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Es gibt Fußballabende, an die man sich noch lange erinnert, und dann gibt es den 3. Juni 2026 in Pirmasens. Vor 3267 bestens gelaunten Zuschauern verwandelte sich das Stadion zeitweise in eine Bühne für einen Mann: Müjdat Öztürk. Der 27-jährige Linksaußen des FK Pirmasens erzielte vier Tore beim 5:0-Kantersieg gegen Eintracht Schwerin - und das so mühelos, als spiele er auf dem Bolzplatz hinterm Vereinsheim. Schon vor dem Anpfiff war die Marschroute klar: Trainerin Gudrun Schweitzer ließ offensiv auflaufen, "wir wollten Schwerin gar nicht erst glauben lassen, dass sie hier Punkte holen könnten", sagte sie später mit einem spitzbübischen Grinsen. Ihre Elf setzte das um - 20 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz, Pressing mit Biss. Die Gäste aus Schwerin, gecoacht von Thomas Krause, sahen dagegen aus, als hätten sie den Busparkplatz mit der Spielfeldhälfte verwechselt. Nach einer Reihe früher Chancen - Marcel Baer in der 12., Alexander Satchmore kurz darauf - fiel das 1:0 in der 33. Minute. Natürlich Öztürk. Ein trockener Abschluss von links, unhaltbar für den 19-jährigen Schweriner Keeper Nico Seiler. "Ich hab’ nur kurz aufs Tor geschaut und gedacht: na gut, dann halt rein damit", grinste der Torjäger später, als wäre das alles reine Routine. Schwerin versuchte, sich in die Pause zu retten, hatte durch Dennis Stefan (17.) sogar eine kleine Gelegenheit, doch Pirmasens blieb klar am Drücker. Einziger Wermutstropfen: David Bernier kassierte in der 69. Minute Gelb, nachdem er beim Rückwärtsgang wohl vergessen hatte, wo seine Beine aufhören. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte - mit Pirmasenser Überlegenheit. Kaum war der eingewechselte Alex Coviello auf dem Platz (für den jungen Stefan Keller), legte Archie MacAlister herrlich quer, Öztürk bedankte sich mit dem 2:0 in der 48. Minute. Schwerin taumelte, die Defensive löste sich in Einzelteile auf, und als Samuel Reid in der 60. Minute auf links durchbrach und wieder für Öztürk ablegte, stand es 3:0. "Da hatte ich kurz Mitleid", sagte Pirmasens’ Rechtsverteidiger Ulf Eriksen später - um dann lachend hinzuzufügen: "Aber nur ganz kurz." Eriksen selbst war omnipräsent, er rannte, grätschte, flankte - und sah Gelb (80.), vermutlich, weil der Schiedsrichter schlicht Mitleid mit Schwerin hatte und endlich auch mal pfeifen wollte. Das 4:0 in der 72. Minute war fast schon Kunst: Öztürk verwandelte eine Hereingabe von Dani Tabenkin volley - ein Treffer, der in jedem Highlight-Video der Saison auftauchen dürfte. Trainerin Schweitzer hob danach sogar leicht die Arme, ein fast schon ekstatischer Gefühlsausbruch für die sonst eher nüchterne Strategin. Kurz darauf durfte Öztürk unter Applaus vom Feld - und Alexander Satchmore sorgte in der 85. Minute für den Schlusspunkt. Nach feiner Vorarbeit von, na klar, Tabenkin traf er ins lange Eck. 5:0. Schwerin war da längst in den Seilen, die wenigen Konterversuche durch Marcel Brinkmann und Dennis Stefan endeten zuverlässig in den Handschuhen von Lucas Grantham, der vermutlich einen ruhigen Abend verbrachte, an dem er mehr mit dem Aufwärmen beschäftigt war als mit Paraden. Schwerin-Coach Krause wirkte nach dem Schlusspfiff ernüchtert, aber gefasst: "Wir wussten, dass Pirmasens stark ist. Dass sie allerdings so stark sind - das wussten offenbar nur sie selbst." Seine junge Mannschaft (mehrere Spieler unter 19) zahlte Lehrgeld, und das nicht zu knapp. In der Kabine der Gastgeber hingegen wurde gelacht, gesungen und - Gerüchten zufolge - auch kurz getanzt. Öztürk, der Held des Abends, blieb bescheiden: "Ich hab’ einfach das gemacht, wofür ich da bin. Tore schießen. Und vielleicht ein bisschen Spaß haben." Ein Abend, an dem in Pirmasens alles zusammenpasste: Spielfreude, Präzision, Witz - und ein Gegner, der höflich genug war, all das zuzulassen. Sollte der FK weiter so auftreten, wird die Regionalliga B bald zu klein für sie sein. Oder wie es ein Fan beim Hinausgehen formulierte: "Wenn das hier Regionalliga ist, dann will ich gar nicht wissen, wie Pirmasens in der Bundesliga spielt." Man kann es ihm kaum verdenken. 16.12.644002 02:13 |
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Die biologische Uhr tickt und geht auch an mir nicht vorbei.
Lothar Matthäus