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Es war ein lauer Juniabend in Bielefeld, doch im Stadion von Teutonia brannte früh die Luft: 4000 Zuschauer sahen, wie der FC Wusterwitz die Hausherren mit chirurgischer Präzision seziert. Am Ende stand ein klares 0:3 (0:1) - und das war noch schmeichelhaft für die Gastgeber. Schon die ersten Minuten deuteten an, wohin die Reise geht. FCW-Trainer Tom Fritz hatte seine Elf offensiv eingestellt, während Peer Chamier auf der Teutonia-Bank eher zum Gebet als zum Gegenangriff neigte. "Wir wollten erstmal sicher stehen", erklärte er hinterher - was in etwa so gut funktionierte wie ein Regenschirm im Sturm. Bereits nach fünf Minuten prüfte Rafael Witte den Bielefelder Keeper Dominique Reacock - noch hielt der. Doch in der 28. Minute war es soweit: Der 21‑jährige Luca Philipp, der aussieht, als würde er normalerweise in der Unimensa Latte Macchiato servieren, traf nach Vorlage des jungen Verteidigers Marcel Voigt trocken zum 0:1. Ein Schuss, so präzise, dass selbst der Linienrichter kurz Applaus klatschte. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Philipp später. "Ich dachte, der Ball fliegt auf den Parkplatz - aber dann war er drin." Danach spielte Wusterwitz wie im Rausch. Ballbesitz? 53 Prozent. Torschüsse? 17 zu 3. Und die Statistik lügt diesmal nicht. Die Gäste kombinierten, passten, zauberten, während Bielefelds Defensive sich im eigenen Strafraum sammelte wie ein Chor, der die Einsätze verpasst. Kurz vor der Pause wagte Kai Ullrich für Teutonia den ersten ernsthaften Versuch aufs Tor - der Ball segelte in Richtung Oberrang, wo ein Fan ihn mit lautem Jubel fing. "Das war unsere beste Chance", seufzte Kapitän Laurent Beaumanoir später und lächelte dabei tapfer. Nach dem Seitenwechsel wurde’s nicht besser. Chamier brachte in der 49. Minute Andreas Sonnenschein - und verlor ihn zwei Minuten später direkt wieder verletzt. Ein Symbolbild für den Abend: Wenn’s läuft, dann rückwärts. In der 57. Minute dann das 0:2: Rafael Witte, der zuvor schon dreimal gefährlich aufgetaucht war, vollendete eine butterweiche Vorlage von Werner Runge. Ein Schuss aus zwölf Metern, platziert, unhaltbar. "Der Ball lag da, ich hab ihn einfach lieb angesehen - und dann reingeschickt", sagte Witte mit einem Grinsen, das sogar die Bielefelder Ultras entwaffnete. Neun Minuten später setzte Curt Fröhlich den Schlusspunkt. Wieder Runge als Vorbereiter, diesmal ein Pass durch die Gasse, Fröhlich eiskalt - 0:3. Da war das Spiel gelaufen, auch wenn Bielefelds Trainer Chamier danach noch auf ein "moralisches Comeback" hoffte. "Wenn du 17 Schüsse aufs Tor kassierst, ist Moral irgendwann auch nur noch Theorie", knurrte er später in der Pressekonferenz. Sein Kollege Fritz dagegen strahlte: "Wir haben heute gezeigt, dass wir Fußball nicht nur spielen, sondern auch mögen." Beeindruckend war, wie Wusterwitz trotz komfortabler Führung weiter angriff. Kein Pressingwunder, kein übertriebener Einsatz - einfach sauberes, strukturiertes Offensivspiel. Man merkte: Diese Mannschaft weiß, was sie will. Bielefeld dagegen wirkte planlos. Der Ballbesitz von knapp 47 Prozent täuscht: Meistens rollte die Kugel irgendwo zwischen den eigenen Innenverteidigern hin und her, bis Wusterwitz wieder dazwischenfuhr. Die Tacklingquote von 42 Prozent spricht Bände - oder eher: flüstert hilflos. Selbst die Zuschauer nahmen’s mit Humor. Nach dem dritten Treffer rief einer: "Peer, stell dich selber rein!" Der Trainer drehte sich kurz um, hob die Hände und sagte lachend: "Ich würd ja, aber meine Knochen haben Regionalliga vor fünf Jahren abgemeldet." Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Fans trotzdem - vielleicht aus Erleichterung, vielleicht aus Respekt vor der Wusterwitzer Spielfreude. Ein kleines Highlight gab’s dann noch nach dem Spiel: Der 17‑jährige Eri Bode, eingewechselt auf der linken Abwehrseite der Gäste, bekam von seinem Trainer ein Schulterklopfen. "Er hat keinen einzigen Zweikampf verloren", lobte Fritz. "Gut, er hatte auch nur zwei, aber die waren stark." So bleibt unterm Strich ein verdienter Sieg für den FC Wusterwitz, der mit jugendlicher Leichtigkeit und eiskalter Effizienz Teutonia Bielefeld auseinander nahm. Und Peer Chamier? Der verließ das Stadion mit den Worten: "Nächste Woche spielen wir wieder mutiger - notfalls mit dem Platzwart im Sturm." Ein Satz, der Hoffnung macht. Oder zumindest ein Lächeln. 16.12.644002 06:32 |
Sprücheklopfer
Wenn ich über das Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker, nicht mal schwimmen kann er.
Berti Vogts