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Hauser sticht zu - Rostock ringt Weiler nieder

Wenn ein Spiel mit 18 Torschüssen einer Mannschaft endet und das andere Team nur einmal halbwegs gefährlich aufs Tor schießt, dann ist das Ergebnis von 0:1 fast schon ein Kompliment für den Verlierer. Empor Rostock siegte am Donnerstagabend in der Regionalliga C beim tapferen, aber überforderten Falke Weiler - und das vor 2915 Zuschauern, die sich mit zunehmender Spieldauer fragten, ob der Ball vielleicht in Weilers Tornetz verboten ist.

Das Spiel begann pünktlich um 20.15 Uhr, der Frühlingsabend war mild, der Rasen ordentlich, die Hoffnung der Gastgeber groß. Trainer Gustav Stephan hatte seine Elf, taktisch "ausgewogen" ausgerichtet, mit den mahnenden Worten aufs Feld geschickt: "Wenn wir sie laufen lassen, laufen sie uns in Grund und Boden." Empor-Coach Johan Johansson konterte trocken: "Wir laufen sowieso."

Und so kam es. Schon nach acht Minuten prüfte Jakob Hauser aus halbrechter Position Weilers Torwart Harald Werner - der erste von sage und schreibe 18 Rostocker Torschüssen. Werner flog, sprang, hechtete, parierte - und schien nach einer halben Stunde eher in einer Yoga-Session als in einem Fußballspiel zu sein. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", grinste er später, "aber es war ungefähr jeder Ball."

Weiler dagegen brachte in der ersten Halbzeit nicht viel zustande. Ballbesitz hin oder her - 45,8 Prozent standen am Ende auf dem Statistikzettel - gefährlich wurde es kaum. Ihre Passquote war ordentlich, ihr Mut dagegen etwas schüchtern. Als Lukas Strauss in der 51. Minute den einzigen echten Schuss auf das Rostocker Tor wagte, raunte das Stadion kollektiv vor Überraschung. Der Ball flog, der Torwart Max Falk flog noch weiter - und hielt.

Empor Rostock dagegen spielte geduldig, schnörkellos und mit jugendlich skandinavischer Kühle. Valter Holmqvist wirbelte auf der linken Seite, Nicolae Munteanu rannte, als habe er einen Akku im Schuh, und in der Mitte zog Björn Hafner die Fäden. Es war folgerichtig, dass ausgerechnet dieses Trio am 69. Spielminute den Bann brach: Hafner steckte den Ball in die Gasse, Hauser nahm ihn mit zwei schnellen Schritten mit und schob ihn eiskalt ins linke Eck. 0:1.

"Endlich!", brüllte Hauser und riss die Arme hoch, während Weilers Verteidigung den Blick senkte. Trainer Stephan warf seine Mütze in den Rasen. "Wir waren bis dahin gut organisiert. Dann machen sie einmal ernst - und zack, ist er drin", knurrte er später in die Mikrofone.

Rostock ließ danach noch einige Chancen liegen. Munteanu traf das Außennetz, Holmqvist schoss Werner beinahe die Handschuhe kaputt, Kessler probierte es aus 20 Metern. Doch das zweite Tor wollte nicht fallen. Vielleicht war das auch der Gerechtigkeitssinn des Fußballgottes, der verhindern wollte, dass die Statistik endgültig lächerlich wirkt.

Weiler kämpfte, holte sich zwei Gelbe Karten - Bayer in der 58. Minute, Strauss in der 83. - und versuchte, mit langen Bällen wenigstens Verwirrung zu stiften. Doch mehr als ein paar missglückte Flanken und ein verzweifeltes "Vorwärts jetzt!" von der Seitenlinie sprang nicht heraus.

"Wir haben zu brav gespielt", gab Kapitän Keller selbstkritisch zu. "Die Rostocker haben uns einfach keinen Raum gelassen. Und wenn wir mal Luft hatten, war sie gleich wieder weg."

Empor-Trainer Johansson zeigte sich nach dem Schlusspfiff zufrieden, aber nicht euphorisch. "Das war kein Spektakel, aber ein erwachsener Sieg. Und Jakob hat wieder geliefert. Er ist unser Eismann - cool, wenn’s heiß wird."

Rostock hatte nicht nur mehr vom Spiel, sondern auch mehr vom Ball (54,2 Prozent) und deutlich mehr Biss in den Zweikämpfen (59 Prozent gewonnene Duelle). Falke Weiler dagegen wirkte, als würde die Mannschaft noch an der Regionalliga-Luft schnuppern. Doch Trainer Stephan versprach Besserung: "Wir lernen schnell. Vielleicht schießen wir nächste Woche sogar zweimal aufs Tor."

Das Publikum verabschiedete die Mannschaften mit höflichem Applaus - wohl wissend, dass man an diesem Abend Zeuge eines typischen Regionalligakrimis geworden war: viel Einsatz, wenig Tore, dafür reichlich Emotion.

Und irgendwo in der Rostocker Kabine soll Jakob Hauser später lachend gesagt haben: "Wenn wir alle Chancen reingemacht hätten, müssten wir jetzt Eintritt zahlen." Vielleicht hatte er recht. Aber manchmal reicht eben ein Treffer - und ein Torwart mit Yoga-Ambitionen auf der anderen Seite.

03.04.643997 03:34
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