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Es war eine dieser lauen Sommernächte, in denen der Fußball in Mannheim eher als Geduldsprobe denn als Unterhaltung diente. 3786 Zuschauer kamen am 13. Spieltag der Regionalliga B ins Carl-Benz-Stadion, um den SV Mannheim gegen den FK Pirmasens zu sehen. Sie gingen mit einem klaren 0:2 nach Hause - und dem leisen Gefühl, dass die Gäste auch hätten höher gewinnen können, wenn sie gewollt hätten. Schon nach wenigen Minuten wurde klar, wie dieser Abend laufen würde: Pirmasens spielte, Mannheim schaute zu. Während die Gäste unter Trainerin Gudrun Schweitzer mit 17 Torschüssen und 56 Prozent Ballbesitz das Geschehen kontrollierten, brachte es Mannheims Offensive auf exakt null Schüsse aufs Tor - ein Wert, der in der Statistikabteilung als "mutig minimalistisch" vermerkt wurde. In der 21. Minute war es dann so weit: Müjdat Öztürk, der flinke Linksaußen der Pirmasenser, verwandelte eine Vorlage von Alex Coviello zum 0:1. Ein Treffer, der so selbstverständlich fiel, dass der Mannheimer Torwart Jürgen Ludwig danach auf die Frage, was er dabei gedacht habe, trocken antwortete: "Dass mein Abend jetzt erst richtig anfängt." Die Hausherren versuchten danach, Ordnung ins Chaos zu bringen. Trainer Sven Egal - nomen est omen - gestikulierte wild an der Seitenlinie, während sein Team sich tapfer gegen die Flut an Angriffen stemmte. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte er später, "aber irgendwie standen wir dann meistens nur." Noch vor der Pause kassierte Rechtsverteidiger Heinz Heinze Gelb, nachdem er den enteilten Coviello mit einem beherzten Griff an der Schulter stoppte - "eine taktische Umarmung", wie er es später nannte. Nach dem Seitenwechsel wechselte Schweitzer ihre Offensivkraft Öztürk aus und brachte Dani Tabenkin. "Er sollte vorne einfach weiterspielen, wie wir aufgehört haben - mit Chancen", erklärte die Trainerin mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Selbstzufriedenheit und Mitleid pendelte. In der 73. Minute fiel dann die endgültige Entscheidung: Archie MacAlister, der schottische Taktgeber im Mittelfeld, zog nach feiner Vorarbeit von Kornej Babinow aus 18 Metern ab und traf sehenswert ins linke Eck. 0:2 - und das Spiel war durch. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte MacAlister später. "Wenn du 16 Mal den Ball aufs Tor bringst, darf er beim 17. Mal auch mal rein." Mannheim mühte sich weiter, doch mehr als ein paar gelbe Karten für die jungen Wilden Nolte (55.) und Hausmann (91.) sprang nicht heraus. Das Publikum quittierte jeden gewonnenen Zweikampf mit Applaus - vielleicht auch, weil sie so selten waren. Die Tackling-Quote von 39 Prozent sprach eine deutliche Sprache. Pirmasens dagegen zeigte, warum es in dieser Liga zu den spielstärkeren Teams gehört. Kurze Pässe, hohes Tempo, konsequentes Pressing - und das alles mit einer Selbstverständlichkeit, die fast unhöflich wirkte. Schweitzer lobte ihr Team nach dem Schlusspfiff: "Wir haben unser Spiel durchgezogen. Nur schade, dass wir nicht mehr Treffer gemacht haben. Aber man soll sich ja auch mal etwas fürs nächste Mal aufheben." Sven Egal dagegen wirkte ratlos, aber gefasst: "Wir hatten unseren Plan, aber der Ball wollte einfach nicht. Oder vielleicht wollten wir den Ball nicht genug. Das müssen wir uns fragen." Auf die Statistik angesprochen - null Schüsse aufs Tor - antwortete er nur: "Dann kann’s ja beim nächsten Mal nur besser werden." Ein älterer Fan auf der Tribüne brachte es am Ende auf den Punkt: "Wenn du 90 Minuten ohne Schuss bleibst, ist das schon fast Kunst. Nur halt keine, die Punkte bringt." So bleibt für Mannheim die Erkenntnis, dass man mit 17-Jährigen in der Startelf zwar viel Zukunft, aber noch wenig Gegenwart auf dem Platz hat. Für Pirmasens hingegen war es ein Arbeitssieg mit Stil - abgeklärt, souverän, ohne großes Spektakel, aber mit der klaren Botschaft: Wer gegen sie bestehen will, braucht mehr als guten Willen. Und so endete der Abend, wie er begonnen hatte: mit einem überlegenen FK Pirmasens, einem tapferen, aber zahnlosen SV Mannheim - und einem Publikum, das sich fragte, ob der Getränkestand vielleicht das spannendste Duell des Abends geboten hatte. 07.03.644003 02:39 |
Sprücheklopfer
Ich habe früher auch die großen Philosophen gelesen. Doch dann habe ich gemerkt, dass die von meinem normalen Denken absolut abweichen. Jetzt lese ich nur noch Fußballfachbücher.
Peter Neururer