// Startseite
| US Sports |
| +++ Sportzeitung für USA +++ |
|
|
|
Es war ein feuchtwarmer Abend in Atlanta, als sich 35.530 Zuschauer in das Stadion der Gorillas drängten, um zu sehen, ob Anja Meisters junge Mannschaft endlich den ersten Heimsieg der Saison einfährt. Am Ende stand ein 1:1-Unentschieden gegen die Charleston Gunners - ein Ergebnis, das beiden Teams ungefähr so viel half wie ein Regenschirm im Sturm. Doch langweilig war’s keineswegs. Von Beginn an war klar: Die Gorillas wollten, die Gunners konnten. Schon nach zwei Minuten prüfte Ezequiel Nani den Gästetorwart Soner Demir mit einem Schuss, der mehr Optimismus als Präzision verriet. "Ich dachte, ich hau den jetzt einfach mal drauf", grinste Nani später. In der Tat - schießen aus allen Lagen scheint bei den Gorillas mittlerweile zum Vereinsmotto geworden zu sein. Charleston hingegen agierte abgeklärter. Trainer Opa Jürgen - ja, so steht’s wirklich auf seiner Lizenz - ließ seine Gunners ruhig kombinieren, mit sicherem Passspiel und geduldiger Ballzirkulation. 56 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. In der 21. Minute dann der erste Wirkungstreffer: Der quirlige Mittelfeldmann Xabi Morais zog nach Zuspiel von Linksverteidiger Samuel Whitman aus der zweiten Reihe ab - ein trockener Flachschuss ins rechte Eck, 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn man nicht schießt, trifft man nicht", meinte Morais sachlich, als hätte er gerade die Gravitation entdeckt. Die Gorillas wirkten konsterniert, liefen viel, trafen aber wenig. Wilhelm Krämer und Alessio Fiumefreddo versuchten es aus der Distanz, doch Demir im Gunners-Tor pflückte alles runter, was in seine Nähe kam. "Wir haben zu kompliziert gespielt", haderte Trainerin Anja Meister zur Pause. "Manchmal wäre ein simpler Pass besser als ein künstlerischer Versuch mit der Hacke." Nach dem Seitenwechsel brachte sie frisches Blut: drei Wechsel in der 60. Minute - Brandon Barre, Zivojin Dordevic und Keeper Alberto Benedetto kamen. Letzterer musste gleich mal einen Distanzschuss von Morais parieren und tat das mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der offenbar beschlossen hatte, heute keine weiteren Gegentore zuzulassen. Dann, in der 70. Minute, das, was die Fans gebraucht hatten: Der junge Rechtsaußen Finlay Ward startete über die Linie, bekam den Ball von Dordevic, ließ seinen Gegenspieler alt aussehen und schob überlegt zum 1:1 ein. Ein Tor, das das Stadion explodieren ließ. "Ich hab gar nicht überlegt - einfach instinktiv gemacht", sagte Ward später, während er lächelnd versuchte, die Gatorade-Dusche seiner Mitspieler zu vermeiden. Danach drückten die Gorillas, als ginge es um die Meisterschaft. Sechs Minuten vor Schluss sah Charlestons Bartilomiej Lato noch Gelb - wohl eher, weil Schiedsrichterin Dana Collins genug von seinem Dauergemecker hatte. "Ich hab nur gesagt, dass der Ball rund ist", verteidigte sich Lato - was ihm in der Kabine prompt Spott einbrachte. Statistisch war’s am Ende ein gerechtes Remis: Beide Teams mit acht Schüssen aufs Tor, Charleston mit leichtem Ballbesitzvorteil (56 zu 44 Prozent), die Gorillas mit dem klar höheren Pressing- und Einsatzwert. Ein klassisches Duell von Kontrolle gegen Chaos - und diesmal endete es unentschieden. Trainerin Meister war nach dem Spiel trotzdem nicht unzufrieden: "Wenn du nach einem Rückstand so zurückkommst, zeigt das Charakter. Außerdem haben wir endlich mal aus dem Spiel heraus getroffen - das ist ja auch was." Ihr Gegenüber, der gemütliche Opa Jürgen, sah’s pragmatisch: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und wenn man in Atlanta nicht verliert, ist das schon fast ein Sieg." Die Fans verabschiedeten ihre Gorillas mit Applaus - vielleicht auch, weil sie spürten, dass da was wächst. Junge Spieler, viel Tempo, Mut zum Risiko - und ein Trainerteam, das offenbar Spaß am Experimentieren hat. Das 1:1 hilft in der Tabelle zwar nur bedingt, aber im emotionalen Konto war’s ein Plus. Und während die Flutlichter langsam erloschen, hörte man irgendwo in der Nordkurve einen Fan murmeln: "Wenn die so weitermachen, hol’n sie bald mehr als nur Bananen." Ein Satz, der wohl auch Anja Meister gefallen dürfte. 15.12.644002 22:10 |
Sprücheklopfer
2 bis 3 Prozent.
Stefan Effenberg auf die Frage, wieviel Prozent seiner Leistungsfähigkeit er nach einer langen Verletzungspause schon abrufen könne