Anpfiff
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FK Pirmasens lässt Magdeburg im Dauerregen stehen

Es war einer dieser Abende in der Regionalliga B, an denen man sich fragt, ob die Gäste eigentlich wussten, dass das Spiel schon um 20:15 Uhr begann. FK Pirmasens besiegte BW Magdeburg mit 2:0 - und das völlig verdient, wenn man bedenkt, dass die Heimmannschaft 27 Torschüsse abgab, während Magdeburg ganze vier Mal in Richtung gegnerisches Tor schoss.

Schon nach acht Minuten bebte das Stadion auf der Husterhöhe. Ulf Eriksen, normalerweise eher für das Stoppen von Angriffen bekannt als für das Einleiten eigener, zog nach einem feinen Doppelpass mit Archie MacAlister einfach mal aus spitzem Winkel ab. Der Ball rauschte an Freund und Feind vorbei und zappelte im Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der rechte Verteidiger später und zuckte mit den Schultern. Trainerin Gudrun Schweitzer kommentierte trocken: "Dann soll er eben öfter flanken."

Magdeburg, geführt von Trainer Sven Lange, reagierte - oder besser gesagt, versuchte es. Doch die Offensive der Gäste blieb so harmlos wie ein lauwarmer Früchtetee. Markus Lohmann hatte in der 59. und 61. Minute zwei Gelegenheiten, die man freundlich als Chancen bezeichnen könnte. Beide Male landete der Ball in den Armen von Pirmasens-Keeper Lucas Grantham, der anschließend ermahnend zu seinen Verteidigern blickte: "Lasst mich doch auch mal was halten!"

Pirmasens dagegen spielte weiter wie entfesselt. In der 23. Minute war es Archie MacAlister selbst, der nach Vorarbeit von Alexander Satchmore das 2:0 erzielte. Ein Schuss wie gemalt, flach, präzise, unhaltbar. "Das war einfach Instinkt", erklärte der Schotte im Trikot der Pfälzer später, "ich hab gesehen, dass der Torwart noch über den ersten Treffer nachgedacht hat."

Von da an war das Spiel im Grunde entschieden. Pirmasens dominierte, Magdeburg verteidigte - allerdings mehr gegen sich selbst als gegen den Ball. Die Gäste hielten zwar leicht mehr Ballbesitz (50,01 %), wussten aber wenig damit anzufangen. Lange Bälle ins Nichts, verlorene Zweikämpfe und ratlose Gesichter prägten ihr Spiel.

In der 62. Minute wurde es kurz hitzig: Tiago Gomes sah Gelb, zwei Minuten später Gelb-Rot. "Das war ein klassischer Moment geistiger Umnachtung", schimpfte Schweitzer nach der Partie, "aber wenigstens war er dabei konsequent." Trotzdem ließ sich Pirmasens nicht beirren, stellte auf kontrolliertes Konterspiel um und hatte weiterhin Chancen im Minutentakt.

Dani Tabenkin, der unermüdliche Linksaußen, prüfte den Magdeburger Keeper Carsten Frei gefühlt alle fünf Minuten - manchmal mit dem rechten Fuß, manchmal mit dem linken, manchmal einfach mit purer Willenskraft. Als er in der 76. Minute erschöpft ausgewechselt wurde, klatschte ihn Schweitzer ab und rief: "Du hast heute mehr geschossen als Magdeburg insgesamt!"

Auch der eingewechselte Noah Specht hatte seine Szenen, traf aber das Tor ebenso selten wie der berühmte Lottogewinner seine Zahlen. Doch das Publikum - 3419 wetterfeste Zuschauer - feierte jede Aktion, als ginge es um die Meisterschaft. "So eine Stimmung hatten wir hier lange nicht", sagte MacAlister nach dem Spiel, während er sich den Schweiß aus dem Gesicht wischte.

BW Magdeburg hingegen wirkte nach Abpfiff, als hätten sie gerade herausgefunden, dass Fußball auch ohne Ballbesitz Spaß machen kann. Trainer Lange bemühte sich um Fassung: "Wir wollten geduldig spielen. Leider haben wir das mit passiv verwechselt."

Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - zumindest, wenn man nur die Prozentzahlen des Ballbesitzes betrachtet. Alles andere sprach jedoch eine deutliche Sprache: Pirmasens führte die Zweikampfquote mit 57 Prozent an, und wer 27 Schüsse aufs Tor bringt, darf sich ruhig als Chef im Haus fühlen.

In der Schlussphase kam sogar der 17-jährige Martin Keil zu seinem Debüt, durfte für den erschöpften Vitorino Ramallo ran und bekam gleich eine lautstarke Anweisung von Kapitän MacAlister: "Einfach laufen und nicht nachdenken!" Keil nickte - und lief.

Am Ende blieb es beim 2:0. Ein Ergebnis, das klar, aber noch schmeichelhaft für die Gäste war. "Hätten wir die Latte nicht so oft getroffen wie ein Schlagzeuger im Proberaum, wäre es zweistellig geworden", witzelte Schweitzer mit einem Augenzwinkern.

Fazit: FK Pirmasens zeigte Fußball mit Herz, Hirn und Humor - und BW Magdeburg zeigte, dass man auch mit langen Bällen weit kommen kann, nur eben nicht bis ins gegnerische Tor.

Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions meinte: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald ein größeres Stadion - oder wenigstens ein breiteres Grinsen."

20.02.644000 00:00
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Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber.
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