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Ein lauer Sommerabend, 3.802 Zuschauer im Sportpark Husterhöhe, und am Ende eine bittere Erkenntnis für den FK Pirmasens: Ballbesitz ist schön, Tore sind schöner. Der FC Homberg nahm mit einem eiskalten 2:1-Sieg drei Punkte mit nach Hause - und das, obwohl die Gastgeber mehr Torschüsse abgaben, mehr Zweikämpfe gewannen und eigentlich alles taten, was ein Heimteam tun sollte. Nur eben eines nicht: effizient sein. Dabei begann alles mit viel Schwung. Schon in der 10. Minute prüfte Dani Tabenkin Hombergs Keeper Aleandro Arcella aus spitzem Winkel. "Wenn der Ball ein bisschen mehr Drall gehabt hätte, wäre er drin gewesen", murmelte der Flügelstürmer nach dem Spiel, während er mit einem Eisbeutel auf dem Knie hantierte. Pirmasens stürmte, kombinierte, drückte - Homberg verteidigte abwartend, fast stoisch. Trainer Fridolin von Zahn hatte sein Team auf "ruhig bleiben" programmiert, und das funktionierte. Kurz vor der Pause kam dann der erste Stich ins Pirmasenser Herz: In der 43. Minute zog Hombergs erfahrener Rechtsaußen Klaus Graf aus 18 Metern ab, nach feinem Zuspiel von Joel Jürgens, und das Leder zappelte im Netz. 0:1 - eiskalt, ganz entgegen dem Spielverlauf. "Ich wusste gar nicht, dass ich so viel Platz hatte", grinste Graf später. "Vielleicht dachten sie, ich sei schon in Rente." Zur Halbzeit reagierte Gudrun Schweitzer, Trainerin des FK Pirmasens, vor allem verbal. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen endlich das Tor treffen, nicht die Eckfahne", erzählte sie lachend auf der Pressekonferenz. Und siehe da - fünf Minuten nach Wiederanpfiff fiel tatsächlich der Ausgleich. Der erst 18-jährige Martin Keil krönte seinen mutigen Auftritt mit seinem ersten Regionalliga-Tor: Nach Vorarbeit von David Bernier zog er trocken ab. 1:1 in der 50. Minute - die Husterhöhe bebte. Doch wer dachte, der Favorit würde jetzt durchstarten, irrte. Homberg blieb gelassen, lauerte auf Fehler - und bekam in der 71. Minute seine Chance. Rechtsverteidiger Walther Maus, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, startete plötzlich einen Offensivlauf, bekam von Joel Jürgens den Ball in den Lauf gespielt und hämmerte das Ding unter die Latte. 1:2, wieder über die rechte Seite. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Maus später mit einem schelmischen Grinsen. "Aber der Ball hat sich anders entschieden." Danach rannte Pirmasens an, als ginge es um das letzte Stück Kuchen am Buffet. 14 Torschüsse insgesamt, doch Arcella im Homberger Tor hielt, was zu halten war. Selbst in der 89. Minute, als Noah Specht freistehend vor ihm auftauchte, blieb der 19-Jährige cool. "Ich dachte, er schießt links - er dachte, ich geh rechts. Am Ende hab ich einfach stehengeblieben", so Arcella trocken. Das Spiel hatte alles, was ein Regionalligaduell braucht: eine Verletzung (Marcel Baer musste in der 42. runter), drei Gelbe Karten - darunter eine für den späteren Siegtorschützen Maus - und jede Menge Emotionen. In der Schlussphase war die Pirmasenser Bank kaum noch zu halten. Schweitzer brüllte "Pressing jetzt!", ihre Spieler rannten, Homberg konterte, und irgendwo auf der Tribüne rief ein Fan: "Da hinten ist doch Platz!" - leider half es nichts. Homberg zeigte, dass man mit 55 Prozent Ballbesitz, neun Torschüssen und einer gehörigen Portion Abgeklärtheit auch auswärts gewinnen kann. Trainer von Zahn fasste es zusammen: "Wir waren nicht besser, nur cleverer. Und das reicht manchmal." Pirmasens dagegen muss sich fragen, wie man trotz 52 Prozent gewonnener Zweikämpfe und so viel Aufwand wieder mit leeren Händen dasteht. "Wir lernen draus", versprach Kapitän Bernier nach Abpfiff. "Aber heute fühlt es sich einfach nur doof an." Um kurz nach 22 Uhr, als die Lichter im Stadion langsam ausgingen, stand Schweitzer noch immer am Spielfeldrand, die Arme verschränkt. "Wenn Fußball gerecht wäre, hätten wir gewonnen", sagte sie und lächelte bitter. "Aber Fußball ist kein Gerichtssaal." Ein sarkastisches, aber treffendes Schlusswort für einen Abend, an dem der FK Pirmasens viel zeigte - nur eben nicht das, was auf der Anzeigetafel zählte. FC Homberg dagegen reist mit drei Punkten und einem breiten Grinsen heim. Und vielleicht summt Fridolin von Zahn im Bus schon sein Lieblingslied: "Auswärts siegt man doppelt schön." 31.01.644003 09:25 |
Sprücheklopfer
Die Vögel haben noch nicht gezwitschert, als ich gegangen bin.
Mario Basler nach einer Geburtstagfeier von Didi Hamann, die er erst um 3.00 Uhr früh verließ