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Es war einer dieser lauen Juniabende, an denen selbst der Rasen im Klever Stadion ein bisschen nach Abenteuer roch. 7.010 Zuschauer hatten sich zum 13. Spieltag der Regionalliga C eingefunden, um zu sehen, ob der 1. FC Kleve endlich wieder für Feuer sorgen würde. Am Ende bekamen sie all das - Tore, Karten, Schweiß, und ein spätes Happy End, das den Abend in ein kleines Fußballmärchen verwandelte. Schon die ersten Minuten hatten es in sich. Kaum hatten die Zuschauer ihren Platz gefunden, da zappelte der Ball schon im Netz. In der 7. Minute war Hanns Frei zur Stelle, nachdem Leon Colquhoun mit einem butterweichen Pass durch die Pfullinger Abwehrgasse serviert hatte. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt mehr gehofft als gezielt", grinste Frei später. Eine Minute später dann der nächste Jubelsturm: Alexander Lindner schloss einen Angriff über - na klar - Colquhoun eiskalt ab. 2:0 nach acht Minuten, das Stadion vibrierte, und Trainer Wilfried Kuhse rieb sich die Hände - kurz. Denn was dann kam, war ein wilder Ritt. Pfullingen, offenbar etwas beleidigt, dass man sie wie Statisten behandelt hatte, schlug prompt zurück. Nur zwei Minuten nach dem 2:0 drosch Danil Berjosin den Ball ins Tor, nach feinem Zuspiel von Juanito Esteve. Der Gast war zurück im Spiel, und kaum hatte Kleves Abwehr sich sortiert, da rauschte in der 18. Minute schon der nächste Ball vorbei - diesmal war es Karl Weller, der einen Pass von Wilhelm Klaus zum 2:2 einschob. "Wir haben uns kurz gefragt, ob das jetzt ein Testspiel ist oder eine Achterbahnfahrt", sagte Pfullingens Trainer Günter Thiede mit einem ironischen Lächeln nach dem Spiel. Die erste Halbzeit blieb dann ein Abbild dieses Chaos-Fußballs. Kleve hatte zwar mehr Torschüsse (am Ende 16 zu 10), aber Pfullingen den Ball (55 Prozent Ballbesitz). Gelbe Karten hagelte es für die Gastgeber schon früh - Claus Krogh (5.) und Mike Beckmann (17.) sorgten für erste Notizen des Schiedsrichters, die wohl in die Kategorie "übermotiviert" fielen. "Das war Leidenschaft, keine Härte", verteidigte Coach Kuhse seine Jungs - was man ihm fast glauben wollte, wenn man seine joviale Art kannte. Nach der Pause beruhigte sich das Geschehen. Zumindest ein wenig. Kleve blieb offensiv, aber ohne Pressing - ganz dem taktischen Motto "Wir schießen sicher, aber nicht übermütig". Pfullingen hingegen blieb ausgeglichen, lauerte auf Konter, und hatte durch Berjosin und Argyll noch ein paar gefährliche Abschlüsse (27., 30., 35.). Doch Keeper Marco Link hielt, was zu halten war - und manchmal auch das, was eigentlich nicht zu halten war. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass mich der Ball trifft", witzelte der 18-Jährige, der mit seiner Leistung zum heimlichen Helden des Abends wurde. In der 75. Minute wagte Kuhse dann die entscheidende Rochade: Er brachte den 17-jährigen Niko Ackermann für den ausgepowerten Jacopo Sorrentino - und das sollte sich lohnen. Während Pfullingens Abwehr den jungen Wilden wohl noch für den Balljungen hielt, stürmte der Teenager in der Nachspielzeit die rechte Seite entlang, flankte mit jugendlichem Übermut nach innen - und Phillip Nagel verwandelte eiskalt zum 3:2 (91.). Das Stadion explodierte. "Ich hab nur gesehen, wie Niko rennt, und dachte: Wenn der jetzt flankt, hau ich das Ding rein", sagte Nagel später mit einem Grinsen, das man ihm so schnell nicht aus dem Gesicht wischen wird. Die letzten Sekunden waren dann pure Emotion. Kuhse hüpfte an der Seitenlinie, als hätte er gerade den Aufstieg klargemacht. Thiede hingegen stand mit verschränkten Armen da, sah seinem Team beim Verzweifeln zu und murmelte: "Wenn du so verlierst, kannst du eigentlich nur Bier trinken gehen." Statistisch gesehen war’s ein Spiel mit zwei Gesichtern: Pfullingen hatte mehr Ballbesitz, Kleve mehr Biss - 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe sprechen für sich. Und so endete ein Abend, der alles bot, was man an der Regionalliga liebt: Leidenschaft, Fehler, Tore - und Helden, die gerade erst volljährig werden. "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", fasste Kuhse zusammen. Und während die Fans noch immer "Kleve! Kleve!" riefen, schlich Thiede mit einem halben Lächeln vom Platz. Vielleicht dachte er da schon an das Rückspiel. Oder an das Bier. Ein Abend, an dem Fußball wieder das war, was er sein sollte: unberechenbar, emotional - und ein bisschen verrückt. 17.03.644003 15:02 |
Sprücheklopfer
Schach ist für mich neben Fußball der schönste Sport, weil es aufgrund der Figuren auch ein Mannschaftssport ist.
Felix Magath