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Es war ein kühler Aprilabend im Rostocker Ostseestadion, doch auf dem Platz wurde es schnell heiß. Empor Rostock besiegte den Hamburger ASV am 5. Spieltag der Regionalliga C mit 2:0 (1:0). Ein Ergebnis, das klar klingt - und es am Ende auch war. 19 Torschüsse zu zwei sprechen eine deutlichere Sprache als jede taktische Analyse. Schon in der 14. Minute setzte Empor das erste Ausrufezeichen. Jannik Hafner, der Wirbelwind auf der rechten Seite, traf nach feinem Doppelpass mit seinem jüngeren Bruder Björn. "Ich wusste, dass er mich sieht - das ist bei uns genetisch", grinste Jannik nach dem Spiel und zog dabei die Augenbraue hoch, als spräche er von Telepathie. Für den Hamburger ASV begann das Spiel damit, als hätte man den Anpfiff verpasst. Trainer Richard Berger raufte sich schon früh die Haare, als sein Team nach wenigen Minuten nur hinterherlief. "Wir wollten eigentlich mutig auftreten", sagte er später, "aber dann hatten wir wohl zu viel Respekt vor der Ostsee." Empor dagegen spielte schnörkellos, mit kurzen Pässen und klarer Struktur. Trainer Johan Johansson, sonst eher der ruhige Skandinavier an der Seitenlinie, sprang in der 20. Minute sogar kurz in die Luft, als Nicolae Munteanu eine Großchance ausließ. "Ich dachte, der Ball fliegt noch nach Finnland", scherzte Johansson später, "aber zum Glück blieb er im Stadion." Hamburgs einzige echte Offensivaktion kam in der 13. Minute, als Lawrenti Mogilny einen harmlosen Schuss auf Max Falk abgab - ein Versuch, der eher an eine Rückgabe erinnerte. Danach: Funkstille im Angriff. Auch Nevio Lauer, der in der 86. Minute noch einmal aufs Tor schoss, konnte den Rostocker Keeper nicht ins Schwitzen bringen. Empor blieb dominant, ohne den Ballbesitz zu dominieren - 48 zu 52 Prozent aus Sicht der Gastgeber. Doch was nützt Ballbesitz, wenn man nichts damit anfängt? Rostock biss, kämpfte und gewann 59 Prozent der Zweikämpfe. Hamburg dagegen wirkte, als hätte man in der Kabine vergessen, dass Fußball ein Kontaktsport ist. Nach der Pause dasselbe Bild: Empor drückte, Hamburg verteidigte - irgendwie. In der 65. Minute war es wieder Jannik Hafner, der nach einem Pass seines Bruders Björn eiskalt vollstreckte. "Das war fast eine Kopie des ersten Tores", meinte Johansson später. "Man könnte sagen, die Hafners haben heute Familienrat abgehalten - direkt im Strafraum des Gegners." Hamburgs Eugenio Barberis sah bereits in der 29. Minute Gelb, weil er Valter Holmqvist zu rustikal stoppte. "Ich wollte nur den Ball", meinte Barberis später entschuldigend, "aber der Ball wollte nicht mich." Kurz darauf bekam auch Rostocks Abwehrchef Cafer Simsek die Gelbe Karte - "weil ich zu sehr gelächelt habe", witzelte er nach dem Spiel. Die Schlussphase gehörte wieder Hafner & Co. Zwischen der 70. und 85. Minute schossen die Rostocker fast im Minutentakt aufs Tor. Johansson wechselte clever: Bernt Riedel kam für Hofmann, Frank Brückner ersetzte Munteanu, und Niels Merkel durfte am Ende noch für den ausgepumpten Jakob Hauser ran. "Ich wollte die Jungs laufen lassen", sagte Johansson, "und das haben sie gemacht - bis das Flutlicht fast müde wurde." Als Schiedsrichterin Anne Gerlach nach 93 Minuten abpfiff, jubelten 4084 Zuschauer, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. Für Empor war es der zweite Heimsieg in Folge, für Hamburg die dritte Auswärtsniederlage - und das ohne eigenes Tor. Berger nahm’s mit Galgenhumor: "Wir haben heute viel gelernt. Zum Beispiel, wie man in Rostock keine Punkte holt." Taktisch blieb Empor ihrer Linie treu: ausgewogen, mit kurzen Pässen, konzentriertem Spielaufbau und kontrolliertem Pressing. Hamburgs Plan war ebenfalls "balanced", aber auf dem Platz sah das eher nach "passiv" aus. "Manchmal", sagte Jannik Hafner noch beim Verlassen des Rasens, "muss man einfach Spaß haben. Und gegen Hamburg macht das doppelt Spaß." Vielleicht ist das das Geheimnis von Empor Rostock - Spielfreude, Brüderliebe und eine Prise norddeutscher Frechheit. Und wer weiß, vielleicht werden die Hafners ja bald das berühmteste Brüderpaar seit den Boatengs. Einziger Wermutstropfen? Der Imbissstand war nach Abpfiff ausverkauft. Aber das dürfte den Rostocker Fans egal gewesen sein - sie hatten schließlich zwei Hafner-Tore im Bauch. 07.05.643997 16:51 |
Sprücheklopfer
Wäre es kälter gewesen, wär' vielleicht einer von ihnen am Boden festgefroren.
Peter Neururer nach einer 0:3-Niederlage seines 1.FC Köln beim MSV Duisburg über seine Spieler