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Es gibt Fußballabende, da möchte man am liebsten den Ball gar nicht erst anstoßen. Für den TSV München war der 1. Mai 2026 genau so einer. 13.841 Zuschauer sahen im heimischen Stadion ein 0:5-Debakel gegen Einheit Frankfurt - und das Ergebnis schmeichelte den Gastgebern fast noch. Schon nach 13 Minuten stand es 0:3, zur Pause 0:4. Was die Münchner Defensive in dieser Phase bot, erinnerte weniger an eine Abwehrreihe als an eine offene Tür bei einer Einweihungsfeier. Frankfurt, ohnehin mit offensiver Grundausrichtung gestartet, spielte von Beginn an, als wolle man die Tordifferenz der Liga im Alleingang neu definieren. Bereits in der 3. Minute staubte Georg Steffens zum 0:1 ab - nach feiner Vorarbeit von Sigmund Jakobsen, der im Mittelfeld schaltete und waltete, als sei er allein auf dem Platz. "Ich hab einfach laufen lassen, bis keiner mehr hinter mir war", grinste Jakobsen später. Drei Minuten später traf der 17-jährige Alexander Dietrich zum 0:2, wieder nach Vorlage von Steffens. Der Teenager wirkte dabei so unbeeindruckt, als wäre das ein Trainingsspiel. "Ich hatte gar nicht Zeit, nervös zu sein", sagte er nach dem Spiel und blickte auf den Rasen, als könne er selbst kaum glauben, was da gerade passiert war. TSV-Trainer Matthias Hüttner stand da schon mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte etwas, das nach "Das kann ja heiter werden" klang. Heiter wurde es tatsächlich - allerdings nur für die Gäste. In der 13. Minute zirkelte Linksverteidiger Liam Schulz den Ball aus spitzem Winkel ins lange Eck, vorbereitet von Rechtsverteidiger Xavier Marques, der zuvor über den halben Platz marschiert war. 0:3. Das Publikum raunte, einige klatschten sogar - aus purer Verzweiflung oder Anerkennung, wer weiß das schon. Als Dietrich in der 39. Minute seinen zweiten Treffer erzielte, war das Spiel entschieden. Wieder war Steffens der Vorlagengeber, und wieder sah Münchens Hintermannschaft nur zu. 0:4 nach 45 Minuten, die Zuschauer suchten Trost in der Stadionwurst. Hüttner reagierte zur Pause mit gleich drei Wechseln - unter anderem kam der 17-jährige Olaf Lohmann für Benjamin Wiltshire, Alrik Nelsen ersetzte Pedro Menendo. Doch der frische Wind blieb aus. Einheit Frankfurt schaltete zwar einen Gang zurück, blieb aber gefährlich. Frankfurt-Coach Leo Gert erklärte später mit einem Schmunzeln: "Ich hab in der Halbzeit gesagt: Leute, spielt einfach weiter. Und sie haben das vielleicht etwas zu wörtlich genommen." In der 75. Minute setzte Innenverteidiger Jens Hausmann den Schlusspunkt - mit einem satten Schuss nach Flanke von Iker Couto. 0:5. Dass Hausmann eigentlich Verteidiger ist, störte niemanden mehr. "Ich dachte, ich probier’s mal. Mehr als drüber geht ja nicht", sagte der 19-Jährige nach dem Spiel - und grinste breit. Die Zahlen bestätigten den Eindruck: 20 Torschüsse für Frankfurt, einer für München. 58 Prozent Ballbesitz für die Gäste, 42 für den TSV. Die Tackling-Quote der Münchner bei mageren 41 Prozent - ein Abend zum Vergessen. Nur in Sachen Fairness lagen sie vorn: keine Karten, keine Fouls der groben Sorte, vermutlich weil sie selten in die Nähe des Gegners kamen. Frankfurts Offensive präsentierte sich dagegen eiskalt und effizient. Taktisch blieb Gerts Team über 90 Minuten offensiv, aber mit kontrolliertem Aufwand - kein wildes Pressing, sondern geduldiges Ausspielen der Angriffe. München dagegen lauerte auf Konter, hatte aber weder Tempo noch Präzision, um daraus Kapital zu schlagen. Nach Abpfiff blieben die Spieler des TSV lange auf dem Platz stehen, blickten ins Leere. Trainer Hüttner suchte nach Worten: "Wir haben Lehrgeld bezahlt. Eimerweise. Aber vielleicht hilft’s ja irgendwann." Sein Gegenüber Gert nickte respektvoll: "So was kann jedem passieren. Nur halt lieber nicht uns." Einheit Frankfurt klettert mit diesem Sieg weiter Richtung Tabellenspitze, während der TSV München den Blick nach unten richten muss - und zwar dringend. "Wir müssen jetzt zusammenhalten", sagte Kapitän Krzysztof Matusiak tapfer. "Und vielleicht beim nächsten Mal den Ball auch mal über die Mittellinie bringen." Bleibt zu hoffen, dass die jungen Münchner aus dieser Lehrstunde lernen. Denn wenn Fußball ein Spiel der Fehler ist, dann war dieser Abend eine ganze Vorlesungsreihe. Frankfurt applaudierte sich in der Kurve selbst, München verabschiedete sich in die Nacht - um Erfahrungen reicher, um fünf Tore ärmer. 22.09.643999 16:48 |
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