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Hamburger SC zerlegt Cottbus: 7:0 und kein Ende in Sicht

Es gibt Fußballabende, da fragt man sich, ob man im Stadion oder im Zirkus gelandet ist. 18.938 Zuschauer im Volksparkstadion bekamen am Samstagabend jedenfalls eine Vorstellung der besonderen Art: Der Hamburger SC verwandelte den Rasen in eine Manege und ließ die Gäste von der BSG Cottbus beim 7:0 (4:0) aussehen wie Statisten in einer besonders grausamen Komödie.

Schon nach einer Viertelstunde war klar, wer hier das Kommando führte. Der 19-jährige Zivojin Stevic eröffnete in der 17. Minute mit einem trockenen Abschluss ins linke Eck - und das war nur der Anfang eines Abends, an dem der junge Serbe gleich dreimal traf. "Ich wollte eigentlich nur Spaß haben", grinste Stevic nach dem Spiel, "aber irgendwann wurde es fast zu leicht."

Nur 13 Minuten später erhöhte Maxim Loskow nach starker Vorarbeit von Salvador Duran auf 2:0 - und Cottbus-Coach Jörg Sachtler griff sich das erste Mal an den Kopf. Zwei Minuten danach revanchierte sich Duran selbst mit einem satten Schuss von der Strafraumkante. Die BSG-Abwehr? Präsent, aber hauptsächlich akustisch. In der 43. Minute war’s dann endgültig ein Klassenunterschied: Wieder Stevic, wieder eiskalt, wieder Duran als Vorlagengeber. 4:0 zur Pause - und die Hamburger Fans hatten Mühe, zwischen Jubel und Mitleid zu unterscheiden.

Cottbus kam nach der Halbzeit zwar mit drei frischen Leuten, aber das half ungefähr so viel wie ein Regenschirm im Sturm. Nach 59 Minuten durfte der eingewechselte Charlie Doyle das halbe Dutzend einleiten - sein Schuss nach Zuspiel von Claudiu Tataru zischte unhaltbar ins Netz. Trainer Bernd Happel kommentierte trocken: "Ich hab Charlie gesagt, er soll sich ein Beispiel an den Kollegen nehmen. Hat er wohl etwas zu wörtlich genommen."

Dann kam wieder Stevic - in Minute 66 vollendete er nach Vorlage des eingewechselten Joel Abel seinen Hattrick. Der Torjubel? Eher höflich, fast entschuldigend. "Ich hab mich schon gefragt, ob ich mich überhaupt noch freuen darf", sagte er später und lachte. Den Schlusspunkt setzte Innenverteidiger Marek Holosko in der 69. Minute per Kopfball nach einer butterweichen Flanke von Samuel Delap. 7:0. Und da waren noch über 20 Minuten zu spielen.

"Das war kein Spiel, das war eine Lehrstunde", stöhnte Cottbus-Kapitän Erik Abel, der sich immerhin in der 80. Minute noch eine Gelbe Karte abholte - vielleicht, um wenigstens einmal im Spielbericht aufzutauchen. Sein Trainer Jörg Sachtler war sichtlich bemüht, Fassung zu bewahren: "Wir hatten einen Plan. Leider hat der Gegner ihn auch gekannt."

Die Statistik untermauerte das Debakel: 15 Torschüsse für den HSC, nur 3 für Cottbus. Ballbesitz 57 zu 43 Prozent, Zweikampfquote 56 zu 44. Selbst in puncto Verwarnungen lagen die Hamburger vorne - fünf Gelbe, verteilt auf Duran, Bradshaw, Doyle, Tataru und Dominguez. Offenbar war selbst das Foulen an diesem Abend eine Disziplin, in der die Gastgeber überlegen waren.

Auffällig: die taktische Konsequenz des HSC. Von der ersten bis zur letzten Minute blieb Happels Team offensiv ausgerichtet, mit sicherem Passspiel und ruhigem Aufbau. Cottbus dagegen - zumindest laut Aufstellung - ebenfalls offensiv, aber auf dem Rasen sah das eher nach Überlebenstraining aus.

Ein besonders schöner Moment spielte sich kurz vor Schluss an der Seitenlinie ab: Happel rief seinem Team zu, "nicht übermütig werden!" - woraufhin Ersatzkeeper Stanko Anicic scherzhaft zurückrief: "Chef, zu spät!" Das Publikum lachte, und man hatte das Gefühl, selbst die Cottbusser Bank konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Nach Abpfiff applaudierte das Publikum minutenlang, nicht aus Häme, sondern aus ehrlicher Begeisterung über ein junges, spielfreudiges Team. "Das war heute fast zu schön, um wahr zu sein", sagte Happel, "aber wir bleiben auf dem Boden. Nächste Woche gibt’s wieder nur drei Punkte - keine sieben Tore."

Für Cottbus bleibt nur die Hoffnung, dass solche Spiele selten sind. Für den Hamburger SC dagegen könnte dieser Abend zum Start einer kleinen Euphoriewelle werden. Eine Mannschaft, die mit jugendlicher Leichtigkeit und taktischer Disziplin einen Gegner so auseinandernimmt, darf träumen - und das ganz ohne schlechtes Gewissen.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "So schön hat’s hier seit den 80ern nicht mehr geregnet - nur dass es diesmal Tore waren."

04.10.643999 05:11
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Ich hatte mit dem Polizisten ein überragendes Gespräch.
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