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Es war ein lauer Frühlingsabend im Allgäu, 26.753 Zuschauer im Stadion an der Argen, die Sonne sank über den Bergen - und am Ende sank auch die Stimmung beim FC 1903 Wangen. 1:2 hieß es nach 90 Minuten gegen den Nachbarn aus Weiler im Allgäu. Ein Derby, das alles hatte: Tempo, Emotion, Gelbe Karten - und einen Linus Berger, der sich mit zwei Treffern zum Schrecken der Wangener Hintermannschaft machte. Schon in der 32. Minute zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz der Gastgeber. Damian Rueda hatte einen langen Ball nach vorne gechippt, Wangen verteidigte halbherzig, und Berger tat, was ein Stürmer tun muss: Er schob eiskalt ein. Keeper Tomas Klinka streckte sich vergeblich, der Ball klatschte noch an den Innenpfosten - 0:1. Trainer Ready Play raufte sich die Haare, während sein Gegenüber Mino Raiola (nicht verwandt mit dem berühmten Spielervermittler, wie er lachend betonte) genüsslich in seinen Kaugummi biss. "Wir waren in der ersten Halbzeit irgendwie noch beim Maibaumaufstellen", knurrte Wangens Kapitän Amaury Gomes später. Tatsächlich: Trotz 61 Prozent Ballbesitz und elf Torschüssen blieb vieles Stückwerk. Mal flog der Ball in die dritte Etage, mal war Weilers Torwart Hanns Peter schneller unten als die Wangener Offensive gucken konnte. Die zweite Halbzeit begann jedoch wie ein Donnerschlag. In der 49. Minute fasste sich Freddie Ramsay ein Herz, zog von links in die Mitte und hämmerte den Ball aus 18 Metern unhaltbar zum 1:1-Ausgleich ins Netz. Das Stadion tobte, und Ramsay riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste er nach dem Spiel. "Und diesmal ging er halt rein. Sonst fliegt der Ball meistens auf die Bundesstraße." Doch die Euphorie währte kurz. Nur vier Minuten später, in der 53. Minute, war es wieder Linus Berger, der mit einem satten Schuss aus halblinker Position den alten Abstand herstellte. 1:2 - und diesmal jubelte der Gästeanhang, als hätte Weiler gerade das Weltwunder Nummer acht vollbracht. Weiler spielte danach clever, fast abgebrüht. Trainer Raiola ließ tief stehen, die Außen dicht machen und konterte über den pfeilschnellen Michel Hierro. Wangen drückte, kombinierte, schoss - aber es blieb beim "fast". Hugo Vazques’ Versuch in der 95. Minute rauschte knapp am Pfosten vorbei. "Ich dachte, der geht rein", murmelte er später, während er sich mit dem Handtuch den Schweiß von der Stirn wischte. Auch die Statistik erzählte eine kleine Tragödie in Zahlen: 61 Prozent Ballbesitz für Wangen, 11:12 Torschüsse, aber die Punkte gingen nach Weiler. "Ballbesitz ist wie Kuchen anschauen - schön, aber satt wirst du davon nicht", grinste Raiola in der Pressekonferenz. Sein Gegenüber Ready Play hingegen suchte nach Worten. "Wir haben das Spiel gemacht, aber Weiler die Tore. Das ist Fußball. Und manchmal möchte man diesen Fußball einfach nur schütteln." In der Schlussphase wurde es noch einmal hitzig. Damian Rueda sah in der 84. Minute Gelb, weil er meinte, Amaury Gomes müsse unbedingt wissen, wie fest ein Allgäuer Innenverteidiger zupacken kann. Der Schiedsrichter tat, was Schiedsrichter eben tun: Er zeigte die Karte und gab einen Freistoß, den Wangen wie so oft an diesem Abend in die Mauer setzte. Nach dem Abpfiff klatschten die Weiler-Spieler ihre mitgereisten Fans ab, während die Wangener mit hängenden Köpfen in die Kabine trotteten. "Das war bitter", sagte Ramsay. "Aber wir haben gezeigt, dass wir Fußball spielen können. Leider nicht Tore schießen." Vielleicht war es nicht das schönste Derby aller Zeiten, aber eines mit Charakter. Ein Spiel, das zeigte, dass Leidenschaft manchmal mehr zählt als Ballbesitzquoten. Und eines, das einen Helden hatte: Linus Berger, 30 Jahre alt, ein Mann mit einem Schuss wie ein Vorschlaghammer und dem Lächeln eines Milchbauern, der gerade zwei Kühe mehr verkauft hat als geplant. Am Ende blieb der FC Wangen mit leeren Händen, aber einer Erkenntnis: Wer im Allgäu Derby sagt, muss Berger buchstabieren. Und Trainer Ready Play versprach, mit einem Augenzwinkern: "Nächstes Mal bringen wir die Kuh heim." Das Publikum applaudierte trotzdem - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Lokalpatriotismus, oder einfach, weil Fußball in Wangen auch dann schön ist, wenn man verliert. Nur eben ein bisschen weniger. 22.03.643997 11:25 |
Sprücheklopfer
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport und nichts für Tunten.
Axel Kruse nach einer roten Karte