US Sports
+++ Sportzeitung für USA +++

Inter Miami kämpft sich in die Pokal-Viertelfinals - späte Erlösung nach Dauerbeschuss

Es war ein lauer Maiabend in Fort Lauderdale, aber auf dem Rasen des DRV PNK Stadium kochte die Luft: 56.865 Zuschauer sahen, wie Inter Miami in einem Geduldsspiel sondergleichen die Harrisburg Isles mit 1:0 nach Verlängerung aus dem Pokal kegelte. Und während die Fans in Pink am Ende jubelten, dürften sich die Gäste gedacht haben: "Wenn Beton eine Farbe hätte, wäre sie heute himbeerrosa gewesen."

Von Beginn an war klar, wer hier das Kommando führen wollte. Inter Miami unter Coach Gavin Knipp ließ Ball und Gegner laufen - 63,9 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. Nur das Tor wollte einfach nicht fallen. "Ich dachte irgendwann, wir müssen den Ball vielleicht hypnotisieren", witzelte Knipp nach dem Spiel. Tatsächlich schien der Ball an diesem Abend ein Eigenleben zu führen - und eines, das mit Torjubel wenig anfangen konnte.

Schon in der zweiten Minute prüfte Pablo Pauleta den Keeper Luke Benett mit einem satten Rechtsschuss. Zwei Minuten später tat es ihm Alex de Galvez gleich. Und so ging es weiter wie ein schlecht gelaunter Presslufthammer: Pauleta, de Galvez, Xabi del Rio - ein Schuss nach dem anderen, insgesamt 23 Torschüsse, aber keine Belohnung. Harrisburg dagegen? Zwei mickrige Versuche, die eher an Rückpässe erinnerten.

"Wir wollten einfach kompakt stehen", erklärte Isles-Kapitän James Boyle, der mehr Bälle blockte, als er in der gesamten Saison Pässe gespielt hatte. "Und wenn’s mal gefährlich wurde, haben wir gehofft, dass Luke ihn hält - oder der liebe Fußballgott." Beides traf zu, zumindest bis zur 114. Minute.

Da hatte sich Xabi del Rio, der 22-jährige Mittelfeldmotor Miamis, wohl gedacht: "Jetzt reicht’s." Nach einer butterweichen Vorlage von Pauleta zog Xabi aus gut 18 Metern ab - flach, präzise, unhaltbar. Der Ball küsste den Innenpfosten und zappelte im Netz. Endlich! Das Stadion explodierte, Benett schlug frustriert den Rasen, und Trainer Knipp sprang in die Luft, als hätte er gerade selbst getroffen. "Ich hab’ gar nicht gemerkt, dass ich auf dem Platz stand", grinste er später.

Die Gäste konnten da nur noch höflich applaudieren. "Wir haben 114 Minuten lang verteidigt, das ist auch eine Leistung", murmelte Harrisburgs Coach - der offenbar lieber anonym bleiben wollte - auf der Pressekonferenz. "Aber irgendwann geht die Puste aus, vor allem wenn man den Ball nur aus der Ferne sieht."

Miami zeigte nicht nur Geduld, sondern auch Nervenstärke. Gleich vier Gelbe Karten - Gramont (102.), Pauleta (113.), Michel Gonzalo (124.) und eine für die Statistik von Harrisburgs James Adams (112.) - zeigten, dass es in der Verlängerung ruppig wurde. "Ich hab’ ihn nicht mal richtig berührt", protestierte Pauleta am Spielfeldrand lautstark, nur um Sekunden später lachend hinzuzufügen: "Na gut, vielleicht ein bisschen."

Die Szene des Abends gehörte aber nicht dem Torschützen, sondern Torwart Salvatore Tiriolo. In der 58. Minute, dem einzigen echten Harrisburg-Angriff, kratzte er einen Schuss von Evan Darabont in bester Cat-like-Manier aus dem Winkel. "Ich hab’s mit der Fingerspitze gespürt", sagte Tiriolo später, "und gehofft, dass keiner merkt, dass ich eigentlich gar nichts gesehen hab."

Als der Schlusspfiff nach 124 Minuten ertönte, fiel Knipp seinem Co-Trainer in die Arme, während Xabi del Rio von den Fans auf den Schultern gefeiert wurde. "Ich hab’ einfach durchgezogen", sagte der junge Spanier bescheiden, "Pablo hat mir den Ball perfekt hingelegt. Das war Teamarbeit."

Statistisch war das Spiel eine Einbahnstraße: 23:2 Torschüsse, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 64 Prozent Ballbesitz. Man könnte sagen, Miami gewann verdient - oder man könnte sagen, sie hätten das Spiel schon in der ersten Halbzeit mit 5:0 gewinnen müssen. Doch am Ende zählt nur eines: das Weiterkommen.

"Wir haben gezeigt, dass wir Geduld haben", meinte Coach Knipp mit einem Augenzwinkern. "Aber das nächste Mal darf’s bitte in der regulären Spielzeit passieren - mein Herz ist schließlich auch nicht mehr 25."

Und so zieht Inter Miami in die Viertelfinals ein, während die Harrisburg Isles mit hängenden Köpfen, aber erhobenem Stolz abreisen. Man kann ihnen keinen Vorwurf machen - sie hielten 113 Minuten lang dicht. Nur leider dauert ein Pokalabend manchmal eben ein bisschen länger.

Am Ende dieses langen Abends blieb das Flutlicht noch eine Weile an, als wollten auch die Scheinwerfer sicherstellen, dass es wirklich vorbei ist. Und irgendwo auf der Tribüne sagte einer der Fans: "Na, wenigstens war’s spannend." - Das trifft es ziemlich gut.

30.11.643999 20:28
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
I look not back, I look in front.
Lothar Matthäus beim Dienstantritt in New York
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager