, "aber nach dem Tor wusste ich, das war ernst." Nur zwölf Minuten später durfte auch Linksverteidiger Peter Jacobsen jubeln. Nach einem herrlichen Pass von Patrick Moritz zog er von der Strafraumkante ab, und der Ball flatterte unhaltbar ins rechte Eck. 2:0 - und Brake schon zu diesem Zeitpunkt mehr mit Schadensbegrenzung beschäftigt als mit Spielaufbau. Der Pausentee schmeckte den Gästen sicher bitter, doch es sollte noch schlimmer kommen. In der 54. Minute erhöhte Tove Jepsen, frisch eingewechselt, nach einer Ecke auf 3:0. Der Jubel war kaum verklungen, da rollte die nächste Angriffswelle. Alberto Cunha (70.) schob nach schöner Vorarbeit von Moritz ein, und das 4:0 war nur der Auftakt zu einem wahren Feuerwerk. Sechs Minuten später traf Marco Jacob, 19 Jahre alt und offenbar in Hochform, nach Pass von Nelio Garcia zum 5:0. "Ich hab ihn nur noch reingeschoben", behauptete Jacob bescheiden - was man ihm nach diesem Abend kaum glauben konnte, denn acht Minuten später bediente er selbst Garcia, der zum 6:0 traf. In der 88. Minute setzten die beiden erneut ein Ausrufezeichen: Garcia flankte, Jacob vollendete - 7:0. Der Stadionsprecher hatte Mühe, mit dem Ansagen hinterherzukommen. "Ich wollte eigentlich noch wechseln", verriet Trainer Henning lachend, "aber bei jedem Pfiff fiel wieder ein Tor. Da hab ich’s gelassen." Die Statistiken lesen sich wie aus einem Computerspiel: 26 Torschüsse für Marzahn, zwei für Brake. 54 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe. SV-Trainer Pader Borner suchte nach Worten, fand aber nur Galgenhumor: "Wir wollten heute kompakt stehen. Leider standen wir meist im Weg - uns selbst." Besonders bitter für die Gäste: Abwehrmann Karl Martineau verletzte sich in der 43. Minute und musste ausgewechselt werden. Danach geriet die Defensive völlig ins Wanken. "Das war, als hätte jemand den Stecker gezogen", meinte Kapitän Bernd Maier, der später selbst Gelb sah - vermutlich aus Frust. Auch die Zuschauer hatten ihren Spaß. Auf der Tribüne wurde gezählt, gewettet, gejohlt. Ein älterer Fan rief nach dem sechsten Tor: "Jetzt will ich das achte sehen!" - worauf sein Sitznachbar trocken entgegnete: "Dann schieß du’s doch selbst!" Marzahns jugendliche Wilden - Fröhlich, Jacob, Santos, Rupp - spielten mit einer Leichtigkeit, die an Sommerfußball erinnerte, nur eben ohne Schlendrian. Das Passspiel war flüssig, die Laufwege präzise, das Pressing diszipliniert. Trainer Henning hatte sein Team auf "aggressiv" eingestellt, und genau das war zu sehen: ein Sturm, der nicht nachließ. Und der SV Brake? Nun, sie wirkten bemüht - was in diesem Fall kein Kompliment ist. Zwei harmlose Schüsse auf Torwart Lucas Meiser, der sich zwischendurch mit Dehnübungen beschäftigte. Nach Spielschluss klopfte er seinem Gegenüber Vasco tröstend auf die Schulter: "Kopf hoch, das passiert jedem mal." Das Fazit dieses Abends: Marzahn tanzt, Brake taumelt. Sieben Tore, sieben verschiedene Geschichten - und ein Team, das mit dieser Spielfreude sicher noch für Furore sorgen wird. Oder, wie es Torschütze Tove Jepsen zusammenfasste: "Wir wollten einfach Spaß haben. Und wenn Spaß eben sieben Tore sind - dann war’s ein guter Abend." Ein guter Abend war es zweifellos - zumindest für alle, die Rot-Weiß tragen. Für den Rest bleibt nur die Erkenntnis: Gegen diesen FC Marzahn hilft derzeit wohl nur eins - das Flutlicht ausschalten, bevor es wieder klingelt. 08.07.644000 00:49 |
Sprücheklopfer
Das, was ich schon die letzten 20 Jahre gemacht habe, mich wichtig machen und deppert reden!
Toni Polster auf die Frage, was er im Gladbach-Management tun werde