Anpfiff
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FC Wusterwitz zerlegt Mettmann - 5:0 und kein Ende in Sicht

Wenn man in Mettmann an diesem Donnerstagabend die Stadionwurst aus der Hand fallen ließ, war das vermutlich in der ersten Minute. Da hatte Luca Philipp vom FC Wusterwitz gerade den Ball zum 0:1 ins Netz gedroschen - und das Publikum war noch damit beschäftigt, die Sitzkissen zu ordnen. 4.269 Zuschauer im kleinen, aber lauten Stadion erlebten einen Auftakt, der alles versprach - nur keinen spannenden Fußballabend für den Gastgeber.

"Ich hab den Jungs gesagt: Wir müssen wach sein ab der ersten Sekunde", knurrte Mettmanns Trainer nach dem Spiel, dessen Name man in der Statistik wohlweislich verschwiegen hat. "Leider dachten sie, ich meinte die zweite." Der Satz passte zur Partie, in der Wusterwitz von Beginn an zeigte, dass "offensiv" nicht nur eine taktische Einstellung im Matchplan ist, sondern eine Lebenseinstellung.

Die Gäste spielten sich in einen Rausch: Kurzpässe, Seitenwechsel, ein Pressing, das zwar offiziell auf "BEHIND" eingestellt war, aber eher nach "VOLLGAS" aussah. In der 31. Minute durfte dann auch Linksverteidiger Marko Weise jubeln - nach schöner Vorlage von Werner Runge, der das Mittelfeld an diesem Abend mit der Präzision eines Uhrwerks lenkte. Nur drei Minuten später war wieder Runge beteiligt, diesmal als Vorlagengeber für Finn Roth. 0:3 - und der Stadionsprecher hatte bereits Mitleid mit seinem eigenen Mikrofon.

Zur Halbzeit war die Partie entschieden, aber Wusterwitz hatte noch Lust auf Kunststücke. "Wir wollten einfach Spaß haben", grinste Trainer Tom Fritz nach Abpfiff. "Und wenn das dann so aussieht, kann ich damit leben." Seine Spieler offensichtlich auch: Mit 23 Torschüssen gegenüber den fünf zarten Versuchen der Mettmanner war das Chancenverhältnis so eindeutig wie die Körpersprache beider Teams.

In Hälfte zwei versuchte Mettmann wenigstens, die Fassade zu wahren. Der Ballbesitz war mit 49,9 Prozent beinahe ausgeglichen - was allerdings vor allem daran lag, dass Wusterwitz nach dem 0:3 etwas Tempo herausnahm und die Dinge laufen ließ. Trotzdem: In der 77. Minute war wieder Luca Philipp zur Stelle, diesmal nach feinem Pass von Johann Zander. 0:4. Auf der Mettmanner Bank begann man, die Wasserflaschen zu zählen.

Und als ob das nicht genug wäre, machte der eingewechselte Rafael Witte in der 88. Minute den Deckel drauf. Der 19-Jährige schob nach Vorlage von Hanns Konrad lässig ein - und sah dabei aus, als spiele er gerade auf dem Bolzplatz hinter der Tankstelle. "Ich hab gar nicht gemerkt, dass’s schon 5:0 steht", lachte Witte später. "Ich dachte, das war erst das Dritte."

Die Statistik sprach Bände: 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Wusterwitz, ein Torwart Phillip Zimmermann, der sich mehrmals bücken musste, um sich warm zu halten - und eine Mettmanner Mannschaft, die zwar kämpfte, aber nie wirklich Zugriff bekam. Mittelfeldmann Orkut Karaman sah noch Gelb, vermutlich mehr aus Verzweiflung als aus übertriebener Härte.

Nach dem Spiel klatschten die Wusterwitzer Fans ihre Jungs minutenlang ab. "So was sieht man nicht oft in der Regionalliga B", meinte ein älterer Zuschauer, während er seine Bratwurstreste entsorgte. "Ich glaub, die haben heute einfach vergessen, dass sie keine Bundesliga sind."

Und der FC Mettmann? Der verabschiedete sich mit hängenden Köpfen, aber anständigem Applaus. "Manchmal läuft’s halt so", seufzte Keeper Leon Eder. "Wenn du nach einer Minute schon hinten liegst, weißt du: Das wird ein langer Abend."

Ein langer Abend war es tatsächlich - vor allem für die Gastgeber. Für Wusterwitz dagegen ein rauschendes Fest. 5:0 auswärts, ein Starttreffer nach 60 Sekunden, fünf verschiedene Vorlagengeber, junge Helden auf jeder Position - das kann man schon eine Fußballlektion nennen.

Zum Schluss blieb Trainer Fritz nur noch ein ironisches Fazit: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen das Ergebnis genießen - nächstes Mal wird’s sicher nicht so leicht. Aber wenn doch, kann ich damit leben."

Und so verließen die Gäste den Platz mit breiten Grinsen, während Mettmann den Rasen mit gesenktem Blick musterte. Vielleicht dachten sie an die nächste Trainingseinheit. Oder an die Stadionwurst. Die war an diesem Abend immerhin das Beste, was die Heimfans bekommen konnten.

07.03.643994 04:38
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Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon
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