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Was für ein Spektakel in Atlanta: 43.100 Zuschauer sahen am Samstagabend, wie sich die "Gorillas" nach einer torlosen ersten Halbzeit in einen wahren Offensivrausch spielten und die Carolina Eagles mit 5:0 (0:0) aus dem Stadion fegten. Trainerin Anja Meister musste sich nach dem Schlusspfiff selbst kurz die Augen reiben: "Ich habe in der Pause nur gesagt, dass sie ruhig bleiben sollen - und dann bricht hier das Feuerwerk los. Vielleicht sollte ich öfter nichts sagen." Dabei hatte in den ersten 45 Minuten wenig auf das spätere Torfestival hingedeutet. Die Gorillas rannten, kombinierten, schossen - aber der Ball wollte einfach nicht über die Linie. Gleich mehrfach scheiterte der junge Mittelstürmer Joseph Winfield an Eagles-Keeper Lewis Robinson, der zunächst wie ein unüberwindbarer Fels wirkte. "Ich dachte, der Ball hat was gegen mich persönlich", grinste Winfield später. Dann kam die 48. Minute - und mit ihr die Erlösung. August Bjorklund, der eigentliche Taktgeber im Mittelfeld, fasste sich aus gut 20 Metern ein Herz. Sein Schuss, leicht abgefälscht von Ezequiel Nani, senkte sich unhaltbar ins Netz. 1:0, und plötzlich war der Knoten geplatzt. Während Carolina zwar mehr Ballbesitz hatte (54 Prozent), aber nie wirklich gefährlich wirkte, spielten sich die Gorillas in einen Rausch. Und wenn man sich die Schussstatistik anschaut - 18 zu 3 Torschüsse - dann weiß man, wer hier das Sagen hatte. In der 71. Minute zeigte Nachwuchsjuwel Garritt Knickerbacker, warum halb Europa schon Scouts schickt: Nach einem langen Ball von Altmeister Nenad Denic nahm er den Ball elegant mit der Brust an, ließ einen Verteidiger aussteigen und schob überlegt ein. 2:0 - die Vorentscheidung. "Ich hab nur gemacht, was Denic mir im Training immer predigt: ruhig bleiben, auch wenn’s brennt", sagte der 19-Jährige mit einem Lächeln, das mehr Selbstvertrauen ausstrahlte als manch gestandener Profi. Und weil die Gorillas jetzt Blut geleckt hatten, legte der eingewechselte Kai Haas nur sieben Minuten später nach. Der 18-Jährige, eben erst für den erschöpften Verteidiger Dubovsky gekommen, stürmte nach Bjorklunds Pass rechts durch und traf flach ins lange Eck. 3:0 - das Stadion tobte. Carolina wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Boxer, der schon längst angezählt ist, aber noch irgendwie versucht, die Deckung zu halten. Doch Atlanta hatte keine Gnade. Tomas Baranek, ebenfalls erst 19, staubte in der 81. Minute nach einem Zuspiel von Haas zum 4:0 ab. Der Youngster rannte jubelnd zur Trainerbank, wo Anja Meister ihn lachend einfing. "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach Spaß haben. Dass Spaß so gefährlich ist, hätte ich nicht gedacht", witzelte die Trainerin später. In der 90. Minute machte Knickerbacker den Deckel drauf. Nach feinem Zuspiel von Bjorklund zirkelte er den Ball ins rechte Eck. 5:0 - und die Carolina Eagles sehnten nur noch den Abpfiff herbei. Ihre Frustration zeigte sich kurz darauf in einer überflüssigen Gelben Karte für Linksverteidiger Uzi Hanegbi (72.), der zuvor noch den einzigen gefährlichen Schuss der Gäste abgegeben hatte. Zum Schluss humpelte auch noch Alejandro Salvadorez verletzt vom Platz - der Abend der Eagles war endgültig zum Vergessen. Die Gorillas dagegen feierten ausgelassen. "So ein Spiel haben wir uns verdient", meinte Kapitän Bjorklund, der mit einem Tor und zwei Vorlagen zum überragenden Mann avancierte. "Wir sind jung, wild und manchmal ein bisschen verrückt - aber das ist wohl unsere Superkraft." Selbst die sonst nüchterne Statistik spricht eine deutliche Sprache: 57,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 18 Abschlüsse, fünf Tore. Und das, obwohl Carolina mehr Ballbesitz hatte - ein schönes Beispiel dafür, dass man Spiele nicht durch Querpässe, sondern durch Mut gewinnt. Am Ende applaudierte das Publikum stehend. Manche Fans hatten offenbar schon nach dem dritten Tor angefangen, kleine Papp-Gorillas aus dem Fanshop zu schwenken. Einer rief: "Mehr Bananen für die Jungs!" - was Garritt Knickerbacker später lachend kommentierte: "Ich nehm lieber noch ein Tor statt einer Banane." Ein Abend, der in Atlanta wohl noch lange erzählt wird: die jungen Wilden, die nach einer zähen ersten Halbzeit explodierten und Carolina in Grund und Boden spielten. Trainerin Meister verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern: "Wenn das so weitergeht, brauch ich bald eine Sonnenbrille - vor lauter strahlenden Gesichtern." Ein bisschen Pathos darf sein: Die Gorillas sind auf dem Vormarsch - und wer sie stoppen will, braucht mehr als Ballbesitz. Vielleicht ein Wunder. Oder wenigstens ein richtig gutes Bananenrezept. 26.08.643996 04:35 |
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Abgestiegen ist man, wenn man abgestiegen ist.
Holger Fach