Anpfiff
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Hamburger SC tanzt Chemnitz aus - 4:2 in einem wilden Aprilspiel

Ein lauer Abend im Volksparkstadion, 19.944 Zuschauer, Flutlicht, 3. Liga. Und dann dieses Feuerwerk in den ersten 45 Minuten: Der Hamburger SC gewann am Mittwochabend mit 4:2 gegen den Chemnitzer FC - und das Spiel hatte alles, was man von einem ordentlichen Fußballdrama erwartet: frühe Tore, jugendlichen Übermut, defensive Wackler und ein Trainer, der nach Schlusspfiff etwas zu breit grinste.

Schon in der elften Minute explodierte das Stadion zum ersten Mal. José Carballo, der Mann für die feine Klinge im Mittelfeld, zog nach einem abgefälschten Pass von Marek Holosko aus gut 20 Metern ab - zack, 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", lachte Carballo später in der Mixed Zone, "aber wenn der Ball schon so schön ruft, muss man ja antworten."

Keine 60 Sekunden später legte Benjamin Reich nach. Der 20-Jährige, ohnehin bekannt für seine unverschämte Schnelligkeit, setzte sich über rechts durch und traf nach Vorarbeit von Charlie Doyle zum 2:0. Trainer Bernd Happel rieb sich da schon die Hände. "Wir wollten mutig starten - und die Jungs haben’s wörtlich genommen."

Chemnitz war zu diesem Zeitpunkt noch nicht richtig im Spiel, suchte nach Struktur, fand aber vor allem Hamburger Beine. Erst nach einer knappen halben Stunde wurde es gefährlich: Ein Schuss von Antonio Cunha zwang HSC-Keeper Marco Ruiz zu einer Flugparade, die von der Tribüne mit einem lauten "Uuuuuh!" begleitet wurde. Doch der nächste Jubel gehörte wieder den Gastgebern: In Minute 36 vollendete Gerhard Merz einen blitzsauberen Angriff über Asger Vinther zum 3:0.

"Da war schon ein bisschen Samba in Hamburg", grinste Vinther später, "auch wenn wir eher Grünkohl im Blut haben."

Kurz vor der Pause kam Chemnitz immerhin zu einem Lebenszeichen. Lennard Weiss, der bullige Mittelstürmer, nutzte eine kleine Unaufmerksamkeit in der HSC-Abwehr und traf zum 3:1 (41.). Trainerin Beate Merkel klatschte an der Seitenlinie demonstrativ, während Happel unzufrieden den Kopf schüttelte. "Ich hab’ ihnen gesagt: Wir müssen wach bleiben. Aber sie dachten wohl, die Halbzeitpause beginnt drei Minuten früher", ätzte er später.

Nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel offen - Chemnitz hatte plötzlich mehr Ballbesitz (insgesamt 53 Prozent), spielte mutiger nach vorne, während Hamburg den Fuß leicht vom Gas nahm. In der 63. Minute wurde es dann richtig spannend: Isidoro Goncalves verkürzte nach feinem Pass von Alfie Beglin auf 3:2. "Da dachten wir kurz, jetzt kippt’s", gab Happel zu.

Und tatsächlich: Chemnitz drückte, Hamburg wackelte, Ruiz musste mehrfach retten. Goncalves, Weiss und Franchi prüften den Keeper gleich mehrfach - doch das Tor wollte nicht fallen. Die Gastgeber setzten auf Konter, fanden aber kaum Entlastung.

Bis zur Nachspielzeit. Dann kam wieder Benjamin Reich. Nach einem schnell gespielten Angriff über Carballo zog er in der 91. Minute trocken ab und versenkte den Ball im langen Eck - 4:2, Deckel drauf. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Reich, "und gehofft, dass die Latte heute Mitleid hat."

Die letzten Minuten waren dann nur noch Schaulaufen. Happel wechselte fleißig durch - und seine Youngsters wie Vitor Dominguez oder Bernardo Triguero bekamen noch ein paar wertvolle Minuten. Chemnitz rannte weiter an, traf aber nur noch die Fangzäune.

Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: 12 Torschüsse Hamburg, 10 Chemnitz. Die Gäste hatten mehr Ballbesitz, die Hausherren dafür die Effektivität - und, wie Happel lächelnd sagte, "den besseren Humor".

Beate Merkel wirkte dagegen etwas ernüchtert. "Wir waren nicht schlechter, aber wir haben uns die ersten 20 Minuten selbst aus dem Spiel genommen", bilanzierte sie nüchtern. Auf die Frage, ob sie mit der Aggressivität ihrer Mannschaft zufrieden sei, antwortete sie trocken: "Wir haben stark begonnen - leider mit den Fouls."

So bleibt Hamburg auf Kurs Richtung obere Tabellenhälfte, während Chemnitz sich einmal mehr fragen muss, warum man erst beim Rückstand Fußball zu spielen beginnt.

Und irgendwo in der Kabine soll es nach Abpfiff noch laute Musik gegeben haben. Einer der jungen HSC-Spieler, kaum volljährig, soll gerufen haben: "Trainer, das war doch fast Champions League, oder?" Worauf Happel nur brummte: "Fast. Aber eben nur fast."

Ein Abend, der zeigte, dass Fußball manchmal einfach Spaß machen darf - besonders, wenn man ihn so offensiv angeht wie der Hamburger SC. Chemnitz hingegen fuhr mit ordentlich Lehrmaterial zurück nach Sachsen: Früh aufwachen, Chancen nutzen, und vielleicht das nächste Mal nicht erst ab der 40. Minute mitspielen.

Endstand: Hamburger SC - Chemnitzer FC 4:2 (3:1). Tore: Carballo (11.), Reich (12., 91.), Merz (36.) - Weiss (41.), Goncalves (63.). Zuschauer: 19.944. Fazit: Hamburg effizient, Chemnitz charmant erfolglos.

31.12.643996 05:42
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