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Der Sonnabendabend in Chemnitz hatte alles, was ein Fußballspiel in der 3. Liga so braucht: Flutlicht, 10.415 lautstarke Zuschauer, ein beherztes Heimteam - und eine Gastmannschaft, die einfach reifer wirkte. Am Ende siegte der Hamburger SC mit 2:0 beim Chemnitzer FC, abgeklärt, effizient und ein bisschen so, als hätten sie das Drehbuch schon vor dem Anpfiff gekannt. Dabei begann alles mit großem Elan auf Seiten der Himmelblauen. Trainerin Beate Merkel hatte ihr Team offensiv ausgerichtet - "Wir wollten den Norden gleich am Anfang schocken", verriet sie später mit einem schiefen Lächeln. Und tatsächlich: In der sechsten Minute prüfte der junge William Donovan den Hamburger Keeper Lionel Carvalho mit einem satten Schuss, den der 21-Jährige mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. "Da dachte ich kurz, das wird ein langer Abend", gestand Carvalho hinterher - es wurde eher ein angenehmer. Denn Chemnitz’ Mut hielt nur bis zur zehnten Minute. Ein schneller Doppelpass durchs Mittelfeld, Wladimir Gorgon steckt traumhaft auf Asger Vinther durch - und der dänische Rechtsaußen vollendete eiskalt zum 0:1. Der erste Stich saß. "Ich hab nur gedacht: endlich mal einer drin!", grinste Vinther später, während Trainer Bernd Happel ihm demonstrativ auf die Schulter klopfte. Chemnitz reagierte wütend, rannte an, kombinierte gefällig, aber im letzten Drittel fehlte die Präzision. Jaime Ronaldo, der 17-jährige Hoffnungsträger, versuchte es zweimal aus spitzem Winkel - mehr Symbolik als Gefahr. Hamburg hingegen blieb kühl, lauerte, und kurz vor der Pause der nächste Nadelstich: Maxim Loskow flankt scharf von links, Vinther läuft ein und drückt den Ball zum 0:2 über die Linie (45.). Der junge Loskow jubelte so ausgelassen, dass Happel ihn kurz einbremste: "Junge, wir führen nur 2:0, nicht 12:0." "Das war der Knackpunkt", analysierte Merkel später nüchtern. "Wir hatten fast 50 Prozent Ballbesitz, aber null Tore. Das ist Mathematik, die keiner mag." Tatsächlich: Statistisch konnte Chemnitz mithalten - 50,4 Prozent Ballbesitz, 7 Abschlüsse - doch Hamburg war mit 16 Torschüssen und einer Zweikampfquote von knapp 55 Prozent schlicht dominanter. In der zweiten Hälfte versuchte Chemnitz alles, was noch in den Beinen steckte. Artur Ignaschewitsch ackerte vorn wie ein Besessener, donnerte in der 58. Minute einen Schuss ans Außennetz - und schlug entnervt auf den Boden. "Ich schwör’s, ich hab den schon drinnen gesehen", stöhnte er später in der Kabine. Beate Merkel wechselte - zumindest gedanklich - schon auf alles oder nichts, doch die Hamburger Defensive mit Korkut und Holosko (später ersetzt durch den 17-jährigen Triguero) hielt stoisch dagegen. Einmal, in der 70. Minute, wurde es richtig laut im Stadion: ein vermeintliches Handspiel im Hamburger Strafraum. Die Chemnitzer Fans schrien "Elfmeter!", der Schiedsrichter zeigte auf Abstoß. "Ich hab nur gesagt: das war der Ball, nicht der Arm", erklärte Tzipi Berkovic, der kurz zuvor Gelb gesehen hatte - und grinste dabei so, dass man ihm fast glauben musste. Hamburg verwaltete, wechselte clever, brachte mit Samuel Delap einen weiteren Teenager, der prompt zweimal gefährlich abschloss (70. und 87.). "Wir haben eine junge Truppe, aber heute haben sie gespielt wie alte Hasen", lobte Happel. Seine Mannschaft blieb taktisch diszipliniert, spielte "balanced", wie es in der Statistik heißt - was im Übersetzungsversuch schlicht bedeutet: sie machten nichts Spektakuläres, aber alles richtig. Chemnitz versuchte bis zum Schluss, wenigstens den Ehrentreffer zu erzwingen. "Wenn du 0:2 hinten liegst, brauchst du manchmal einfach Glück - oder Vinther auf deiner Seite", murmelte Merkel beim Abpfiff, halb ironisch, halb bewundernd. Nach dem Spiel klatschten die Chemnitzer Fans ihr Team dennoch ab - ein Zeichen, dass Einsatz manchmal mehr zählt als Punkte. Die Hamburger jubelten verhalten, fast höflich, als wüssten sie, dass ihnen bald härtere Brocken bevorstehen. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Herr, während er sich den Schal überzog: "Na, wenigstens haben sie nicht wieder 0:0 gespielt." Da musste selbst der Stadionsprecher lachen. Ein Fazit bleibt: Der Hamburger SC siegte verdient mit 2:0, dank zweier eiskalter Abschlüsse von Asger Vinther (10., 45.) und einer mannschaftlich geschlossenen Leistung. Chemnitz kämpfte, spielte mutig, aber scheiterte an Effizienz und Erfahrung. Oder, wie Beate Merkel es mit einem Augenzwinkern sagte: "Wir wollten die Hanse versenken - am Ende sind wir selbst untergegangen. Aber mit Stil." 08.04.643994 22:37 |
Sprücheklopfer
Schalke hat das Mittelfeld schnell überbrückt, mit schnellen, äh, Mittelfeldspielern.
Berti Vogts