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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, warum Fußballspiele nicht schon zur Halbzeit entschieden werden dürfen. Der FC Homberg dominierte am 31. Spieltag der Regionalliga B alles, was man dominieren kann - Ball, Gegner und sogar die Laune der 3560 Zuschauer im Abendlicht des Homberger Stadions. Und doch stand es zur Pause 0:0. "Ich hab kurz überlegt, ob wir den Ball vielleicht einfach reintragen müssen", grinste Trainer Fridolin von Zahn später. Von Beginn an rannte Homberg an. Schon nach zwei Minuten prüfte Nico Brauer den Keeper, drei Minuten später feuerte Herbert Lindblom - und das war nur der Auftakt einer ganzen Flut von Torschüssen. 24 Mal versuchten es die Gastgeber insgesamt, als wollten sie die Statistik mit Gewalt gewinnen. Pirmasens kam auf magere drei Versuche - zwei davon dürften die Balljungen noch rechtzeitig gefangen haben. Die Gäste, von Trainerin Gudrun Schweitzer zu einer kompakten Defensivordnung mit Konteransätzen eingestellt, verteidigten tapfer. Ihre Marschroute "erst mal alles weg" ging 45 Minuten lang gut. "Wir wollten Homberg nerven, und das hat ja funktioniert - die haben sich ja fast selbst um den Verstand gespielt", sagte Schweitzer mit einem Schmunzeln. Nach der Pause änderte sich am Spielbild wenig, nur dass Homberg jetzt auch noch wütend wurde. In der 55. Minute musste Torhüter Mika Suhonen für den jungen Aleandro Arcella übernehmen - angeblich wegen einer leichten Blessur, aber vielleicht auch, weil Arcella schlicht kalt war. Fünf Minuten später fiel endlich das längst fällige 1:0: Doruk Bulut, der zuvor bereits achtmal das Tor anvisiert hatte, traf in der 60. Minute nach schöner Vorarbeit von Aslaug Sörensen. Die Erleichterung im Stadion war mit Händen zu greifen - oder, wie Bulut später sagte: "Ich hab den Ball gar nicht mehr gesehen, nur alle rennen auf mich zu. Da wusste ich, er war drin." Neun Minuten später belohnte sich Sörensen selbst, als er einen Pass von Logan Satchmore gekonnt zum 2:0 verwertete. Da sah Pirmasens’ Torhüter Lucas Grantham nur noch hinterher. Homberg spielte weiter nach vorn, als wolle man das Torverhältnis aufpolieren, doch kurz darauf nahm das Schicksal eine kleine Wendung: In der 65. Minute kam Aina Damgaard für den ausgepumpten Bulut - und Hombergs Offensivdrang bekam eine neue Farbe. Pirmasens wehrte sich, so gut es ging, und nutzte in der 82. Minute seine erste echte Gelegenheit. Alex Coviello staubte nach einem Kopfball von David Marano ab - plötzlich stand es 2:1, und im Homberger Fanblock machte sich das unbestimmte Gefühl breit, dass Fußball manchmal ungerecht ist. "Da hab ich kurz gezuckt", gab Coach von Zahn zu. "Aber unsere Jungs sind ja lernfähig - sie haben dann einfach wieder angefangen, Fußball zu spielen." Homberg ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, kombinierte weiter gefällig und hätte durch Aina Damgaard in der 89. Minute beinahe den Deckel draufgemacht. Stattdessen gab’s noch Gelb für Nicola Lombardi, der in der Nachspielzeit offenbar zu leidenschaftlich diskutiert hatte. Am Ende blieb es beim verdienten 2:1 für Homberg - statistisch wie spielerisch ein klarer Fall. 53 Prozent Ballbesitz, 24:3 Torschüsse, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die so sehr nach Kontrolle riechen, dass man fast Mitleid mit den Gästen bekommt. Trainerin Schweitzer nahm’s mit Humor: "Wir hatten unseren Plan, und der war bis zur 60. Minute gar nicht so schlecht. Danach hat Homberg einfach vergessen, dass sie Regionalliga spielen - das sah eher nach Zweitliga-Aspirant aus." Für Homberg war es mehr als nur ein Pflichtsieg. Es war ein Zeichen, dass diese junge, technisch geschliffene Mannschaft gelernt hat, Geduld zu haben - und trotzdem den Turbo zu zünden, wenn’s drauf ankommt. "Wir haben uns belohnt", sagte Sörensen, der Mann des Abends, und grinste: "Und ich hab endlich wieder getroffen - meine Mutter kann also wieder mit mir sprechen." So endete ein Spiel, das alles bot - Chancen, Nerven, und ein bisschen Chaos - aber eben doch mit einem Ergebnis, das so gerecht war wie eine Steuererklärung: 2:1 für den FC Homberg. Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, hörte man noch einen Zuschauer murmeln: "Wenn die so weitermachen, müssen wir bald Sitzplatzkarten beantragen." Vielleicht war das die ehrlichste Analyse des Abends. 03.06.644000 05:00 |
Sprücheklopfer
Die Kroaten sollen ja auf alles treten, was sich bewegt - da hat unser Mittelfeld ja nichts zu befürchten.
Berti Vogts vor dem WM-Spiel gegen Kroatien