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Es war einer dieser kühlen Aprilabende im Volkspark, an denen der Wind den Zuschauern die Bratwurst fast aus der Hand pustet, aber die 19.840 Fans bekamen beim 2:1-Sieg des Hamburger SC gegen den VfB Bösingen reichlich Herzblut und jugendliche Unbekümmertheit geboten. Zwei 18-Jährige entschieden ein Spiel, das zunächst nach einer Bösinger Punktlandung aussah. Schon nach sieben Minuten trat der VfB mit der Selbstsicherheit eines Heimteams auf. Fabrizio Mare, sonst eher dafür zuständig, hinten sauber zu halten, stürmte nach einem Freistoß von Stanislaw Dudka in den Strafraum, nahm den Ball volley und schoss ihn ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Mare hinterher mit einem Grinsen zu. "Aber wenn’s so reingeht, sag ich nichts dagegen." Trainer Charlie Brown, der in der Coaching-Zone mit den Händen in den Taschen stand, schien da weniger fröhlich: "Wir führen, und trotzdem wirkt’s, als ob wir den Bus vergessen hätten, den wir eigentlich hinten parken wollten." Der frühe Rückstand weckte die jungen Hamburger. Besonders Rechtsaußen Asger Vinther, 23 und so etwas wie der "Altmeister" dieses Teenie-Ensembles, rannte unermüdlich die Linie hoch und runter. In der 22. Minute flankte er butterweich in die Mitte, wo Zivojin Stevic, 18, hochstieg und den Ball per Kopf zum 1:1-Ausgleich ins Netz wuchtete. Der Jubel des jungen Serben war so ausgelassen, dass selbst Trainer Bernd Happel kurz lächeln musste. "Ich hab ihm gestern noch gesagt, dass er endlich mal den Kopf benutzen soll - aber ich meinte eigentlich beim Denken", witzelte Happel nach dem Spiel. Die Partie blieb bis zur Pause offen. Bösingen hatte mit 54 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch Hamburg war gefährlicher: 12 Schüsse aufs Tor im ganzen Spiel gegenüber neun der Gäste. In der 35. Minute musste Bösingens Rechtsverteidiger Marco Roi verletzt raus - eine bittere Szene, nachdem er zuvor mit einem beherzten Tackling Schlimmeres verhindert hatte. "Ich hörte es knacken und wusste: Feierabend", sagte er später mit einem gequälten Lächeln. Für ihn kam Pal Herlovsen, eigentlich ein Mittelfeldmann, was die Defensive des VfB sichtbar verunsicherte. Kurz darauf erwischte es auch die Hamburger. Tzipi Berkovic, der israelische Linksverteidiger, humpelte in der 44. Minute vom Platz. Für ihn kam der gerade mal 17-jährige Freddie Bernheim - und der spielte, als hätte er schon 100 Spiele auf dem Buckel. "Ich hab einfach gemacht, was Coach Happel sagte: den Ball nicht verlieren und so tun, als wär ich cool", lachte der Debütant später in der Mix-Zone. Nach der Pause drückten die Hamburger weiter, angetrieben vom unermüdlichen Mittelfeldduo Abel und Tataru. In der 60. Minute war es dann soweit: Joel Abel dribbelte sich über links durch, legte quer, und Claudiu Tataru - ebenfalls 18 und mit einem Selbstvertrauen, das man sonst nur von YouTube-Stars kennt - schob überlegt zum 2:1 ein. Die Bösinger reagierten mit wütenden Angriffen, allen voran der ungarische Stürmer Tibor Szabo, der zweimal gefährlich abschloss (64. und 73. Minute), aber am glänzend reagierenden Hamburger Keeper Lionel Carvalho scheiterte. "Ich hab einfach gehofft, dass er dahin schießt, wo ich schon stand", erklärte Carvalho später mit einem Schulterzucken - und grinste wie jemand, der genau wusste, dass er das Spiel gerettet hatte. In den Schlussminuten warf der VfB alles nach vorn, aber die jungen Hanseaten verteidigten mit erstaunlicher Ruhe. Bernheim grätschte, Triguero köpfte alles raus, und vorne sorgte Vinther mit seinen Läufen für Entlastung. Als der Schlusspfiff ertönte, war die Freude riesig. Die Zuschauer feierten ihre "Baby-Elf", wie ein Fan auf der Tribüne sie nannte. "Wir sind jung, aber nicht grün hinter den Ohren", sagte Happel in der Pressekonferenz. "Manchmal braucht’s halt ein bisschen jugendlichen Wahnsinn, um ein Spiel zu drehen." Sein Kollege Brown schüttelte indes den Kopf: "Wir spielen schön, aber am Ende zählt das Ergebnis. Vielleicht sollten wir mal anfangen, hässlich zu gewinnen." Statistisch betrachtet war es ein ausgeglichenes Spiel - aber Hamburg zeigte mehr Mut, mehr Tempo und etwas mehr Glück. Und Glück, das weiß man in Hamburg spätestens seit heute Abend, kann verdammt jung sein. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn 17- und 18-Jährige so aufspielen, dann darf man ruhig mal vergessen, dass man in der 3. Liga steht. An diesem Abend war das Volksparkstadion kurzzeitig ein Ort, an dem Zukunft sichtbar wurde - mit einem Augenzwinkern und zwei Toren voller jugendlicher Leichtigkeit. 08.12.643996 02:01 |
Sprücheklopfer
Wenn sie mich heute Scheiße fragen, wissen Sie auch nicht, ob Sie morgen noch ihren Job haben.
Andreas Brehme nach einer Niederlage auf die Frage, ob er glaubt, am nächsten Tag noch Trainer des 1.FC Kaiserslautern zu sein.[t]Andreas Brehme