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Es war kein Aprilscherz, obwohl das Datum - der 1. April 2026 - dazu gepasst hätte. Fortuna Chemnitz hat tatsächlich den FC München mit 2:1 besiegt. 23.003 Zuschauer erlebten im Chemnitzer Stadion ein Spiel, das so schwungvoll begann, dass mancher Zuschauer seine Bratwurst in der fünften Minute noch gar nicht richtig ausgepackt hatte. Denn kaum hatte der Stadionsprecher den Anpfiff verkündet, da rauschte Ewan Finnan los, flankiert vom unermüdlichen Faas Blood. Eine scharfe Hereingabe, ein direkter Abschluss - 1:0 für die Fortuna! "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Finnan später. "Faas hat mir den Ball so serviert, da hätte sogar mein Opa getroffen." Doch die Münchner Antwort kam noch bevor die Chemnitzer richtig jubeln konnten. Nur eine Minute später nagelte Lasse Peters das Leder zum 1:1-Ausgleich ins Netz, nach feiner Vorarbeit des technisch versierten Ricardo Semedo. Trainer Franz Kuntz, sonst eher ein Mann der trockenen Analyse, schnaubte danach: "Wir wollten Ruhe reinbringen - stattdessen war’s ein Eishockey-Ergebnis nach sechs Minuten." Danach beruhigte sich das wilde Hin und Her ein wenig, auch wenn München das Spiel klar dominierte. 57 Prozent Ballbesitz, elf Torschüsse - aber wenig Zählbares. Fortuna Chemnitz lauerte auf Konter, und wenn es gefährlich wurde, dann meistens über den bulligen Faas Blood, der seinem Namen alle Ehre machte: Er rackerte, rammte, riss Lücken. Kurz vor der Pause hatte er selbst die Führung auf dem Fuß, aber Münchens Torwart Friedrich Hess entschärfte den Schuss artistisch. Fortuna-Trainer Maik Oberländer schimpfte an der Seitenlinie, wild gestikulierend: "Da muss er ihn lupfen!", soll er gerufen haben - zumindest behauptete das ein Sitznachbar auf der Pressetribüne, der offenbar Lippenlesen kann. Nach dem Seitenwechsel blieb München feldüberlegen, doch Chemnitz wirkte entschlossener. Dirck De Groot prüfte Hess in Minute 51, Njazi Hietanen drosch den Ball aus 25 Metern knapp vorbei. Dann kam die 57. Minute - und wieder Faas Blood. Einer dieser Momente, in denen man sieht, warum Fußball keine Mathematik ist: Simard flankte von rechts, Blood stieg höher als alle anderen - 2:1! Das Stadion vibrierte. "Ich hab’s gespürt, dass der reingeht", sagte Blood hinterher mit einem Lächeln, das mehr Zähne zeigte als nötig. München versuchte alles, doch Chemnitz verteidigte mit Herz, Bein und manchmal auch Glück. Xavier Quaresma holte sich Gelb, weil er zu ungestüm in Ewan Finnan rauschte. Kurz darauf musste Münchens junger Helmut Wahl verletzt raus - kein schöner Moment, aber symptomatisch für das Münchner Pech an diesem Abend. Fortuna-Coach Oberländer wechselte klug: MacNeill stabilisierte die Abwehr, später kam Carlos de Gogorza für den ausgepumpten Finnan. Der junge Spanier sorgte noch für Wirbel - und beinahe für das 3:1 in der Nachspielzeit. Statistisch gesehen war der FC München das bessere Team: mehr Ballbesitz, mehr Abschlüsse, mehr Pässe. Aber Fußballstatistiken sind wie Wettervorhersagen - interessant, aber selten entscheidend. Chemnitz spielte mit Leidenschaft, München mit Geduld - und am Ende siegte die Leidenschaft. Franz Kuntz blieb nach dem Abpfiff gefasst. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber nicht gewonnen. Das ist manchmal der Unterschied zwischen Theorie und Realität." Oberländer konterte trocken: "Ich nehm lieber Punkte als Prozente." Die Zuschauer verließen das Stadion zufrieden, viele noch immer summend, manche ungläubig. Ein alter Fortuna-Fan brummte beim Hinausgehen: "So jung kommen wir nicht mehr zusammen." Und tatsächlich - solche Abende sind selten. Wenn ein Außenseiter mit Mut, ein Stürmer mit Namen Blood und ein Aprilabend zusammenkommen, dann darf man ruhig ein bisschen pathetisch werden. Chemnitz klettert mit diesem Sieg ins gesicherte Mittelfeld, München dagegen verliert den Anschluss an die Spitzengruppe. Aber wer weiß - vielleicht war das nur ein schlechter Scherz des Fußballgotts. Und der lacht bekanntlich am liebsten über Statistiken. 01.08.643996 19:06 |
Sprücheklopfer
Ich bin in meinem Privatleben exakt genau so wild wie ich auf dem Platz bin, deshalb hat mich meine Frau auch geheiratet.
Oliver Kahn