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Manchmal fragt man sich, ob die Gäste überhaupt wussten, dass das Spiel schon begonnen hatte. Am späten Donnerstagabend in Wusterwitz jedenfalls war von Eintracht Schwerin herzlich wenig zu sehen - außer zwei Gelben Karten, einem Torwart in Dauerstress und einem Trainer, der ab der 60. Minute nur noch mit den Händen in den Taschen dastand. Der FC Wusterwitz hingegen spielte, als hätte man ihnen heimlich Energydrinks in die Trinkflaschen gemischt: am Ende stand ein hochverdientes 4:0 (1:0). Schon nach einer Viertelstunde war klar, wer hier das Sagen hat. Wusterwitz schob den Ball mit 53 Prozent Ballbesitz geduldig durch die eigenen Reihen, ließ Schwerin hinterherlaufen und suchte immer wieder den Weg zum Tor - 19 Torschüsse insgesamt sprechen eine deutliche Sprache. Eintracht Schwerin kam auf zwei, und die waren eher höfliche Versuche, den Wusterwitzer Keeper Phillip Zimmermann daran zu erinnern, dass er auch mitspielen darf. Das erste richtige Highlight kam in der 41. Minute: Walther Buchholz legte wunderbar quer, Luca Philipp nahm den Ball mit links, schaute kurz - und ließ Schwerins jungen Keeper Nico Seiler keine Chance. 1:0, verdient, und das Stadion mit seinen 6388 Zuschauern bebte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Philipp nach dem Spiel. "Walther meinte später, das sei so geplant gewesen - klar, Walther plant alles." Nach der Pause versuchte Schwerin, offensiver aufzutreten. Trainer Thomas Krause hatte offenbar die Marschroute "Angriff ist die beste Verteidigung" ausgegeben, aber seine Mannschaft verwechselte das mit "Wir lassen jetzt einfach mal alle Räume offen". Nur sieben Minuten nach Wiederanpfiff schlug Wusterwitz erneut zu: Innenverteidiger Marco Müller schickte Rafael Witte steil, der traf trocken ins lange Eck - 2:0 (52.). "Das war so ein Ball, wo du denkst: entweder du machst ihn rein, oder du machst dich zum Gespött", sagte Witte später lachend. Und als hätte das nicht gereicht, legte die Heimelf nach. In der 69. Minute zirkelte Johann Zander den Ball nach schöner Vorarbeit von Curt Fröhlich ins Netz - 3:0. Kurz vor Schluss (83.) durfte dann auch der eingewechselte Finn Roth jubeln, bedient von Zander, der an diesem Abend der heimliche Star des Spiels war. 4:0, und die Schweriner Verteidigung wirkte inzwischen so löchrig wie ein alter Trainingsball. Zwischendurch gab’s auch ein bisschen Farbe im Spiel: Schwerins Innenverteidiger Tim Büttner (35.) und Markus Pan (86.) sahen Gelb, ebenso Wusterwitz’ Marko Weise (67.), der danach fröhlich erklärte: "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin." Trainer Tom Fritz zeigte sich nach dem Abpfiff gewohnt euphorisch nüchtern: "Das war ordentlich. Wir hätten aber noch zwei, drei mehr machen können." Auf die Frage, ob er mit der Tabellenposition zufrieden sei, lachte er: "Fragen Sie mich das nach der nächsten Trainingseinheit, wenn die Jungs wieder laufen müssen." Eintracht-Coach Krause dagegen musste sich zusammenreißen, nicht zu sehr ins Phrasenschwein zu greifen. "Wir haben Lehrgeld bezahlt", meinte er, "und zwar bar." Auf die Frage, wie er die Leistung seines Teams bewerte, seufzte er: "Sagen wir so: Wir haben 90 Minuten gebraucht, um zu verstehen, dass Wusterwitz Fußball spielt." Ein Blick in die Statistik unterstreicht das Geschehen: Wusterwitz gewann 57 Prozent der Zweikämpfe, hatte mehr Ballbesitz, mehr Zug zum Tor und mehr Ideen. Schwerin dagegen wirkte ideenlos und müde - kein Wunder, dass sie über die gesamte Partie kaum gefährlich wurden. Als der Schiedsrichter abpfiff, applaudierten die Fans noch minutenlang. Einige sangen, andere prosteten sich mit Bierbechern zu. Luca Philipp, der Torschütze des Abends, rief den Fans zu: "So macht Fußball Spaß!" Und man glaubte es ihm sofort. Fazit: FC Wusterwitz in Galaform, Eintracht Schwerin im Tiefschlaf. Wenn die Wusterwitzer so weitermachen, wird’s oben in der Regionalliga B bald richtig spannend. Und Schwerin? Sollte vielleicht über eine neue Taktik nachdenken - oder zumindest über einen Wecker zum Anpfiff. 18.03.644003 19:08 |
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