// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, warum man Fußball liebt - und dann fällt in der 90. Minute ein Tor, das alles erklärt. Der FC Wusterwitz besiegte am Mittwochabend im heimischen Stadion Weddinghofen mit 1:0 und ließ 6519 Zuschauer zwischen Verzweiflung, Hoffnung und purem Jubel schwanken. Matchwinner: der 20-jährige Linksaußen Luca Philipp, der nach einer Hereingabe von Marko Weise den Ball trocken in die Maschen drosch. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Philipp nach dem Schlusspfiff, während ihm seine Mitspieler auf die Schultern klopften. Trainer Tom Fritz, sonst eher ein Mann der leisen Töne, konnte sich ein erleichtertes Lächeln nicht verkneifen: "Wenn du 89 Minuten lang Chancen um Chancen liegen lässt, brauchst du am Ende eben einen jungen Wilden, der’s einfach macht." Und Chancen hatte der FC Wusterwitz wahrlich genug. 17 Torschüsse zählten die Statistiker, und es fühlte sich an, als wäre die Hälfte davon von Curt Fröhlich abgegeben worden. Der Mittelstürmer prüfte Weddinghofens Torhüter Roman Dostalek schon in der 3., 8., 29., 32., 36. und 57. Minute - eine One-Man-Show zwischen Genie und Pechvogel. "Ich dachte schon, ich muss heute noch ein Zelt im Strafraum aufstellen", witzelte Fröhlich nach dem Spiel. Weddinghofen dagegen kam nur selten gefährlich vor das Tor. Zwar hatte Stürmer Menachem Dajan gleich in der ersten Minute einen Warnschuss abgegeben, doch die Gäste verzettelten sich danach in harmlosen Flanken und Fehlpässen. Ihr Trainer Luca Papagallo, ein italienischer Ästhet mit feinem Sinn für Ironie, sagte später trocken: "Wir wollten den Ball laufen lassen - leider lief er meistens ins Aus." Zur Halbzeit stand es folgerichtig 0:0, trotz leichter Vorteile für die Hausherren (Ballbesitz 52 Prozent, Zweikampfquote 54 Prozent). Auf den Rängen machte sich eine Mischung aus Ungeduld und Galgenhumor breit. "Die spielen ja wie meine Schwiegermutter beim Kegeln - immer knapp daneben!", rief ein Fan aus Block C, während er seine Bratwurst als taktisches Hilfsmittel schwenkte. Nach dem Seitenwechsel brachte FC-Trainer Fritz frische Kräfte: Witte und Behrendt kamen zur 50. Minute, später ersetzte Schindler den müden Kern. Das Spiel blieb offensiv, aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Weddinghofens Schlussmann Dostalek wuchs in dieser Phase über sich hinaus, fischte in der 63. Minute einen Schlenzer von Behrendt aus dem Winkel und wehrte kurz darauf einen gefährlichen Kopfball von Walther Buchholz ab. Die Gäste selbst schienen lange mit einem Punkt zufrieden, auch wenn Papagallo seine Männer lautstark nach vorne trieb. "Spielt offensiver!", brüllte er in der 80. Minute - prompt antwortete Dajan mit einem harmlosen Roller aus 20 Metern. Manchmal sind die Götter des Fußballs eben nicht auf deiner Seite. Und dann kam die 90. Minute. Marko Weise, der linke Verteidiger, marschierte ein letztes Mal die Linie entlang, flankte halbhoch in den Strafraum. Luca Philipp nahm den Ball direkt - und plötzlich stand das Stadion Kopf. "Ich hab nur noch Weiß gesehen - das war das Tornetz", sagte der Torschütze später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Ungläubigkeit und Glückseligkeit pendelte. Weddinghofen versuchte es noch einmal, doch Wusterwitz-Keeper Phillip Zimmermann blieb fehlerlos. Kurz darauf pfiff der Schiedsrichter ab, und die Erleichterung entlud sich in einem wahren Freudenorkan. "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte", resümierte Trainer Fritz, während Papagallo mit einem Schulterzucken in die Kabine verschwand. Statistisch war’s am Ende klar: 17:6 Torschüsse, leichtes Ballbesitzplus für Wusterwitz, und eine Abwehr, die trotz gelber Karte für den jungen Marcel Voigt stabil blieb. Im Vereinsheim wurde Philipp später zum Helden des Abends erklärt - mit Cola in der Hand, versteht sich. "Ich bin noch nicht alt genug für Bier", lachte der 20-Jährige, "aber heute fühlt es sich trotzdem an wie Champagner." Ein Spiel, das niemand so schnell vergessen wird: 89 Minuten Anlauf, eine Minute Ekstase - Fußball in seiner reinsten Form. In Wusterwitz wird man noch lange davon erzählen, wie einer namens Philipp in der 90. Minute die Nacht zum Tag machte. 29.04.644000 13:33 |
Sprücheklopfer
Wir wollen uns von Spiel zu Spiel konzentrieren und die Tordifferenz verringern.
Christoph Daum