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Es gibt Fußballspiele, da fragt man sich, ob das Tor vielleicht ein bisschen beleidigt ist. 21 Torschüsse, 61 Prozent Ballbesitz, zwei Treffer - und ein verzweifelter Torwart aus Gera, der nach dem Abpfiff nur den Kopf schüttelte. Der TSV Hoffenheim gewann am Samstagabend in der Regionalliga B zwar standesgemäß mit 2:0 gegen den 1. FC Gera, doch das Ergebnis sagt nur die halbe Wahrheit. "Ich hatte zwischendurch das Gefühl, wir spielen Handball um deren Strafraum", grinste Hoffenheims Trainer Dennis Simon nach dem Spiel, während er seine Jacke zuknöpfte und mit einem kurzen Blick auf die Statistik schielte. "21 Schüsse aufs Tor, null vom Gegner - das ist schon eine klare Sprache." Klar war vor allem, wer hier den Takt vorgab. Vom Anpfiff an belagerte Hoffenheim den Strafraum der Gäste. Schon in der sechsten Minute prüfte Jan Kozel Gästekeeper Marc Bergen mit einem satten Distanzschuss. Danach zog Javier Beto gleich dreimal in Folge ab - in der 9., 16. und 17. Minute. Man hätte meinen können, er testet die Stabilität des Tornetzes, so regelmäßig wie er den Ball in Richtung Kasten donnerte. "Ich dachte, irgendwann geht schon einer rein", lachte Beto später, "aber Bergen hat wohl Superkleber an den Handschuhen." Gera dagegen? Nun ja. Der Gast aus Thüringen wirkte, als sei er versehentlich auf einer Sightseeing-Tour durch den Kraichgau gelandet. Kein einziger Torschuss, kaum Ballbesitz, und die beste Offensivaktion war vermutlich der Anstoß. Selbst Trainerlegende Miguel Escudero, sonst eher für rustikale Zweikämpfe bekannt, sah in der 63. Minute Gelb - vielleicht aus purer Langeweile. Die erste Halbzeit endete torlos, obwohl Hoffenheim gefühlt schon fünf Treffer verdient gehabt hätte. "In der Kabine habe ich gesagt: Jungs, wenn ihr weiter so spielt, müssen wir bald Eintrittsgeld fürs Schießen verlangen", erzählte Coach Simon mit einem Augenzwinkern. Offenbar hatte er die richtigen Worte gefunden, denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, fiel das erlösende 1:0. In der 47. Minute legte Liam Herrmann von links mustergültig auf, Markus Block hielt den Fuß hin - und endlich zappelte der Ball im Netz. Das Stadion mit seinen 5123 Zuschauern atmete hörbar auf. Block riss die Arme hoch, als hätte er gerade das WM-Finale entschieden. "Ich hab den einfach reingestochert", grinste der Torschütze hinterher, "nach all den Chancen musste der einfach rein. Sonst hätten mich die Jungs gegrillt." Danach spielte Hoffenheim weiter munter nach vorne, während Gera sich mit einer Art unsichtbarem Schutzschild um den Strafraum versuchte. Doch auch das half nichts: In der 79. Minute machte Javier Beto den Deckel drauf. Nach feinem Zuspiel von Lucas Delap blieb der flinke Stürmer cool und schob zum 2:0 ein. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch - und vermutlich das erste Mal, dass Bergen wirklich ohne Chance war. Die letzten zehn Minuten waren dann Schaulaufen. Sogar Linksverteidiger Aslaug Dalgaard wagte sich mit nach vorne und prüfte Bergen in der 81. Minute mit einem satten Schuss. Rechtsverteidiger Fabian Wilke tat es ihm in der Nachspielzeit gleich. Bei Gera hingegen herrschte gähnende Leere im Angriff - nicht einmal ein Verlegenheitsversuch auf den Kasten von Tommaso Aiello. Der Hoffenheimer Torwart verbrachte den Abend damit, sich ab und zu die Handschuhe abzustauben und den Ball vom Boden aufzuheben, wenn ein Rückpass kam. "Ich weiß gar nicht, ob ich schwitzen soll oder nicht", witzelte Aiello nach dem Schlusspfiff. "Vielleicht bringe ich mir beim nächsten Mal ein Buch mit." Das Fazit? 2:0 klingt nach Routine, war aber eine Demonstration der Überlegenheit. Hoffenheim kontrollierte das Spiel, kombinierte geduldig, und auch wenn es erst nach der Pause klingelte, war der Sieg nie in Gefahr. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Trainer Simon. "Wenn du so viele Chancen hast, darfst du nicht nervös werden. Irgendwann fällt das Ding." Auf der Gegenseite wirkte Gera-Trainer - der seinen Namen lieber nicht im Protokoll lesen wollte - sichtlich konsterniert. "Wir waren heute einfach nicht da", gab er zu. "Vielleicht hätten wir das Navi vorher auf ’Tor des Gegners’ stellen sollen." Nach Abpfiff applaudierten die Zuschauer dem Heimteam, das sich mit dem Sieg weiter in der oberen Tabellenhälfte festsetzt. Hoffenheim spielte "balanced", wie es im Taktik-Jargon heißt, aber mit einer Vehemenz, die an Offensivfußball alter Schule erinnerte. Und als die Flutlichter langsam erloschen, fasste Stadionsprecher Horst Müller die Partie treffend zusammen: "TSV Hoffenheim 2, 1. FC Gera 0 - und wenn es gerecht zugegangen wäre, stünde hier 6:0." Ein Satz, den wohl niemand im Stadion widersprochen hätte. 14.03.644000 08:45 |
Sprücheklopfer
Ich weiß nicht, ob ich bis dahin schon wieder laufen kann.
Mario Basler auf die Bitte des Bayerischen Fernsehens, ob er am Montag Studiogast in Blickpunkt Sport sein wolle