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Ein lauer Frühlingsabend in Speldorf, Flutlicht, Bratwurstgeruch - und ein Spiel, das niemanden kaltließ. 4546 Zuschauer sahen beim 12. Spieltag der Regionalliga C ein 2:2 zwischen dem VfB Speldorf und Alemannia Aachen, das alle Zutaten eines guten Fußballkrimis bot: frühe Tore, eine Verletzung, gelbe Karten und ein Happy End in der 93. Minute. Schon nach fünf Minuten bebte das kleine Stadion an der Ruhr. Michel Benayoun, der Denker und Lenker im Speldorfer Mittelfeld, zog aus 18 Metern ab - und traf mit links ins Eck. Vorlage kam vom 17-jährigen Nelio Santoyo, der danach so überrascht aussah, als hätte er gerade ein Lottolos gezogen. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand der Teenager später lachend. Trainer Jakob Meier raufte sich da schon die Haare: "Ich sag’s immer wieder - manchmal ist Glück auch eine Taktik." Aachen, von Coach Kölsche Alemanne offensiv eingestellt, brauchte ein paar Minuten, um sich zu schütteln. Dann aber zeigten die jungen Gäste, dass sie nicht zum Sightseeing gekommen waren. In der 19. Minute belohnte sich Tiago Santos für seinen mutigen Auftritt: Nach Vorlage von Innenverteidiger Adam Donis drosch der 18-Jährige den Ball unter die Latte. 1:1 - und plötzlich war das Spiel offen wie ein Fenster im April. Danach entwickelte sich ein temporeiches Hin und Her, mit leichten Vorteilen für Speldorf: 56 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse. Aber Aachen hielt mit zehn eigenen Abschlüssen dagegen, bissig, schnell, immer wieder über die Flügel. "Wir wollten vorne draufgehen, auch wenn’s weh tut", erklärte Alemanne später. Und es tat weh - nicht nur metaphorisch. In der 51. Minute musste Speldorfs Rechtsaußen Asier Espriu verletzt raus, nachdem er unglücklich im Rasen hängen geblieben war. Für ihn kam der blutjunge Vincent Preher - und der sollte später noch Geschichte schreiben. Zunächst aber schien das Spiel den Gästen zu gehören. Speldorf wirkte nach der Pause ideenlos, während Aachen immer wieder gefährlich konterte. In der 73. Minute nutzte Thomas Eliot einen perfekt getimten Pass von Walter Moll und schob eiskalt zum 2:1 für die Alemannia ein. Der Jubelblock der mitgereisten Fans tobte, und Trainer Alemanne schrie seine Freude gen Nachthimmel: "So spielt man Fußball, Jungs!" Doch wer Speldorf schon abgeschrieben hatte, kennt den VfB schlecht. "Wir haben gesagt: Jetzt erst recht", verriet Kapitän Marcio Garces, der sich kurz vor Schluss noch eine gelbe Karte abholte - wohl aus Frust über die Uhr. Die Minuten verrannen, Aachen stand tief, Speldorf warf alles nach vorne. Die Nachspielzeit lief, und mancher Zuschauer griff schon nach der Jacke. Dann kam die 93. Minute. Albert Raymer flankte von rechts, halb Schuss, halb Verzweiflung. In der Mitte rauschte Vincent Preher heran - jener Joker, der erst wegen Esprius Verletzung aufs Feld musste - und drückte den Ball über die Linie. 2:2! Die Tribüne explodierte, Trainer Meier sprang in die Luft, und Preher riss die Arme hoch, als hätte er gerade das WM-Finale entschieden. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", grinste der 20-Jährige später. Aachen reagierte mit Fassung, aber nicht ohne Ärger. Juanito Antunes sah in der 94. Minute noch Gelb, nachdem er den Ball wütend wegschlug. "Das war bitter", seufzte Alemanne. "Wir hätten den Sack zumachen müssen. Aber Speldorf hat halt Herz gezeigt." Statistisch blieb’s ein Duell auf Augenhöhe: 9:10 Torschüsse, Ballbesitz leicht für die Hausherren, Zweikampfquote fast ausgeglichen. Beide Teams spielten, als ginge’s um mehr als drei Punkte - vielleicht um Stolz, vielleicht um Ehre, vielleicht einfach um den Spaß am Chaos. Nach Abpfiff standen die Spieler noch lange auf dem Rasen, erschöpft, aber zufrieden. "So ein Spiel willst du eigentlich gar nicht pfeifen", murmelte ein Ordner, "weil du nicht weißt, wo du zuerst hingucken sollst." Und Trainer Meier? Der lächelte verschmitzt in die Kameras: "Ein Punkt ist besser als keiner. Und wenn’s in der 93. ist - umso schöner." Fazit: Ein Abend, der alles hatte - Drama, Tempo und ein bisschen Fußballromantik. Speldorf jubelt über einen Punkt, den kaum noch jemand erwartet hatte. Aachen hadert, aber weiß: Wer solche Spiele abliefert, hat in dieser Liga noch viel vor. Fußball, wie er sein soll - unberechenbar, schmutzig, ehrlich. Und mit einem Schlussakkord, der noch lange im Ohr bleibt. 18.03.643994 23:41 |
Sprücheklopfer
Ich halte nix von Sex vor dem Spiel, besonders weil ich mir das Zimmer mit Salou teile.
Jan-Aage Fjörtoft