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Manchmal reicht ein Blick auf die Anzeigetafel, um alles zu sagen: 4:0 stand dort am Ende für die Atlanta Gorillas, und die Dallas Bulls wirkten, als hätten sie lieber daheim den Rasen gemäht. 47.712 Zuschauer im Gorilla Park sahen einen Abend, an dem die Hausherren von Trainerin Anja Meister alles richtig machten - und die Gäste aus Dallas so ziemlich alles vergaßen, was man unter Verteidigung versteht. Schon nach vier Minuten brüllte der Gorilla. Ezequiel Nani, 21 Jahre jung, schnell wie ein Wiesel und frech wie ein Straßenkicker, schob den Ball nach Vorarbeit von Jarrod Bowen ins Netz. Eine Minute später - man hatte sich gerade noch die Augen gerieben - machte Nani einfach weiter. Wieder Bowen als Vorlagengeber, wieder Nani eiskalt. 2:0 nach fünf Minuten, und man spürte: Das wird ein langer Abend für die Bulls. "Ich hab’ einfach gedacht: Warum nicht gleich nochmal?", grinste Nani nach dem Spiel, während er sich den Spielball unter den Arm klemmte. "Jarrod hat mir zweimal perfekt aufgelegt. Danach lief’s einfach." Dallas versuchte daraufhin, wenigstens so zu tun, als hätten sie einen Plan. Alexandre Berard prüfte in der elften Minute Atlantas Keeper Alberto Benedetto - doch der 21-Jährige war hellwach. Die anschließende Szene fasste das Dilemma der Bulls zusammen: ein Schuss, ein Aufstöhnen, ein Ball weit über das Tor, ein resignierter Blick von Trainer John Hennessy (der nach dem Spiel bemerkte: "Wir wollten offensiv spielen, aber irgendwie hat das nur Atlanta verstanden."). Die Gorillas dagegen spielten weiter mit praller Brust. In der 37. Minute machte Nani sein drittes Tor - diesmal nach glänzendem Pass des quirligen linken Mittelfeldmanns Evan O’Brien. Der junge Ire hatte ohnehin einen seiner besten Abende, rannte, passte, grätschte, lachte. "Ich wusste, Nani steht da irgendwo, also hab’ ich einfach reingeschlenzt", sagte O’Brien später, als wäre das alles reine Physik. Zur Pause stand es 3:0, und man hätte die Bulls schon da erlösen können. Doch sie versuchten es weiter, immerhin. Ihr Ballbesitz - 45,5 Prozent - liest sich besser, als das Spiel aussah. Sechs Torschüsse, zwei halbwegs gefährlich. Die Gorillas dagegen feuerten 21-mal aufs Tor, als hätten sie eine Wette laufen. Und irgendwann kam es, wie es kommen musste: In der 92. Minute setzte O’Brien den Schlusspunkt. Wieder war Bowen beteiligt, der Mann mit dem Radar im rechten Fuß, der diesmal präzise querlegte. O’Brien traf, lächelte, hob entschuldigend die Hände. 4:0. Feierabend. Zwischendurch gab’s noch Drama in Rot: In der 76. Minute flog James Featherstone, Linksverteidiger der Bulls, nach Gelb-Rot vom Platz. Zuvor hatte er sich schon in der 48. Minute die erste Verwarnung abgeholt - eine Art Vorankündigung seines freien Abends. "Er hat’s versucht, aber vielleicht war das Versuchskaninchen er selbst", murmelte ein Fan hinter der Pressetribüne, und selbst der Stadionsprecher konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Die Szene des Spiels? Vielleicht die 74. Minute: Nelson Semedo von den Gorillas musste verletzt raus, während Anja Meister wild gestikulierend ihren Ersatzspieler Wilhelm Krämer losschickte. "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach laufen und nicht nachdenken", erklärte Meister später. "Das hat er dann auch gemacht - erstaunlich gut sogar." Taktisch blieb Atlanta über 90 Minuten bei ihrem ausgewogenen Stil, mit aggressivem Zweikampfverhalten und langen Pässen, die die Bulls immer wieder auf dem falschen Fuß erwischten. Dallas hielt nominell an einem "offensiven" Plan fest - doch wer ohne Pressing, ohne Biss und ohne Koordination spielt, wirkt eher wie ein höflicher Gast als wie ein Gegner. Mit diesem Sieg festigten die Gorillas ihre Ambitionen in der 2. Liga USA, während Dallas den Rückflug wohl schweigend antrat. "Wir haben viel gelernt", sagte Hennessy zum Abschied - was in Fußballdeutsch meist bedeutet: Alles war Mist. Trainerin Meister dagegen grinste breit: "So darf’s weitergehen. Vielleicht nächste Woche wieder mit einem jungen Mann namens Nani, der offenbar keine Angst vor zu viel Jubel hat." Und als das Flutlicht erlosch, summte ein Fan leise: "Vier Tore, keine Gegentore - Gorilla gut, alles gut." Man konnte ihm schwer widersprechen. 19.07.644000 07:58 |
Sprücheklopfer
Es ist egal, ob ein Spieler bei Bayern München spielt oder sonstwo im Ausland.
Erich Ribbeck