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Es war ein lauer Sommerabend in Atlanta, aber auf dem Rasen des "Silverback Stadium" kochte es schon nach fünf Minuten: Die Gäste aus Kansas City machten kurzen Prozess mit der Gorilla-Abwehr, und Argirios Kampantais drosch den Ball nach Vorarbeit von Damian Albentosa derart wuchtig in die Maschen, dass man fast Mitleid mit Keeper Alberto Benedetto haben musste. "Ich hab den Ball nur gehört, nicht gesehen", murmelte der junge Torwart hinterher mit einem gequälten Lächeln. Von da an entwickelte sich ein Spiel, das man - freundlich formuliert - einseitig nennen könnte. 21 Torschüsse für Kansas City FC, ganze zwei für die bedauernswerten Gorillas. Die Zahlen kennen keine Gnade, und sie erzählen eine Geschichte von verzweifeltem Verteidigen, fehlender Präzision und einem Gast, der von der ersten bis zur letzten Minute Herr im fremden Haus war. "Wir wollten offensiv auftreten", erklärte Atlantas Trainerin Anja Meister nach dem Spiel, "aber irgendwann war der Ball einfach nie da, wo wir sein wollten." Tatsächlich: Kansas City, von Coach Abdi Singer gewohnt ruhig dirigiert, spielte einen gepflegten Kurzpass-Fußball, der fast schon mediterrane Züge hatte. Ballbesitz 58 Prozent, Zweikampfquote 59 Prozent - Statistiken, die den Spielverlauf präzise einrahmen. Singer grinste nach dem Schlusspfiff: "Wir haben einfach den Ball lieb gehabt. Und wenn man ihn liebt, gibt man ihn nicht her." Die Gorillas versuchten es mit langen Bällen und starkem Körpereinsatz - die Taktikdaten sprechen von "offensiv" und "aggressiv stark" -, doch aus diesen Bemühungen entstand mehr Staub als Gefahr. Einziger Lichtblick: Ezequiel Nani hatte in der 13. und 30. Minute zwei Schüsse, die zumindest Richtung Tor gingen. Doch Kansas-Keeper Salvatore Tiriolo durfte den Abend fast ungestört genießen. Nach der Pause hofften die 43.758 Zuschauer auf ein Comeback - vergebens. In der 54. Minute machte Alfonso Almeida den Sack zu. Nach feinem Zuspiel von Aitor Manu schlenzte der 32-jährige Mittelstürmer den Ball lässig ins lange Eck. "Ich wollte erst querlegen", sagte Almeida später, "aber dann hab ich die Lücke gesehen - und mein Fuß meinte wohl, es sei Zeit für ein Tor." Kurz darauf gab’s Gelb für den Torschützen, weil er den Ball zu freudig ins Publikum drosch. "Emotionen gehören dazu", kommentierte Trainer Singer trocken. Der Rest war Schaulaufen: Kansas kombinierte, Atlanta wechselte dreifach in der 60. Minute - Torwart, Verteidiger und Mittelfeld wurden getauscht, als wollte Meister das Schicksal noch einmal herausfordern. Der neue Keeper Jozef Moravcik zeigte immerhin zwei gute Paraden. Doch das Publikum, das zu Beginn noch laut getrommelt hatte, verlor zunehmend die Stimme. Einziger Aufreger der Schlussphase: Youngster Max Malfoy, 17 Jahre alt und so nervös wie ein Schüler vor der Matheklausur, sah in der 77. Minute Gelb nach einem rustikalen Einsteigen. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", rechtfertigte er sich später. Die Fans quittierten es mit einem letzten, müden Applaus. Kansas City blieb unbeeindruckt, spielte weiter wie im Training. Sogar eine Verletzung von Linksverteidiger Marcos de Almeida in der 64. Minute konnte den Rhythmus nicht brechen - Ersatzmann Kurt Götz fügte sich nahtlos ein. Kurz vor Schluss durfte auch noch Javier Quaresma rein, um Aitor Manu zu ersetzen. "Ich wollte allen noch ein bisschen Spielzeit geben", erklärte Singer schmunzelnd. Als der Schiedsrichter nach 92 Minuten abpfiff, blickte Anja Meister auf die Anzeigetafel - 0:2, und das wirkte noch gnädig. "Wir müssen lernen, dass Wille allein kein Spiel gewinnt", sagte sie, sichtlich bemüht, Haltung zu bewahren. "Aber ich hab Jungs gesehen, die nicht aufgegeben haben. Und das ist ein Anfang." Kansas City dagegen jubelte verhalten, fast höflich. Der Job war erledigt. Almeida nahm sich noch Zeit, ein Selfie mit einem kleinen Fan zu machen, der ein Schild hochhielt: "Alfonso for President!" - vielleicht keine schlechte Idee, nach diesem Auftritt. Man verließ das Stadion mit dem Gefühl, eine Lehrstunde gesehen zu haben. Die Gorillas kämpften, die Gäste spielten - und am Ende siegte das, was man in Kansas City offenbar einfach "Fußball" nennt. Vielleicht tröstet die Gorillas der Gedanke, dass jede Niederlage eine Geschichte schreibt. Diese hier war immerhin schön anzuschauen - wenn man nicht aus Atlanta kommt. 18.03.644003 18:40 |
Sprücheklopfer
Der Trainer wird uns schon auf den Boden zurückholen. Morgen wird es den längsten Waldlauf der Geschichte geben!
Jan-Aage Fjörtoft bei Eintracht Frankfurt unter Felix Magath nach einem 4:0-Sieg