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Es war 20:15 Uhr, Flutlicht an, und 5.275 Zuschauer auf den Rängen des Wusterwitzer Stadions wussten noch nicht, dass sie Zeugen eines regelrechten Fußballfestes werden würden. Der FC Wusterwitz empfing am 25. Spieltag der Regionalliga B den FSV Malchin - und machte mit dem bedauernswerten Gast kurzen Prozess: 7:0 hieß es nach 90 Minuten, und selbst diese Zahl spiegelt das Spielgeschehen nur unzureichend wider. Trainer Tom Fritz hatte seine Elf mit einer klaren offensiven Marschroute aufs Feld geschickt: kurzer Pass, viel Bewegung, keine Gnade. "Wir wollten Spaß haben - und das hat man, wenn man Tore schießt", grinste Fritz hinterher, während sein Gegenüber vermutlich noch in der Kabine versuchte, Worte für das Geschehene zu finden. Schon nach zwanzig Minuten platzte der Knoten. Innenverteidiger Marco Müller - ja, ein Innenverteidiger! - stieg nach einer Ecke von Stephan Werner am höchsten und köpfte den Ball wuchtig ins Netz. Der Jubel war kaum verklungen, da machte Finn Roth nur eine Minute später das 2:0. Nach feiner Vorarbeit von Walther Buchholz traf der Rechtsaußen trocken ins rechte Eck. Der FSV Malchin wirkte in dieser Phase wie ein Autofahrer, der versehentlich auf die Autobahnauffahrt zum Gegenverkehr geraten war. Kurz vor der Pause war es erneut Roth, der den Ball nach herrlichem Zuspiel von Hanns Konrad über die Linie drückte. 3:0 zur Halbzeit, und man hatte das Gefühl, Wusterwitz spiele eher gegen imaginäre Hütchen als gegen echte Gegenspieler. Von Malchin kam - nichts. Kein einziger Torschuss, kein echter Angriff, kein Aufbäumen. Der Ballbesitz von 47 Prozent für die Gäste wirkte wie ein Rechenfehler - vermutlich zählte der Statistiker auch die Abstöße des Torwarts mit. Nach dem Seitenwechsel gönnte sich Wusterwitz keine Verschnaufpause. In der 55. Minute schlenzte Werner Runge, der überragende Mittelfeldmotor, den Ball nach Vorlage von Marko Weise ins lange Eck. Drei Minuten später wieder Runge - diesmal nach Doppelpass mit Marco Müller. "Ich hab einfach mal draufgehalten", lachte Runge später, "und plötzlich war er drin. Vielleicht sollte ich öfter nicht nachdenken." Malchin reagierte mit Ratlosigkeit, Wusterwitz mit Spiellaune. Nach 76 Minuten war es erneut Finn Roth, der mit seinem dritten Treffer den Hattrick perfekt machte. Vorlage? Natürlich Runge. Und als ob das nicht genug wäre, setzte Roth in der 88. Minute noch einen drauf. Müller, der Torschütze vom Anfang, flankte butterweich, Roth köpfte - 7:0. Ein Kunstwerk von Effizienz und Spielfreude. Während Roths vier Tore ihn zum Helden des Abends machten, gebührte auch Marco Müller und Werner Runge ein Sonderapplaus. Müller traf selbst, bereitete zwei Tore vor und gewann gefühlt jeden Zweikampf (die Statistik sagt: 59 Prozent). Runge wiederum traf doppelt, assistierte einmal und lief, so schien es, mehr Kilometer als der Linienrichter mit seinem Fähnchen. Auf der Tribüne feierten die Zuschauer jeden gelungenen Pass, und selbst die Ordner an den Eingängen sollen nach dem Abpfiff mitgeklatscht haben. Nur einer behielt die Ruhe: Torhüter Ralph Steffens, der den vielleicht entspanntesten Abend seiner Karriere hatte. Kein einziger Schuss auf sein Tor - nicht mal ein harmloser Roller. "Ich hätte mir fast eine Decke geholt", witzelte er beim Rausgehen, "aber man weiß ja nie, vielleicht kommt ja doch mal was." FSV-Trainer (dessen Name im Chaos des Abends niemand mehr notierte) wirkte nach Schlusspfiff wie jemand, der eine besonders komplizierte Mathearbeit zurückbekommen hat. "Wir wollten kompakt stehen", murmelte er, "aber dann sind wir irgendwie umgefallen." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Finn Roth ließ sich feiern, war aber bescheiden: "Ohne die Jungs dahinter geht gar nichts. Und Marco Müller hat heute gespielt wie ein Stürmer im Körper eines Verteidigers." Tom Fritz fasste es mit einem Augenzwinkern zusammen: "Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können. Jetzt müssen wir nur aufpassen, dass wir nächste Woche nicht denken, das geht immer so leicht." Malchin hingegen wird sich fragen, wie man ein Spiel mit fast 47 Prozent Ballbesitz beenden kann, ohne überhaupt aufs Tor geschossen zu haben. Vielleicht war das der neue Minimalismus im modernen Fußball - oder einfach ein rabenschwarzer Abend. Egal wie: Wusterwitz spielte sich in einen Rausch, der an diesem Abend alle Statistiken überstrahlte. 29 Torschüsse, sieben Tore, keine Gnade. Und wer dabei war, wird noch lange erzählen, wie der FC Wusterwitz mit einem Lächeln im Gesicht Fußballgeschichte schrieb - zumindest regionale. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn Fußball manchmal grausam ist, dann war er an diesem Abend einfach wunderschön - zumindest für alle, die es mit Wusterwitz halten. 25.03.644000 17:32 |
Sprücheklopfer
Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat.
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