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Wer am Donnerstagabend im Kornwestheimer Stadion auf ein offenes Duell gehofft hatte, bekam zumindest eines: einseitige Klarheit. Der FC Wusterwitz zeigte beim 2:0‑Auswärtssieg am 22. Spieltag der Regionalliga B, wie man ein Spiel kontrolliert, ohne spektakulär zu wirken - und der SV Kornwestheim demonstrierte, wie man mit 48 Prozent Ballbesitz exakt einen Torschuss produziert. "Wir wollten eigentlich mehr nach vorne machen", murmelte Kornwestheims Coach nach dem Schlusspfiff, "aber die Wusterwitzer haben den Ball einfach nicht hergegeben." Von seiner Mannschaft war das, nett formuliert, ein Abend zum Abhaken. Nur einmal - in der 74. Minute, als Hanns Hafner aus 18 Metern abzog - kam so etwas wie Torgefahr auf. Der Ball flog über das Fangnetz, und der Stadionsprecher kommentierte trocken: "Auch das war ein Versuch." Die Gäste dagegen legten los, als wollten sie alle Zweifel an ihrer Form gleich in den ersten Minuten erschießen. Schon nach drei Minuten prüfte Werner Runge den jungen Keeper Michael Berg, und der 17‑Jährige lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Danach rollte Wusterwitz Angriff um Angriff, 17 Torschüsse standen am Ende auf der Statistiktafel - und die meisten davon waren alles andere als Alibischüsse. Das 0:1 fiel in der 32. Minute, als der 20‑jährige Luca Philipp einen präzisen Pass von Rechtsverteidiger Carl Schindler aufnahm, kurz verzögerte und den Ball flach ins lange Eck schob. "Ich hab einfach gemacht, was wir trainiert haben", grinste Philipp später, "und diesmal ist er auch mal reingegangen." Ein Satz, der bei Kornwestheim an diesem Abend niemandem über die Lippen kam. Nach dem Rückstand versuchte der SV Kornwestheim zwar, das Spiel zu öffnen, aber Wusterwitz blieb die klar strukturiertere Mannschaft. Trainer Tom Fritz hatte seine Elf offensiv eingestellt, ließ über kurze Pässe kombinieren und verzichtete bewusst auf wildes Pressing - mit Erfolg. "Wir wollten sie laufen lassen, nicht umgekehrt", erklärte Fritz. Sein Plan ging auf: Kornwestheim lief, Wusterwitz kombinierte, und das Publikum applaudierte spätestens nach der dritten Runge‑Flanke höflich, wenn auch etwas resigniert. Kurz vor der Pause mussten die Gäste zweimal wechseln - Rechtsverteidiger Carl Schindler und Flügelspieler Johann Zander blieben in der Kabine, Finn Kern und Youngster Nico Behrendt kamen. Am Spiel änderte das wenig: Wusterwitz blieb tonangebend, Kornwestheim blieb bemüht. Die zweite Halbzeit verlief wie ein Déjà‑vu. Wieder kontrollierten die Gäste das Mittelfeld, wieder glänzte der aufmerksame Runge als Taktgeber. Kornwestheim versuchte es mit langen Bällen, die meist schneller zurückkamen, als sie vorne ankamen. "Wenn du niemanden hast, der mal einen Ball festmacht, wird’s halt schwer", sagte Verteidiger Johannes Stahl hinterher mit einem Seufzer. In der 81. Minute machte erneut Luca Philipp alles klar. Nach feinem Doppelpass mit Werner Runge schob er den Ball überlegt zum 0:2 ins Netz. Ein Tor, das in seiner Selbstverständlichkeit fast arrogant wirkte. "Er ist gerade in einer Phase, wo er glaubt, jeden Ball reinmachen zu können", grinste Trainer Fritz - und genau das tat Philipp an diesem Abend. Die Schlussphase geriet dann noch zur kleinen Kartenparade: Zunächst sah Kornwestheims Sascha Schlegel Gelb (75.), später Gelb‑Rot (90.), und in der Nachspielzeit verabschiedete sich Wusterwitz‑Verteidiger Marcel Voigt mit Rot nach einem übermotivierten Einsteigen. "Er hat wohl vergessen, dass wir schon geführt haben", kommentierte Fritz trocken. 4049 Zuschauer gingen trotzdem zufrieden nach Hause - die einen wegen des Ergebnisses, die anderen, weil es endlich vorbei war. Kornwestheim bleibt nach dieser Vorstellung im Tabellenmittelfeld stecken und wird sich fragen müssen, wie man mit fast gleichem Ballbesitz derart chancenlos sein kann. Wusterwitz dagegen schiebt sich mit diesem souveränen Auftritt weiter nach oben und darf vom Aufstiegsrennen träumen. Zum Abschluss sagte Torschütze Philipp mit einem Augenzwinkern: "Ich hab heute zweimal getroffen - aber ehrlich, das hätte auch noch höher ausgehen können." Recht hat er. Und Kornwestheim sollte sich freuen, dass es nicht so kam. Manchmal ist Fußball eben einfach: Der eine schießt, der andere schaut zu. Und an diesem Abend war klar, wer wer war. 20.02.644000 04:10 |
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