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Wenn 38.668 Zuschauer an einem Donnerstagabend in den "Jungle Dome" strömen, dann weiß man, dass die Gorillas wieder losgelassen wurden. Und sie lieferten: Mit 3:2 schlugen die Atlanta Gorillas am 11. Spieltag der 2. Liga USA die Chicago Reds in einer Partie, die alles hatte - Tempo, Drama, Gelbe Karten und eine Prise jugendlichen Wahnsinns. Schon in den ersten Minuten war klar, dass Trainerin Anja Meister ihre Jungs auf Angriff getrimmt hatte. "Wir wollten nicht lange fackeln", sagte sie später und grinste, "und Garritt hat das wohl etwas zu wörtlich genommen." Tatsächlich prüfte der 19-jährige Knickerbacker den gegnerischen Keeper Menzel gleich dreimal in den ersten zehn Minuten - jedes Mal ohne Erfolg, aber mit beeindruckender Entschlossenheit. Das erste Tor fiel schließlich in der 14. Minute: Enrico Montauro, der linke Flügelwirbelwind, schlenzte den Ball nach einem klugen Pass von Zivojin Dordevic ins rechte Eck - 1:0. "Ich hab einfach reingehalten. Wenn du zögerst, bist du hier in Atlanta nur Zuschauer", erklärte Montauro danach mit einem Schulterzucken, als hätte er gerade ein Trainingsspiel gewonnen. Doch die Reds ließen sich nicht einschüchtern. Pablo Gelmirez, 30, zeigte, warum Routine manchmal eben Gold wert ist. In der 33. Minute verwertete er eine butterweiche Flanke von Jamie Clancy zum Ausgleich. "Wir wussten, dass Atlanta wild anläuft. Da hilft nur Ruhe", meinte Gelmirez - und traf damit nicht nur das Tor, sondern auch den Nerv des Spiels. Nach dem Seitenwechsel schien die Meister-Elf noch in der Kabine zu träumen. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff war es wieder Gelmirez, der nach Vorlage von Clancy traf - 1:2. Die 53,9 Prozent Ballbesitz der Reds sahen plötzlich wie eine Vorentscheidung aus. "Ich dachte, wir hätten sie da, wo wir sie wollten", sagte Reds-Coach (der Name blieb geheimnisvollerweise auf dem Spielbericht unvollständig) später. Aber das Spiel hatte noch ein paar Kapitel mehr zu erzählen. In der 57. Minute kassierte Atlantas Rechtsverteidiger Miguel Manuel Gelb - nach einem beherzten, um nicht zu sagen übermotivierten Einsteigen. "Ich wollte nur den Ball, ehrlich", verteidigte er sich lachend. Trainerin Meister sah das anders: "Miguel wollte wohl den Ball UND den Gegner." Doch dann kam die große Gorilla-Stunde. In der 63. Minute wechselte Meister dreifach: Rafael Martins und August Bjorklund kamen ins Spiel, und plötzlich wirkte Atlanta wie entfesselt. "Anja hat uns angeschrien, wir sollen endlich zeigen, dass wir Gorillas sind, keine Meerschweinchen", verriet Bjorklund. Man kann sagen: Mission erfüllt. In der 73. Minute glich Joseph Winfield mit einem trockenen Schuss aus - 2:2. Eine Minute später legte Martins nach, assistiert von eben jenem Bjorklund. 3:2. Zwei Tore in 60 Sekunden; das Stadion stand Kopf. "Ich hab gar nicht verstanden, warum alle so laut waren. Ich dachte, wir hätten erst eins gemacht", grinste der 20-jährige Brasilianer Martins. Chicago versuchte noch einmal, Druck zu machen, aber Atlanta hatte seine Krallen ausgefahren. Elf Torschüsse der Gorillas standen am Ende nur fünf der Reds gegenüber. Und obwohl Chicago mehr Ballbesitz hatte, war es die Heimelf, die die Zweikämpfe dominierte - 54 Prozent Tacklingquote sprechen eine klare Sprache. Die letzten Minuten wurden zur Zitterpartie. Keeper Jozef Moravcik, erst in der 63. Minute für Alberto Benedetto gekommen, parierte in der 88. Minute einen gefährlichen Versuch von Winfields Pendant Gelmirez mit einem Reflex, der selbst die gegnerischen Fans kurz verstummen ließ. "Ich hatte keine Zeit zu denken", sagte Moravcik. "Vielleicht war das mein Vorteil." In der 84. Minute sah Chicagos Innenverteidiger Lewis Musgrave noch Gelb - symptomatisch für ein Team, das am Ende mehr Frust als Fortune hatte. Als Schiedsrichter Timmons abpfiff, rannte Trainerin Meister jubelnd auf den Platz. "Drei Punkte, drei Tore, drei graue Haare mehr", witzelte sie und umarmte ihre Spieler. Die Gorillas bleiben damit zu Hause eine Macht und klettern in der Tabelle weiter nach oben. Chicago dagegen reist mit leeren Händen, aber immerhin mit Stil ab - und mit einem Pablo Gelmirez, der bewies, dass Erfahrung kein Ersatz, sondern ein Vorteil für jugendlichen Enthusiasmus sein kann. Und während die Fans noch die letzten Bananenschalen vom Rasen räumten (eine Tradition, die man in Atlanta offenbar liebt), murmelte ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen: "So spielen Gorillas - laut, wild und am Ende doch irgendwie genial." Ein Satz, der den Abend besser nicht zusammenfassen könnte. 16.03.643994 20:30 |
Sprücheklopfer
Die Hitze kann für die deutschen Spieler sogar ein Vorteil sein. An einem Urlaubsort sieht man in der Mittagshitze auch immer nur Deutsche draußen, also kommen wir mit der Temperatur sogar besser zurecht.
Erich Ribbeck