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Was für ein Abend in Baltimore! 36.000 Zuschauer im Spirit Stadium sahen ein wildes Fußballspiel, das an eine Achterbahnfahrt erinnerte - mit Loopings, Bremsungen und einem Fahrer namens Gheorghe Sapunaru, der am Ende alle Sitze zum Wackeln brachte. Die Atlanta Gorillas gewannen bei Baltimore Spirit mit 4:3 (1:2) und nahmen drei Punkte mit, die sie sich mit purer Offensive und einer gehörigen Portion Unvernunft verdienten. Von Beginn an war klar: Beide Teams waren nicht gekommen, um Sicherheitspässe zu üben. Die Gorillas liefen offensiv an - 18 Schüsse aufs Tor sprechen eine deutliche Sprache -, während die Gastgeber aus Baltimore mit ihrer "SURE"-Schussphilosophie eher auf Qualität als auf Quantität setzten. Und das funktionierte zunächst blendend. In der 20. Minute zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz, und das Stadion bebte. Kian Smith, der rechte Wirbelwind der Spirit, vollstreckte nach feiner Vorarbeit von Benjamin Bloomfield. Smith rannte jubelnd zur Eckfahne, küsste den Rasen und rief später lachend: "Ich dachte erst, der Ball sei schon draußen - aber er wollte einfach rein." Atlanta wirkte davon kaum beeindruckt. 13 Minuten später traf der junge Argentinier Ezequiel Nani, nach Vorlage von Jarrod Bowen, zum Ausgleich. Ein Schuss wie ein Donnerschlag, und plötzlich war das Spiel wieder offen. Doch die Antwort kam prompt: Benjamin Bloomfield, eben noch Vorlagengeber, drehte den Spieß um und schoss Baltimore in der 35. Minute wieder in Führung. Sein Jubel war so laut, dass selbst die Möwen über dem Hafen kurz die Flugbahn verfehlten. Mit 2:1 ging es in die Halbzeit, und man hätte meinen können, Baltimore habe das Spiel im Griff. Doch wer das dachte, hatte wohl noch nie die Gorillas gesehen, wenn sie Blut gerochen haben. "Wir spielen immer nach vorne, selbst wenn wir hinten liegen - manchmal auch, wenn wir führen", grinste Atlantas Trainerin Anja Meister später auf der Pressekonferenz. Die zweite Halbzeit gehörte dann ganz Gheorghe Sapunaru. Der 21-Jährige Center-Forward aus Rumänien spielte, als hätte er drei Espresso und einen Donut zu viel gehabt. Erst traf er in der 59. Minute nach kluger Flanke von Bowen, dann legte er in der 72. Minute nach - diesmal nach Assist von Evan O’Brien. Kaum hatten die Gorillas gejubelt, da kam Baltimore zurück: Amaury Assis netzte nur eine Minute später zum 3:3 ein, vorbereitet von - natürlich - Kian Smith, der an diesem Abend überall zu sein schien. Doch das letzte Wort gehörte wieder Sapunaru. In der 86. Minute, als viele schon an das Remis glaubten, setzte er sich nach Pass von Harrison Baker gegen zwei Verteidiger durch und versenkte den Ball eiskalt. 4:3 für Atlanta - und die Bank der Gorillas verwandelte sich in eine tanzende Affenbande. "Ich hab einfach geschossen, bevor ich nachdenken konnte", sagte Sapunaru später mit einem Grinsen, das wohl auch noch in Bukarest zu sehen war. Die Zuschauer, selbst die aus Baltimore, applaudierten. Denn wer solch einen Dreierpack hinlegt, verdient Respekt - auch wenn man auf der falschen Seite des Ergebnisses steht. Baltimore-Coach (der nach dem Spiel lieber anonym bleiben wollte) murmelte in der Mixed Zone: "Wir haben gut gespielt, aber gegen einen Spieler, der heute alles trifft, hilft auch kein System. Vielleicht hätten wir ihm einen Kaffee weniger servieren sollen." Statistisch war es ohnehin ein ungleiches Duell: 18 zu 6 Schüsse für Atlanta, leichtes Ballbesitzplus für die Gäste (50,7 Prozent), aber ein offener Schlagabtausch in jedem Moment. Die Gorillas spielten, als gäbe es keine Defensive, und Baltimore nutzte seine wenigen Chancen mit chirurgischer Präzision - bis Sapunaru die Operation übernahm. Nach dem Schlusspfiff blieben viele Fans noch im Stadion, applaudierten beiden Teams und diskutierten angeregt über "den besten 25. Spieltag der Saison". Ein Kind im Spirit-Trikot fasste es wohl am besten zusammen: "Ich bin traurig, aber das war cool." Vielleicht sollte man diesen Satz auf die Eintrittskarten drucken - als Warnung und Versprechen zugleich. Denn wenn die Gorillas zu Gast sind, ist Langeweile ausgeschlossen. Baltimore mag verloren haben, aber der Fußball hat gewonnen. Und Kian Smith, der trotz Gelber Karte und Muskelkrampf noch Interviews gab, sagte zum Abschied: "Wenn wir so spielen, kommen wir wieder. Nur mit etwas mehr Biss - und weniger Gorilla." Ein Abend voller Tore, Emotionen und leichtem Wahnsinn - kurz: ein Spiel, das man nicht so schnell vergisst. 25.03.644000 18:43 |
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