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Last-Minute-Drama in Pirmasens: Coviello rettet den Abend

Der Himmel über Pirmasens färbte sich am Montagabend in jenem dramatischen Violett, das nur Flutlichtspiele in der Regionalliga B hervorbringen können. 3.234 Zuschauer froren, fluchten - und jubelten am Ende doch, als Alex Coviello in der 92. Minute den Ball zum 1:1-Endstand gegen Davaria Davensberg in die Maschen drosch. Es war ein Spiel, das in seiner Mischung aus Verzweiflung, Geduld und sarkastischem Fußballschicksal hätte von einem Drehbuchautor stammen können, der zu viel Kaffee getrunken hat.

Davaria Davensberg, die Gäste aus dem Münsterland, starteten giftig. Schon nach 13 Minuten klingelte es im Kasten von Dennis Frei: Tiago Viejo, der flinke Linksaußen, nahm einen Pass von Hanns Franz auf, tänzelte kurz über den Ball und schob eiskalt ein. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball schon drin war", murmelte Frei nach dem Spiel, "das Netz hat’s mir dann erklärt." Gudrun Schweitzer, Trainerin des FK Pirmasens, stand da mit verschränkten Armen und dem Gesichtsausdruck einer Lehrerin, die die Hausaufgaben ihrer Schüler zum zwölften Mal neu korrigieren muss.

Die Hausherren taten sich schwer, ins Spiel zu finden. Zwar hatte Dani Tabenkin früh zwei ordentliche Abschlüsse (5. und 23. Minute), doch die Präzision blieb auf der Strecke. Davensberg, mit 53 Prozent Ballbesitz leicht feldüberlegen, kombinierte abgeklärt, ohne zu glänzen. "Wir haben’s ein bisschen zu gemütlich angehen lassen", gab Gästecoach Peter Lenz später zu, "nach dem 1:0 haben wir irgendwie den Pausenkaffee schon geschmeckt."

Nach dem Seitenwechsel stellte Schweitzer auf "mehr Mut und weniger Nachdenken" um - ihre Worte, nicht unsere. Sie brachte Müjdat Öztürk für Samuel Reid und Coviello für den glücklosen Tabenkin. Beide Einwechslungen sollten sich noch auszahlen, auch wenn es zunächst nicht danach aussah. Pirmasens erhöhte das Pressing, schnürte Davaria phasenweise ein, doch Torwart Swen Vollmer hielt, was zu halten war. "Ich mag Flutlicht, da sieht jeder, wie schön ich fliege", witzelte der Keeper nach der Partie.

Die Minuten verrannen, der Frust wuchs. In der 78. Minute sah Rechtsverteidiger Marcel Baer Gelb, nachdem er an der Seitenlinie mehr Rasen als Gegner getroffen hatte. "Ein Statement-Foul", grinste ein Zuschauer hinter mir, "so nach dem Motto: Wenn schon nicht präzise im Pass, dann wenigstens im Tritt."

Dann kam die Nachspielzeit, jenes magische Niemandsland zwischen Hoffnung und Resignation. Schweitzer brüllte ihre Jungs nach vorne, der Ball zirkulierte hektisch um den Strafraum. Müjdat Öztürk, kaum noch Herr über seine Lungen, setzte sich auf links durch und flankte halbhoch in die Mitte. Und da war Coviello - jener Mann, der in der 55. Minute eingewechselt worden war, um "nochmal Druck zu machen". Mit einem satten Rechtsschuss versenkte er den Ball zum 1:1. Das Stadion explodierte.

"Ich hab einfach die Augen zugemacht", lachte Coviello anschließend, "und gehofft, dass es niemand merkt." Schweitzer dagegen war plötzlich ganz ruhig. "Das war kein Glück", sagte sie mit einem süffisanten Lächeln, "das war späte Gerechtigkeit - und vielleicht ein bisschen Glück."

Statistisch gesehen war das Remis verdient: 11 Torschüsse Pirmasens, 9 Davensberg; 46 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber, 53 für die Gäste - ein klassisches Unentschieden mit Happy End für die Nerven der Pfälzer.

Während die Fans noch sangen ("Wir steigen nie ab - höchstens auf!"), packte Schweitzer ihre Notizen ein. "Wir haben heute gelernt, dass ein Spiel 92 Minuten dauert", sagte sie und verschwand in den Kabinengang. Auf der anderen Seite schüttelte Davaria-Kapitän Hanns Franz den Kopf: "Wenn du kurz vor Schluss so einen reinbekommst, willst du eigentlich nur noch den Bus finden."

So endete ein Abend, der niemanden wirklich glücklich, aber immerhin alle wach hielt. FK Pirmasens bewies Moral, Davaria Davensberg Effizienz - und der Fußball einmal mehr seine Liebe für späte Pointe.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen seufzte: "Früher hat Pirmasens in der 92. Minute Gegentore kassiert. Heute schießen sie sie. Fortschritt, mein Junge, Fortschritt."

19.12.643996 12:51
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