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Was für ein Fußballabend in Wusterwitz! Bei kühlen 8 Grad, Flutlicht und 5492 bestens gelaunten Zuschauern demonstrierte der FC Wusterwitz am 19. Spieltag der Regionalliga B, wie Offensivfußball aussehen kann, wenn alles klappt. 6:1 hieß es am Ende gegen einen FK Pirmasens, der wahlweise unter die Räder oder in den Mixer geraten war - je nach Perspektive. Schon nach vier Minuten war klar, dass Trainer Tom Fritz seine Jungs mit ordentlich Pfeffer in den Schuhen auf den Platz geschickt hatte. Walther Buchholz, gerade mal 20 und mit einer Spielfreude, die an Straßenfußball erinnert, hämmerte den Ball nach Vorarbeit von Hanns Konrad ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Buchholz später. "Aber wenn’s so reingeht, sag ich nicht nein." Keine 60 Sekunden später jubelte das Stadion erneut: Ralf Meiser, seines Zeichens linker Verteidiger, rauschte heran, nahm wieder eine Vorlage von Konrad - und traf. 2:0 nach fünf Minuten. "Da hab ich kurz überlegt, ob wir den Bus hätten stehen lassen sollen", knurrte FK-Trainerin Gudrun Schweitzer später sarkastisch. Und Wusterwitz hörte nicht auf. In der 30. Minute schloss Finn Roth einen mustergültigen Angriff über - natürlich - Hanns Konrad ab. 3:0, Halbzeit. Das Publikum hatte längst den ironischen Gesang "Zieht den Pirmasensern die Lederhosen aus" angestimmt, während auf der Trainerbank der Gäste hektisch an der Taktiktafel radiert wurde. Pirmasens kam nach der Pause tatsächlich etwas mutiger aus der Kabine, stellte auf offensive Ausrichtung um - doch der nächste Treffer fiel auf der falschen Seite. In Minute 53 belohnte sich Hanns Konrad selbst mit einem platzierten Schuss ins linke Eck, nachdem er das halbe Mittelfeld schwindlig gespielt hatte. "Ich dachte, jetzt wird’s Zeit, mich für die Vorlagen zu bedanken", lachte der Mann des Abends. Vier Minuten später machte Curt Fröhlich den Deckel endgültig drauf. Nach einer Ecke von Marcel Voigt stieg er am höchsten und köpfte zum 5:0 ein - ein Tor, das so lehrbuchhaft war, dass man es vermutlich in jeder Trainerausbildung zeigen wird. "Curt springt wie ein Känguru auf Espresso", kommentierte Trainer Fritz trocken. Die Gäste hatten allerdings noch einen Moment zum Durchatmen: In der 70. Minute erzielte Alexander Satchmore nach schöner Vorarbeit von Nikolai Dotschew den Ehrentreffer. Das 5:1 war mehr kosmetische Korrektur als Aufbruchssignal, aber immerhin ein Achtungspunkt. "Wenn du gegen so eine Offensivmaschine spielst, ist jeder Treffer Goldstaub", meinte Satchmore tapfer. Doch Wusterwitz wollte es wissen. In der Schlussminute, als die meisten schon auf den Abpfiff warteten, bedankte sich Rechtsverteidiger Carl Schindler bei Vorlagengeber Konrad mit einem wuchtigen Schuss aus 20 Metern - das 6:1. "Ich dachte mir, wenn alle treffen, will ich auch mal", sagte Schindler und lachte. Statistisch war das Spiel fast ausgewogen - zumindest, wenn man Ballbesitz mag. 50,6 Prozent für Pirmasens, 49,4 für Wusterwitz. Doch wer 21 Torschüsse gegenüber nur fünf des Gegners abfeuert, braucht keine Prozentrechnung, um den Unterschied zu erkennen. Trainer Tom Fritz zeigte sich nach dem Spiel gewohnt gelassen: "Ich sag den Jungs immer: Wenn ihr Spaß habt, hat der Gegner ein Problem." In der Kabine soll später lautstark gesungen worden sein, und selbst die Ordner grinsten bei der Arbeit. Ganz anders die Stimmung bei den Gästen. Gudrun Schweitzer stand nach Abpfiff minutenlang mit verschränkten Armen an der Seitenlinie. "Wir hatten einen Plan", sagte sie schließlich. "Nur leider hat Wusterwitz einen besseren gehabt." Ein Satz, der das Spiel wohl am besten zusammenfasst. Besonders auffällig: die junge Wusterwitzer Garde. Konrad (23), Roth (24), Fröhlich (23), Voigt (18) - eine Generation, die Fußball mit Tempo, Witz und Mut spielt. Selbst die Zuschauer auf der Haupttribüne, sonst eher kritisch, applaudierten stehend. "Das war Fußball, wie wir ihn hier lange nicht gesehen haben", schwärmte ein älterer Fan, während er sein Bier hob. Am Ende blieb der Eindruck eines Abends, an dem einfach alles passte: das Wetter, die Stimmung, die Chancenverwertung. FK Pirmasens dagegen wird sich fragen müssen, ob man mit einer "starken Aggressivität" und "kurzem Passspiel" wirklich weit kommt, wenn der Gegner jeden Pass abfängt und jedes Tor trifft. Fazit: Wusterwitz spielte wie ein Team, das Spaß am eigenen Können hat - und Pirmasens schaute zu. Ein Spektakel, das man in der Regionalliga nicht alle Tage erlebt. Oder wie Trainer Fritz es mit einem Augenzwinkern formulierte: "Sechs Tore, kein Pressing - das nenn ich effiziente Arbeit." 25.08.643996 23:20 |
Sprücheklopfer
Lorant ist von seinem Niveau her bei einem Verein, der sein Niveau hat.
Oliver Kahn