Anpfiff
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Hamburger ASV tanzt Empor Rostock mit 3:0 vom Platz

Ein lauer Juniabend, 4.388 Zuschauer im Stadion an der Elbchaussee, und ein Hamburger ASV, der von der ersten Minute an so spielte, als habe man sich vorgenommen, die Statistik-Abteilung zu überfordern. 20 Torschüsse, 58 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und am Ende ein klares 3:0 gegen Empor Rostock. Es war ein Spiel, das weniger von Spannung als von der Frage lebte, wie viele Tore es am Ende wohl werden würden.

Schon nach drei Minuten ging das muntere Schießen los: Filip Szewczyk, der flinke Rechtsaußen mit der Vorliebe für flache Schüsse in die lange Ecke, traf nach feinem Zuspiel von Benyamin Barth. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Szewczyk hinterher grinsend zu, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Trainer Hardy Hate kommentierte trocken: "Wenn alle meine Spieler so flanken, dann kann ich mit 3:0 leben."

Empor Rostock, von Coach Johan Johansson offensiv ausgerichtet, wollte eigentlich mutig auftreten - und tat das auch. Nur leider endeten die meisten Angriffe irgendwo zwischen Hamburger Strafraumkante und dem sicheren Fangnetz von Keeper Gunnar Nilsson. Der junge David Wurst versuchte es in der zwölften Minute mit einem beherzten Schuss, doch Nilsson hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend keine Geschenke zu verteilen.

In der 19. Minute dann das, was man im Norden schlicht "Kiste Nummer zwei" nennt: Fernando Moutinho, der 21-jährige Portugiese im Hamburger Sturm, traf nach Pass von Paolo Bortolotti mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der vermutlich auch im Schlaf noch den Innenpfosten trifft. "Paolo hat mir den Ball serviert wie ein Kellner im Fünfsternerestaurant", schwärmte Moutinho später. "Ich musste nur noch abnicken."

Zur Halbzeit führte der Hamburger ASV verdient mit 2:0, während Johansson an der Seitenlinie ein Gesicht machte, als überlege er bereits, ob sein Plan B vielleicht Plan C heißen sollte. Seine Mannschaft blieb zwar formal offensiv eingestellt, doch die Offensive fand weitgehend in der Theorie statt.

Nach der Pause kam Pechvogel Yannik Ledig zu kurz: der 17-Jährige verletzte sich in der 47. Minute und musste ausgewechselt werden. "Nichts Schlimmes", beruhigte Trainer Hate später. "Aber wenn du mit 17 so früh rausmusst, fühlst du dich erstmal wie 70." Für ihn kam Routinier Dirk Bender, der prompt in der 77. Minute selbst fast ein Tor erzielte - allerdings fand sein Kopfball nur den Torwart.

Hamburg spielte die Partie souverän runter, ließ Ball und Gegner laufen und zeigte, dass man auch mit "balancierter" Taktik recht unbalancierte Ergebnisse erzielen kann. Empor Rostock hingegen wirkte zunehmend resigniert. Johansson rief in der 80. Minute noch: "Noch ein Angriff, Männer, noch einer!" - woraufhin sein Mittelfeldmann Marko Muster etwas pikiert zurückrief: "Welcher denn?"

Den Schlusspunkt setzte - und das musste so kommen - Rechtsverteidiger Harold Derrick in der Nachspielzeit. Nach erneutem Zuspiel von Barth hämmerte er den Ball in der 93. Minute zum 3:0-Endstand in die Maschen. "Ich dachte, das Spiel ist gleich vorbei, da wollte ich nochmal gucken, ob mein rechter Fuß noch funktioniert", lachte Derrick später in der Mixed Zone.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 20:4 Torschüsse, 59 Prozent Ballbesitz und eine Pressingquote, die irgendwo zwischen "nicht nötig" und "Kontrollierte Lässigkeit" lag. Der Hamburger ASV spielte nicht überragend schön, aber erschreckend effizient. Empor Rostock dagegen dürfte sich fragen, wie man offensiv auftreten kann, ohne wirklich gefährlich zu werden.

"Wir haben uns selbst geschlagen", seufzte Johansson nach Abpfiff. "Drei Fehler, drei Gegentore. Mehr Mathematik braucht man nicht." Sein Gegenüber Hate hingegen konterte mit einem Grinsen: "Das war heute kein Mathe-Unterricht - eher Kunstunterricht mit Ball."

So bleibt vom 8. Spieltag der Regionalliga C die Erkenntnis: Der Hamburger ASV ist in Form, jung, frech und kaltschnäuzig. Empor Rostock reist mit leerem Punktekonto und vollem Nachdenkzettel zurück an die Küste. Und der Hamburger Anhang summte beim Hinausgehen etwas, das entfernt nach "So kann’s weitergehen" klang - aber selbstverständlich rein zufällig.

Am Ende war es ein Abend, wie ihn Hardy Hate liebt: drei Tore, kein Gegentor, keine Aufregung. Oder, wie er beim Hinausgehen sagte: "Manchmal ist Fußball einfach. Man muss ihn nur einfach spielen."

08.01.644003 12:48
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