// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende in der Regionalliga B, an denen man sich fragt, ob der Ball für die Heimmannschaft überhaupt rund ist. 3781 Zuschauer im Malchiner Stadion sahen am Freitagabend einen FSV, der zwar 49,9 Prozent Ballbesitz verbuchte, aber keinen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor brachte. Null. Nada. Niente. Der Gast aus Pirmasens dagegen feuerte 18 Mal auf den Kasten - und traf zweimal. 0:2 (0:1) hieß es am Ende aus Sicht der Malchiner, die nach 89 Minuten auch noch ihren Linksverteidiger Julius Yilmaz mit Rot verloren. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir wenigstens einmal den Torwart prüfen", seufzte ein sichtlich genervter Trainer des FSV, der lieber anonym bleiben wollte. Ein Fan hinter der Trainerbank fasste es noch prägnanter zusammen: "Wir hätten auch mit einem Medizinball spielen können - das Ergebnis wär’ gleich gewesen!" Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt, und doch bot sie reichlich Stoff für Kopfschütteln. FK Pirmasens kam, sah und schoss. Schon in der vierten Minute prüfte Dani Tabenkin erstmals Malchins Schlussmann Friedrich Böhme. Danach ging es Schlag auf Schlag - oder besser: Schuss auf Schuss. Tabenkin zog immer wieder von links in die Mitte, flankte, dribbelte, und irgendwann stand Malchins Abwehr da wie eine schlecht sortierte Einkaufsschlange. In der 41. Minute platzte der Knoten: Archie MacAlister, Pirmasens’ zentraler Mittelfeldmotor, fasste sich aus 20 Metern ein Herz und drosch den Ball in den rechten Winkel. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der 27-Jährige später, "und gehofft, dass keiner dazwischenfunkt - hat ja geklappt." Zur Pause stand es 0:1, und Malchin durfte sich glücklich schätzen, dass es nicht höher war. Pirmasens agierte mit aggressivem, aber kontrolliertem Offensivspiel - laut Taktikdaten dauerhaft offensiv ausgerichtet, mit kurzem Passspiel und starkem Konterfokus. Gudrun Schweitzer, Trainerin der Gäste, erklärte nachher mit trockenem Humor: "Wir wollten einfach mal sehen, wie viele Schüsse man braucht, um zwei Tore zu schießen. Offenbar sind’s 18." Nach dem Seitenwechsel brachte Schweitzer den jungen Vitorino Ramallo, der sofort für frischen Wind sorgte. In der 60. Minute war er es auch, der den zweiten Treffer vorbereitete: Ramallo tanzte zwei Gegenspieler aus, legte zurück auf Linksverteidiger Samuel Reid - und der vollendete mit einem satten Linksschuss zum 0:2. Ein Verteidiger mit Torinstinkt - Malchin hatte so etwas an diesem Abend nicht im Angebot. Während Pirmasens weiter munter kombinierte, schien Malchin in einer Art taktischem Dämmerschlaf. Die Taktikanalyse zeigte: keine Pressingphasen, kein mutiger Wechsel auf Offensive. Der FSV blieb "balanciert", was in diesem Fall bedeutete: harmlos. Einmal rief Kapitän Daniel Rausch seinen Mitspielern zu: "Leute, wir müssen auch mal nach vorn!" - doch kurz darauf holte er sich in der 74. Minute die Gelbe Karte, vermutlich aus Frust. In der 89. Minute wurde es dann unschön. Julius Yilmaz ließ sich zu einem übermotivierten Tritt hinreißen - glatt Rot. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er später. Schiedsrichter und Ball sahen das anders. Pirmasens spielte die letzten Minuten locker herunter und hätte sogar noch erhöhen können - doch Dani Tabenkin, der Mann mit sieben Torschüssen, scheiterte in der Nachspielzeit erneut an Böhme. "Ich mag’s spannend", witzelte er im Kabinengang. Nach Abpfiff zeigte sich Schweitzer zufrieden, aber nicht euphorisch: "Es war kein Spektakel, aber wir waren effektiv. Und ehrlich gesagt: So diszipliniert habe ich meine Jungs lange nicht gesehen." Auf die Frage, ob sie die Null beim Gegner als Glück oder Leistung sehe, meinte sie trocken: "Eher als Statistik." Malchin dagegen steht nach diesem Abend sinnbildlich für das alte Fußballmotto: Wer nicht schießt, kann auch nicht treffen. Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit höflichem Applaus - vielleicht, weil sie wussten, dass es schlimmer hätte kommen können. Als die Lichter im Stadion ausgingen, scherzte ein Ordner: "Wir hätten eigentlich Eintritt für ein Schießtraining verlangen können - aber nur für die Pirmasenser." Treffender lässt sich dieser Abend kaum bilanzieren. Schlusswort? Nun ja: FK Pirmasens reist mit drei Punkten und 18 Schüssen im Gepäck zurück in die Pfalz. FSV Malchin bleibt die Gewissheit, dass Ballbesitz ohne Ideen ungefähr so gefährlich ist wie ein Regenschirm in der Wüste. 02.03.644000 13:47 |
Sprücheklopfer
Handkuss an die Frau Gemahlin!
Toni Polster zum Schiedsrichter nach einer Roten Karte