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Manchmal ist Fußball so einfach: 22 Spieler, ein Ball, und am Ende freut sich der FC Wusterwitz. Mit einem klaren 2:0 schickte die Elf von Trainer Tom Fritz den 1. FC Gera am Montagabend im heimischen Stadion in die Thüringer Nacht - und das völlig verdient. 6479 Zuschauer sahen ein engagiertes, phasenweise spielfreudiges Wusterwitzer Team, das in der ersten Halbzeit den Ton angab und Gera kaum Luft zum Atmen ließ. Schon die Anfangsphase deutete an, dass der Abend für die Gäste lang werden würde. Nach fünf Minuten prüfte Curt Fröhlich den Geraer Keeper Rene Barbier erstmals mit einem wuchtigen Abschluss - ein Warnschuss, wie sich bald herausstellen sollte. Die Wusterwitzer kombinierten flüssig, suchten immer wieder die Flügel, während Gera sich an der eigenen Strafraumkante verschanzte wie ein mittelalterliches Dorf beim Überfall. In der 24. Minute fiel dann das überfällige 1:0 - und das auf kuriose Weise. Innenverteidiger Marcel Voigt, gerade mal 20 Jahre jung, stieg nach einer Ecke von Walther Buchholz am höchsten und köpfte den Ball mit solcher Entschlossenheit ins Netz, dass selbst die Eckfahne applaudierte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner im Weg steht", grinste Voigt später in die Mikrofone. Keine zwei Minuten später legte Rafael Witte nach. Der quirlige Rechtsaußen startete nach einem blitzsauberen Pass von Rechtsverteidiger Carl Schindler durch, narrte seinen Gegenspieler mit einem Haken, und schob überlegt zum 2:0 ein (26.). "Rafa spielt heute wie aufgezogen", rief ein Zuschauer begeistert - und lag damit goldrichtig. Danach war die Partie im Grunde entschieden. Wusterwitz dominierte mit 53 Prozent Ballbesitz und einer beeindruckenden Schussstatistik: 22 Torschüsse, davon mindestens zehn, die Barbier in Gera-Kreisen noch Albträume bescheren dürften. Die Gäste selbst brachten es auf ganze zwei Schüsse auf das Tor - beide in der ersten Halbzeit, beide so harmlos, dass Torwart Phillip Zimmermann sich fast über mangelnde Beschäftigung beschwert hätte. "Ich hab kurz überlegt, ob ich mir einen Campingstuhl hinstell", witzelte der Wusterwitzer Keeper nach dem Spiel. Trainer Tom Fritz zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber wir müssen beim Abschluss noch konsequenter sein. Zwei Tore sind schön, aber bei 22 Chancen erwarte ich eigentlich vier." Sprach’s und zwinkerte - wohl wissend, dass man ihm derzeit kaum einen Vorwurf machen kann. Der 1. FC Gera dagegen wirkte über weite Strecken ratlos. Trainer Martin Seidel (der an diesem Abend oft mit verschränkten Armen an der Seitenlinie stand) versuchte seine Mannschaft immer wieder nach vorne zu treiben - vergeblich. "Wir wollten offensiv auftreten", erklärte er nach Abpfiff, "aber Wusterwitz hat uns schlichtweg den Schneid abgekauft." Dass seine Mannschaft trotz einer nominell offensiven Ausrichtung kaum gefährlich wurde, dürfte ihm noch Kopfzerbrechen bereiten. Die zweite Halbzeit plätscherte dahin, wie es bei klaren Führungen so oft der Fall ist. Wusterwitz verwaltete, Gera versuchte, nicht völlig auseinanderzufallen. Der 17-jährige Max Wegner feierte in der 55. Minute sein Debüt - ein Moment, den die Fans mit herzlichem Applaus begleiteten. "Ich hab gezittert beim Einlaufen", gestand der Youngster später, "aber Hanns Konrad hat mir zugerufen: ’Mach einfach, Junge, schlimmer als Matheunterricht kann’s nicht werden!’" Als der Schlusspfiff ertönte, rissen die Wusterwitzer die Arme hoch, während die Geraer Spieler mit hängenden Köpfen vom Platz schlichen. Es war einer dieser Abende, an denen man merkte: Hier wächst etwas zusammen. Die jungen Wilden aus Wusterwitz spielen nicht spektakulär, aber mit Herz, Tempo und erstaunlicher Reife. Und so endete der 11. Spieltag der Regionalliga B mit einem klaren Statement: Der FC Wusterwitz ist längst mehr als ein sympathischer Außenseiter. "Wenn wir so weitermachen, können wir oben anklopfen", sagte Torschütze Witte selbstbewusst - und ergänzte mit einem Grinsen: "Vielleicht lassen wir dann sogar unseren Innenverteidiger wieder ein Tor schießen." Ein launiger Abend, zwei sehenswerte Tore, ein Gegner, der nie richtig ins Spiel kam - und ein Publikum, das noch lange nach Abpfiff sang. In Wusterwitz weiß man jetzt: Der Sommer kann kommen, und die Tabelle darf ruhig öfter so aussehen. 12.02.644003 03:25 |
Sprücheklopfer
Das Wort 'mental' gab es zu meiner Zeit als Fußballspieler noch gar nicht. Nur eine Zahnpasta, die so ähnlich hieß.
Rudi Assauer