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Gorillas verlieren wilden Schlagabtausch - Strikers siegen spät mit 4:3

Ein lauer Sommerabend in Atlanta, 37.140 Fans im Stadion, und die Gorillas wollten ihre Heimstärke beweisen. Am Ende aber grinsten nur die Gäste aus Miami, die Strikers, nach einem 4:3-Spektakel, das eher an ein Tennisergebnis erinnerte als an taktische Disziplin. "Ich glaube, ich habe zehn Jahre älter ausgesehen nach dem Spiel", japste Atlantas Trainerin Anja Meister nach Abpfiff - und man glaubte ihr jedes Wort.

Bereits in der 9. Minute klingelte es erstmals: Alexander Yeates, der 31-jährige Linksaußen der Strikers, traf nach Vorarbeit des flinken Freddie Marley. Einmal kurz durchatmen? Fehlanzeige. Vier Minuten später glich Gheorghe Sapunaru für die Gorillas aus, ein bulliger Mittelstürmer mit der Eleganz eines Presslufthammers. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste er später, "der Ball wollte auch mal Spaß haben."

Das Spiel war da gerade mal eine Viertelstunde alt, und schon schien klar: Verteidigung wird heute überbewertet. In Minute 19 dasselbe Duo wie beim 0:1 - Marley flankte, Yeates nickte ein. Doch Atlanta antwortete postwendend: Harrison Baker, der rechte Wirbelwind, schlenzte in der 27. Minute sehenswert zum 2:2, Wilhelm Krämer hatte das Zuspiel geliefert. Halbzeit? Puh. Man brauchte sie dringend.

Zur Pause stand es 2:2, doch die Zahlen zeigten: Miami dominierte mit 56 Prozent Ballbesitz, während Atlanta lieber Bälle jagte als hielt. Beide Teams feuerten zwölf Schüsse aufs Tor ab - die Fans kamen voll auf ihre Kosten, Torhüter Olivio Baumann (Gorillas) und Jean-Pierre Caron (Strikers) eher weniger.

In der zweiten Hälfte ging’s weiter mit offenem Visier. Anja Meister ließ offensiv spielen, ihre Formation blieb auf Attacke gestellt. Doch Yeates auf der anderen Seite hatte einen dieser Tage, an denen selbst seine Schuhbänder gefährlich aussahen. Zwar vergab er mehrfach, aber seine Präsenz zwang Atlantas Abwehr zu Fehlern.

In der 58. Minute dann Jubelstürme: Wieder Baker! Nach feinem Zuspiel von Finlay Ward drückte er den Ball zum 3:2 über die Linie. Atlanta witterte den Sieg. "Da dachte ich, jetzt reißen wir’s", erzählte Ward später, "aber Fußball ist halt kein Wunschkonzert." Recht hatte er. Denn nur elf Minuten später antworteten die Strikers eiskalt. Javier Gutierre fand mit einem Pass in die Tiefe den lauernden Kurt Trottier, und der traf zum 3:3.

Jetzt war’s ein wilder Schlagabtausch. Die Gorillas wechselten doppelt, Dylan Hunt kam fürs Mittelfeld, Max Hardin ersetzte den jungen Rudolf Carlsson hinten links. Doch die Defensive blieb flatterhaft. In der 89. Minute folgte der Dolchstoß: Trottier legte quer, Arne Laugesen schob ein - 4:3 für Miami. Der Rest war Jubel, Frust und ein Schlusspfiff, der für Atlanta wie ein Gong in der Boxhalle klang.

"Wir haben zu viele Geschenke verteilt", knurrte Trainerin Meister, während ihr Team erschöpft auf dem Rasen saß. Ihr Gegenüber, Miamis Coach (der Name blieb diskret im Hintergrund, vermutlich, um einer Bierdusche zu entgehen), grinste: "Wir haben’s bis zum Ende geglaubt. Und Yeates hat heute gespielt, als hätte er zwei Herzen - eins fürs Toreschießen, eins fürs Chaos."

Zweimal Gelb gab’s übrigens auch: Daniel Lujan (36.) und Laugesen (56.) durften sich vom Schiri an ihre Grenzen erinnern lassen. Sonst blieb es fair - zumindest im Rahmen eines Spiels, das eher einem Actionfilm als einem Taktikseminar glich.

Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: je zwölf Schüsse, Tacklingquote fast identisch (50,7 zu 49,3 Prozent). Nur im Ballbesitz zeigte Miami, warum sie "Strikers" heißen - sie ließen den Ball laufen, während Atlanta rannte.

Das Publikum verabschiedete die Teams mit Applaus, und selbst die enttäuschten Gorillas-Fans wirkten irgendwie stolz. "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens so", meinte ein älterer Herr mit Gorilla-Mütze auf der Tribüne.

Fazit: Ein Spiel, das man nicht erklären, sondern nur erleben konnte. Die Gorillas kämpften mit Herz, die Strikers mit Köpfchen - und Alexander Yeates mit einer Form, die selbst seine Gegenspieler applaudieren ließ. Wer solche Spiele liebt, sollte sich anschnallen: Die 1. Liga USA hat gerade erst warmgelaufen.

Und irgendwo in der Kabine summte jemand: "Fußball ist verrückt." Recht hat er.

18.01.644003 12:01
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