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Köln, Müngersdorfer Abendluft, 19 Uhr, 9643 Zuschauer - und für ganze fünf Minuten schien die Welt des Effzeh in Ordnung. Da nämlich rauschte Arnau Futre, der flinke Linksaußen des 1. FC Köln, nach Pass von Hrvoje Mikic in der 5. Minute durch die Jenaer Abwehr wie ein Fahrradfahrer durch eine Fußgängerzone und schob eiskalt zum 1:0 ein. Jubel, Rauch, Kölsch - alles da. Nur: Es war zu früh. "Wir hatten das Gefühl, das läuft heute", sagte Köln-Trainer Toni Tapolski später, die Hände tief in den Taschen, als suche er dort nach der verlorenen Führung. "Aber irgendwie ist der Stecker nach dem 1:0 rausgezogen worden." Denn kaum elf Minuten später meldete sich Jena zurück - und das mit chirurgischer Präzision. Walter Jung, der zentrale Mittelfeldmann mit dem Namen eines Philosophen, aber der Schusskraft eines Presslufthammers, nahm eine Ablage von Maik Weis direkt und nagelte den Ball in der 16. Minute zum 1:1 unter die Latte. Kölns junger Keeper Alberto Cabrera flog zwar fotogen, hatte aber so viel Chance wie ein Regenschirm im Sturm. Danach entwickelte sich das Spiel zu einem offenen Schlagabtausch. Köln schoss, Jena schoss zurück - insgesamt 24 Mal landete der Ball auf dem Weg zum Tor. Die Statistik sagte später 14:10 Torschüsse für die Hausherren, doch was nützt das, wenn man die Hälfte davon in den dritten Rang des Oberrangs zimmert? Besonders Denis Baulin versuchte es gleich fünfmal, doch seine Schüsse wirkten wie Mahnbriefe: häufig, aber folgenlos. "Ich hab’ alles probiert", seufzte er nach Abpfiff, "aber der Ball wollte heute einfach nicht mit mir reden." Jena dagegen blieb kühl, fast schnöselig effektiv. In der 59. Minute war es wieder Walter Jung, der das Spiel drehte. Wieder kam der Pass von Weis, wieder nahm Jung Maß - diesmal flach ins rechte Eck. Cabrera sah den Ball wohl erst, als er schon in seinem Tornetz schlummerte. 1:2, und plötzlich war es im Stadion so still, dass man den Stadion-DJ husten hörte. Tapolski reagierte, so gut es ging. In der 71. Minute musste Paul Celine verletzt raus - "Muskel zu, Kopf leer", wie der Trainer trocken kommentierte - und Dimas Lupus kam. Kaum drin, rief ihm der Coach zu: "Mach Druck!" Lupus nickte, doch Jena blieb stabil. Die Gäste, von Trainer Martin Wegner mit der Ruhe eines Schachgroßmeisters dirigiert, standen kompakt und konterten nur, wenn’s wirklich sein musste. "Wir wollten Köln kommen lassen. Und das haben sie getan - bis zum Parkplatz", grinste Wegner später. In der Schlussphase warfen die Kölner alles nach vorn. Pressing auf Vollgas, Einsatz "STRONG", wie es später in der Taktikstatistik heißen sollte. Baulin köpfte in der 88. Minute knapp vorbei, Futre traf in der 78. nur das Außennetz, und der eingewechselte Dennis John, gerade 19, schoss in der Nachspielzeit lieber den Linienrichter an als den Torwart. "Die Jungs haben bis zuletzt gekämpft", lobte Tapolski, "aber manchmal ist Fußball einfach ein schlechter Witz." Jenas Veteran Bruno Antunes sah in der 71. Minute noch Gelb - vermutlich, weil er zu laut lachte, als Kölns Angriff wieder ins Nichts lief. "Das war kein Foul, das war Nostalgie", witzelte der 33-Jährige später. Nach 90 Minuten stand es 1:2 (1:1) - und Kölns Pokaltraum endete im Viertelfinale. Jena hingegen feierte den Einzug ins Halbfinale mit der stoischen Gelassenheit eines Teams, das weiß, dass es gerade etwas Besonderes geschafft hat. "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur aus Thüringen kommen, sondern auch aus Stahl", meinte Doppeltorschütze Jung und grinste breit. Sein Trainer ergänzte: "Walter war heute unser Professor - er hat Köln lesen gelernt." Köln dagegen muss sich fragen, warum 47,8 Prozent Ballbesitz und knapp 52 Prozent Zweikampfquote am Ende nicht reichen, um wenigstens Verlängerung zu erzwingen. Vielleicht, weil Fußball keine Mathematik ist. Als die Fans nach dem Schlusspfiff langsam die Tribünen verließen, blieb der Blick vieler an der Anzeigetafel hängen. 1:2. Mancher murmelte: "Das war’s dann wohl." Und einer, der ein halbes Kölsch in der Hand hielt, fasste es treffend zusammen: "Früh gefreut, spät geärgert - typisch Effzeh." Ein Abend voller Emotionen, Ironie und Effizienz - allerdings nicht auf Kölner Seite. 05.04.644000 01:40 |
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