US Sports
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Inter Miami siegt spät - Gorillas verlieren Kopf und Punkte

Es war ein lauer Abend in Atlanta, aber auf dem Rasen des "Gorilla Dome" ging es heiß her. 49.738 Zuschauer sahen am 2. Spieltag der 1. Liga USA ein Duell zwischen den Atlanta Gorillas und Inter Miami, das erst in der Nachspielzeit entschieden wurde - und zwar deutlich: 1:3 (0:1) hieß es am Ende. Die Gorillas kämpften, bissen, kratzten - und wurden in den letzten Minuten vom pinken Wirbelsturm aus Florida einfach überrannt.

Schon früh deutete sich an, dass Miami an diesem Abend den Ton angeben wollte. Mit 62 Prozent Ballbesitz ließen die Gäste den Ball zirkulieren, als wären sie auf einem Sonntagsausflug. "Wir wollten sie laufen lassen", grinste Miamis Trainer Gavin Knipp nach dem Spiel. "Und irgendwann laufen sich Gorillas halt müde." Der erste Stich saß früh: In der 16. Minute tauchte Pablo Pauleta nach einem feinen Zuspiel von Marcio Nani plötzlich frei auf und schob eiskalt zum 0:1 ein. Die Heimfans verstummten - oder besser gesagt: Sie brüllten noch lauter.

Doch die Gorillas sind keine, die sich von einem Rückstand beeindrucken lassen. Trainerin Anja Meister brüllte ihre Jungs an der Seitenlinie nach vorne, als wolle sie selbst den Ausgleich erzwingen. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn schon verlieren, dann wenigstens mit Anstand und Schweiß", erklärte sie später schmunzelnd. Atlanta presste, schoss, flankte - 13 Abschlüsse standen am Ende zu Buche, zwei mehr als Miami. Nur das Netz zappelte zu selten.

Nach der Pause dann endlich der verdiente Lohn: In der 51. Minute kombinierte sich Wilhelm Krämer durch das Mittelfeld, steckte perfekt durch, und Gheorghe Sapunaru vollendete abgeklärt - 1:1! Das Stadion bebte, Bier floss, und plötzlich schien wieder alles möglich. "Da dachte ich, jetzt reißen wir das Ding", sagte Sapunaru, der sich später noch über die Schiedsrichterleistung echauffieren sollte.

Aber wer glaubt, die Geschichte eines Spiels sei in der 51. Minute geschrieben, irrt gewaltig. Miami blieb ruhig, spielte abgeklärt, und Knipp zog mit drei Wechseln zur Halbzeit genau die richtigen Fäden. Der junge Raphinha Dias, gerade einmal 19, sorgte in der Nachspielzeit für den Moment, der das Spiel kippte. In der 94. Minute nutzte er ein Zuspiel von Xabi del Rio und drosch den Ball aus spitzem Winkel ins lange Eck - 1:2. Torwart Jozef Moravcik sah dem Ball nur noch hinterher.

Die Szene danach passte zur Dramatik des Abends: Tomas Baranek, eben noch eingewechselt, sah in der 95. Minute Rot nach einem Frustfoul. "Ich hab nur den Ball treffen wollen", beteuerte er später mit einem Gesichtsausdruck, der das Gegenteil verriet. Und während Atlanta noch sortierte, schlug Miami erneut zu. Alex de Galvez, kaum zehn Sekunden auf dem Ball, traf nach Vorarbeit von - natürlich - Pablo Pauleta zum 1:3-Endstand (96.). Die Gäste jubelten, die Gorillas standen fassungslos da.

Statistisch gesehen war das Spiel enger, als das Ergebnis vermuten lässt. Atlanta hatte mehr Abschlüsse, gewann leicht mehr Zweikämpfe (51 zu 49 Prozent) und spielte mit offenem Visier. Doch Miamis Coolness im Abschluss - und die Geduld im Ballbesitzspiel - machten den Unterschied. "Wir haben einfach gewartet, bis sie müde wurden", sagte Knipp trocken.

In der Mixed Zone klang das bei den Gastgebern weniger entspannt. "Wir haben 90 Minuten gearbeitet und in zwei Minuten alles weggeworfen", knurrte Kapitän Dubovsky. Trainerin Meister versuchte es mit Galgenhumor: "Vielleicht sollten wir das nächste Mal in der 94. Minute einfach abpfeifen."

Am Ende blieb die Erkenntnis eines Abends, der alles bot, was Fußball großartig macht: Tempo, Emotionen, Tore - und ein bisschen Wahnsinn. Miami reist mit breiter Brust weiter, Atlanta dagegen mit der Erkenntnis, dass Offensive zwar schön, aber Defensive manchmal überlebenswichtig ist.

Oder wie ein Fan auf der Tribüne beim Abpfiff rief: "Wir sind Gorillas - wir fallen nicht, wir stolpern nur spektakulär!" Ein Satz, den man sich in Atlanta wohl einrahmen wird.

23.08.644000 07:17
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