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FC Wusterwitz zerlegt Eintracht Schwerin - ein Abend voller Lehrstunden

Ein lauer Maiabend, Flutlicht über dem Stadion am Lambrechtsgrund, 3669 Zuschauer mit Bier in der Hand und Hoffnung im Herzen - zumindest für die ersten zwanzig Minuten. Dann zeigte der FC Wusterwitz, warum man ihn in der Regionalliga B lieber nicht zum Tanz bittet. Mit einem deutlichen 4:0 (3:0) fegte die Mannschaft von Trainer Tom Fritz über Eintracht Schwerin hinweg, die ihrerseits mehr Ballbesitz, aber weniger Ahnung hatten, was sie damit anfangen sollten.

"Wir wollten ruhig aufbauen und das Spiel kontrollieren", sagte Schwerins Trainer Thomas Krause nach dem Spiel, während er in der Mixed Zone demonstrativ an seiner Wasserflasche nippte. "Das hat auch bis zur 22. Minute funktioniert." Danach allerdings schlug das Pendel gnadenlos in Richtung Wusterwitz aus.

Es begann in der 23. Minute, als Curt Fröhlich - nomen est omen - nach feiner Vorarbeit von Nico Behrendt seinen Gegenspieler schwindlig spielte und trocken ins linke Eck vollendete. Nur drei Minuten später legte Stephan Werner nach, bedient von Spielmacher Werner Runge, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, das Mittelfeld in sein persönliches Wohnzimmer zu verwandeln. "Ich hab schon in der Kabine gesagt: Heute läuft’s", grinste Runge später, während er sich die Schweißperlen aus dem Bart wischte.

In der 42. Minute war es dann Johann Zander, der nach einer weiteren Runge-Vorlage den Ball humorlos in die Maschen drosch - 3:0, und das Stadion verstummte. Die Schweriner Fans blieben zwar tapfer, aber ihr Team schien den eigenen Ballbesitzrekord (fast 54 Prozent) eher als Beschäftigungstherapie zu verstehen. Drei magere Torschüsse in 90 Minuten - das war dünn wie Stadionbier nach der siebten Runde.

Krause versuchte es nach der Pause mit lauterem Zurufen von der Seitenlinie, doch Wusterwitz blieb eiskalt. In der 55. Minute erhöhte der eingewechselte Luca Philipp, frisch aufs Feld gekommen, nach Vorarbeit von Hanns Konrad auf 4:0. Damit war der Abend entschieden - und zwar deutlich.

Bemerkenswert: Trotz der Offensivwucht der Gäste blieb es bei nur einer Gelben Karte für Wusterwitz (Marco Müller in der 76. Minute), wohingegen Schwerin gleich zweimal in den Notizblock des Schiedsrichters kam. "Wir wollten eigentlich aggressiver auftreten", meinte Schwerins Rechtsverteidiger Max Weller, der selbst verwarnt wurde. "Aber wenn du ständig hinterherläufst, siehst du halt immer spät aus."

Statistisch gesehen war das Spiel fast grotesk: 24 Torschüsse für Wusterwitz, 3 für Schwerin. Mehr Ballbesitz für die Hausherren, aber kaum Ideen, was man damit macht. "Das war ein bisschen wie Schach mit Holzfiguren", flachste ein Fan auf der Tribüne, während der Stadionsprecher die Nachspielzeit ankündigte.

In der 57. Minute dann ein kleiner Schreckmoment: Wusterwitz’ Mittelfeldspieler Walther Buchholz verletzte sich bei einem Zweikampf und musste ausgewechselt werden. "Nichts Schlimmes, nur ein Schlag", beruhigte Trainer Fritz später. "Aber wenn du 4:0 führst, gehst du da kein Risiko mehr ein."

Fritz wirkte nach Schlusspfiff auffallend gelassen. "Wir haben heute einfach konsequent gespielt. Die Jungs haben verstanden, dass man auch ohne 70 Prozent Ballbesitz gewinnen kann", sagte er mit einem Zwinkern in Richtung seines Kollegen Krause. "Manchmal bringt es halt mehr, den Ball ins Tor zu schießen, als ihn nur zu streicheln."

Schwerin dagegen muss sich an die eigene Nase fassen. Offensiv kaum Durchschlagskraft, defensiv löchrig wie ein alter Trainingsball - und das vor heimischem Publikum. "Wir werden das intern aufarbeiten", versprach Kapitän Markus Pan mit stoischer Miene, bevor er im Kabinengang verschwand.

Die Fans quittierten die Leistung mit höflichem Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Gewohnheit. Die Wusterwitzer hingegen feierten ausgelassen, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. Und vielleicht fühlte es sich für sie genau so an.

Am Ende war das 0:4 nicht nur ein Ergebnis, sondern ein Statement. Der FC Wusterwitz zeigte, dass Effektivität manchmal schöner ist als Ballbesitzquote, und Eintracht Schwerin lernte, dass man Spiele nicht durch Wohlfühlfußball gewinnt. Oder, wie es Wusterwitz-Stürmer Curt Fröhlich trocken formulierte: "Wir hatten einfach Lust auf Tore - und die Eintracht hat uns gelassen."

Ein Abend voller Lehrstunden also - vor allem für die Hausherren. Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, blieb das Gefühl, dass hier zwei Mannschaften in ganz unterschiedlichen Fußballuniversen unterwegs waren.

11.05.644000 03:21
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