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Ein Freitagabend in der Regionalliga C kann vieles sein - kalt, laut, manchmal auch erstaunlich dramatisch. Im Ronhof war es diesmal alles zugleich. Greuther Fürth startete mit viel Elan in die neue Saison und gewann nach packenden 90 Minuten 2:1 gegen den Hamburger ASV. 4.371 Zuschauer sahen eine Partie, die sich anfühlte wie ein Krimi mit leichtem Hang zur Selbstparodie: Chancen am Fließband, Karten zur Sammlung und ein Happy End, das sich die Fürther redlich verdienten. Kaum hatte Schiedsrichterin Blume die Pfeife zum Anpfiff angesetzt, stand es schon 0:1. In der vierten Minute nutzte Hamburgs junger Schwede Hugo Eriksson den ersten Fehler der Fürther Hintermannschaft eiskalt. Nach einem langen Ball von Tiago Antonio rutschte Linus Schenk unglücklich weg, und Eriksson vollstreckte flach ins linke Eck. "Da war ich noch beim Aufwärmen", gestand Fürths Keeper Stephan Pfeiffer später mit einem Grinsen. "Und Hugo hat einfach nicht gewartet." Doch Fürth ließ sich nicht beirren. Trainer Marco Zander, der an der Seitenlinie mit der Energie eines Espresso-Vertreters herumfuchtelte, trieb seine Elf unermüdlich an. Besonders über die rechte Seite mit Ben Hesse und Javier Miguel rollten die Angriffe im Minutentakt. 22 Torschüsse am Ende sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn lange Zeit die Präzision fehlte. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir drüber, daneben oder auf den Torwart geschossen haben", murmelte Hesse nach dem Spiel. Kurz vor der Pause dann der verdiente Ausgleich: In der 45. Minute flankte Hesse butterweich von rechts, Corey Nolan rauschte heran und drückte den Ball per Direktabnahme über die Linie. Das Stadion atmete auf, Nolan ballte die Faust - und Zander drehte sich triumphierend zu seinem Co-Trainer: "Sag ich doch, kurz vor der Pause ist unser Moment!" Die zweite Hälfte begann, wie die erste geendet hatte: Fürth drückte, Hamburg verteidigte mit allem, was die norddeutsche Disziplin hergibt. Der ASV kam kaum noch aus der eigenen Hälfte, hatte aber mit Keeper Jannick Benz einen Fels in der Brandung. Zweimal rettete er spektakulär gegen Miguel, der an diesem Abend gefühlt gegen drei Verteidiger gleichzeitig spielte. Fürth blieb dran, auch wenn Niels Reiter (41.) und Ben Hesse (47.) sich Gelb abholten - eher aus Frust als aus Bosheit. "Die Jungs wollten einfach zu viel", erklärte Coach Zander später. "Aber lieber so als gar nichts." Als die Uhr auf 86 Minuten sprang, schien sich das Unvermeidliche doch noch zu erfüllen. Luke Sutherland, eben erst von der linken Seite nach innen gezogen, legte quer auf Miguel - und der 23-Jährige traf endlich. Ein satter Schuss, halb Wucht, halb Erlösung. 2:1. Der Jubel war laut, das Stadion vibrierte, und Miguel verschwand in einer Traube aus Mitspielern. "Ich hab nur noch Grün gesehen", lachte er danach. "Und dann kam irgendwer mit einer Wasserflasche - kalt, aber verdient." Hamburg versuchte es noch einmal, brachte sogar den Innenverteidiger Antonio als Notstürmer, doch die Fürther Abwehr hielt stand. Zanders Elf brachte das Ergebnis routiniert über die Zeit, auch wenn Linus Schenk in der 81. Minute noch seine Gelbe kassierte. Pfeiffer, der Torwart, rief in der Nachspielzeit laut hörbar: "Jetzt reicht’s, ich will duschen!" - und bekam dafür Szenenapplaus von der Nordtribüne. Statistisch war alles klar: 53,8 Prozent Ballbesitz, 22:4 Torschüsse, 56,9 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Fürth dominierte. Und doch fühlte sich das Spiel bis zum Schluss wie eine Zitterpartie an. "Das erste Spiel ist immer ein bisschen Chaos", meinte Zander augenzwinkernd. "Aber wenn man am Ende oben steht, ist’s strukturiertes Chaos." Hamburgs Trainer - etwas blasser, etwas ernster - nickte anerkennend. "Fürth war heute einfach besser. Wir hatten einen guten Start, aber danach nur noch die Aussicht auf Gegenwind." So endet der erste Spieltag mit einem Heimsieg, der Mut macht. Für Fürth war’s ein Spätsommerabend voller Drama und Leidenschaft - und für die Zuschauer der Beweis, dass Regionalliga-Fußball alles andere als langweilig ist. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn das so weitergeht, brauch ich demnächst Herztabletten - aber bitte mit drei Punkten dazu." 23.08.644000 16:40 |
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Abgestiegen ist man, wenn man abgestiegen ist.
Holger Fach