Anpfiff
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Fröhlich trifft doppelt - Wusterwitz tanzt Kornwestheim schwindlig

Die 5320 Zuschauer im Wusterwitzer Stadion hatten kaum Platz genommen, da durfte schon gejubelt werden. Ganze zwei Minuten waren gespielt, als Curt Fröhlich seinem Namen alle Ehre machte. Der Mittelstürmer des FC Wusterwitz lauerte im Strafraum, bekam einen butterweichen Pass von Hanns Konrad serviert und schob den Ball mit der Gelassenheit eines Mannes, der gerade den letzten Bus nicht verpasst hat, ins lange Eck. 1:0 - und Trainer Tom Fritz riss an der Seitenlinie die Arme hoch, als hätte er persönlich das Ding reingeschweißt.

"Wir wollten früh Druck machen", erklärte Fritz später mit einem Grinsen. "Dass es gleich so klappt, das war dann wohl die Belohnung für unsere Freitags-Videoanalyse." Seine Spieler schienen jedenfalls bestens vorbereitet: Wusterwitz ließ den Ball laufen, kombinierte mit kurzen, präzisen Pässen und schnürte den SV Kornwestheim regelrecht ein. 25 Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel - gegen exakt null der Gäste. Man kann es kaum eleganter formulieren: Der SVK war an diesem Abend Zuschauer mit Eintrittspflicht.

Kornwestheims Trainer schwieg zunächst vielsagend in die Mikrofone. Später rang er sich zu einem "Wir haben das Spiel nie in den Griff bekommen" durch, was die Untertreibung des Abends war. Seine Mannschaft stand tief, lief hinterher und hatte Ballbesitz nur dann, wenn die Wusterwitzer mal kurz durchatmeten. 46 Prozent Ballbesitz für die Gäste klingen harmlos ausgeglichen, doch wer das Spiel sah, wusste: Das war eher kosmetische Statistik.

Nach dem frühen Rückstand suchte Kornwestheim den Weg nach vorn - theoretisch. Praktisch blieb es bei zaghaften Versuchen, meist unterbunden von Marco Müller oder Walther Buchholz, die in der Innenverteidigung des FC Wusterwitz eine Art Betonmauer mit Doktortitel bildeten. Müller kassierte zwar in der 38. Minute die Gelbe Karte, als er einen allzu forschen Günter Kunze stoppte, aber die Szene hatte fast schon Slapstick-Charakter. Kunze blieb stehen, Müller fiel - und der Schiri zückte Gelb. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Müller später.

In der Offensive wirbelte der 20-jährige Luca Philipp, flankiert von Finn Roth und Nico Behrendt. Letzterer prüfte Kornwestheims Torhüter Sascha Holz gleich mehrfach - ohne Fortune, aber mit Stil. Holz war am Ende der einzige Gastspieler, der eine nennenswerte Bewertung verdiente. "Wenn ich jeden Ball halte, bin ich auch nicht glücklich", sagte er halb trotzig, halb bewundernd über den Gegner.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: Wusterwitz spielte, Kornwestheim hoffte. Gelbe Karten für Kunze (46.) und Stahl (78.) waren die einzigen Farbtupfer in einem sonst grauen Auftritt der Gäste. Trainer Fritz brachte nach 70 Minuten frische Beine - Johann Zander für den fleißigen Behrendt und Rafael Witte für Roth -, aber das Drehbuch schrieb weiter Curt Fröhlich.

In der 72. Minute flankte Rechtsverteidiger Finn Kern mit chirurgischer Präzision in den Strafraum. Fröhlich stieg hoch, nickte ein - 2:0. Ein klassischer Stürmertreffer, so simpel wie schön. Der Torjubel? Kein Salto, kein Herzchen - nur ein kurzes Nicken Richtung Tribüne, als wolle er sagen: "Routine." Danach war die Messe gelesen.

Kornwestheim versuchte es jetzt mit etwas mehr Mut, aber die Versuche endeten meist dort, wo sie begannen - im Mittelfeld. Kein einziger Schuss auf das Tor von Phillip Zimmermann, der sich in den 90 Minuten vermutlich mehr bewegt hat, um sich warmzuhalten, als um Bälle zu fangen. "Ich hab mir in der 80. sogar einen Kaffee bringen lassen", witzelte der Torwart nach Abpfiff.

Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen - und einem leisen Mitleid für den Gegner. "Das war schon grenzwertig einseitig", meinte ein älterer Fan auf der Haupttribüne, "aber schön anzusehen!"

Trainer Tom Fritz fasste den Abend trocken zusammen: "Wir wollten zeigen, dass wir mehr können als nur mithalten. Heute haben wir dominiert. Punkt."

Und das taten sie: 2:0, 25:0 Torschüsse, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die so klar sind, dass man fast Mitleid mit Kornwestheim bekommt. Fast.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der FC Wusterwitz hat nicht nur einen Mann namens Fröhlich, sondern auch allen Grund, fröhlich zu sein. Und wer weiterhin so spielt wie an diesem Abend, der wird in der Regionalliga B bald mehr als nur gute Laune verbreiten.

07.05.643997 17:16
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