Anpfiff
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Linx dreht das Spiel in Unterhaltungsmodus - 2:1 gegen Kiel nach Rückstand

Wer am Freitagabend in Linx ins Stadion kam, bekam für sein Eintrittsgeld mehr Drama, Emotion und Ironie als in mancher Netflix-Serie. 5018 Zuschauer sahen den SV Linx mit 2:1 gegen Holstein Kiel gewinnen - nach Rückstand, mit roter Karte für die Gäste und mit einer Portion Chaos, die selbst Trainer Michal Dickschat anschließend nur mit einem Kopfschütteln kommentieren konnte: "Das war kein Spiel für schwache Nerven - oder für Freunde der gepflegten Abwehrarbeit."

Dabei begann alles erstaunlich nüchtern. Linx hatte von Beginn an mehr Ballbesitz - fast 60 Prozent -, schob sich den Ball geduldig zu und suchte nach Lücken. Kiel dagegen lauerte, wie es sich für ein Nordlicht gehört, geduldig im Schatten, auf Konter und Unachtsamkeiten. Und tatsächlich: In der 37. Minute nutzte Lasse Sonne genau so eine. Nach feinem Pass von Christoph Erdmann tanzte er den Linxer Abwehrchef Linus Schmitt aus und schob eiskalt ins rechte Eck ein. 0:1 - und plötzlich wurde es still im Stadion, nur der Gästeblock jubelte, als hätte man gerade die Champions League gewonnen.

"Wir haben uns in der ersten Halbzeit zu brav angestellt", knurrte Linx-Coach Dickschat später. "Das war mehr Yoga als Fußball." Seine Jungs wirkten tatsächlich wie in einer verlängerten Aufwärmphase: viele Pässe, wenig Biss. Holstein Kiel dagegen verteidigte clever, bis sich das Spielgeschehen nach der Pause um 180 Grad drehte - und zwar spätestens ab Minute 71.

Denn da sah Kiels Rechtsverteidiger Gustav Anders glatt Rot, nachdem er den durchstartenden Dieter Wagner rustikal von den Beinen holte. "Ich wollte nur den Ball spielen, ehrlich", beteuerte Anders nach dem Spiel, während sein Trainer Malte Gosch trocken ergänzte: "Dann hat der Ball wohl einen sehr menschlichen Körper angenommen."

Mit einem Mann mehr drückte Linx aufs Gas - und plötzlich war die bis dahin etwas behäbige Partie ein wilder Ritt. Fabian Kopp, der schon in der 62. Minute Gelb gesehen hatte, wurde zum Taktgeber im Zentrum. In der 74. Minute war es dann Wolfgang Seitz, der sich auf links durchtankte, den Ball von Kopp im Strafraum serviert bekam und wuchtig zum 1:1 einschoss. Das Stadion explodierte - und Seitz riss die Arme hoch, als sei er gerade Weltmeister geworden.

Nur sieben Minuten später drehte Linx das Spiel komplett. Diesmal revanchierte sich Kopp für die Vorlage: Nach schöner Vorarbeit des jungen Dieter Wagner zog der 27-Jährige aus 18 Metern ab - halb Schuss, halb Gebet - und der Ball zappelte im Netz. 2:1 in der 81. Minute, das Stadion bebte, und der Gästetrainer Gosch verschränkte die Arme, als wolle er damit die Uhr anhalten.

"Wir haben es in Unterzahl nicht clever genug gespielt", gab Gosch später zu. "Aber Linx war einfach galliger - und vermutlich auch fitter." Tatsächlich liefen die Gastgeber bis zum Schluss unermüdlich an, feuerten insgesamt 17 Torschüsse ab, während Kiel nur acht zustande brachte. Torwart Harald Lindner bei den Gästen verhinderte mit mehreren Paraden Schlimmeres, während Linx-Keeper Oscar Haase einen weitgehend ruhigen Abend verbrachte - abgesehen von Sonnens frühem Treffer.

Die Schlussminuten waren ein kleines Theaterstück: Kiel versuchte, sich mit langen Bällen zu retten, Linx konterte mit Pressing, als ginge es noch um die Meisterschaft. In der 88. Minute prüfte Robert Jahn den Kieler Torwart, in der Nachspielzeit scheiterte Seitz noch einmal knapp - diesmal flog der Ball über die Latte und in die Arme eines verdutzten Balljungen. "Ich dachte, ich mach noch das dritte", grinste Seitz später, "aber der Junge hat sich wohl mehr gefreut über den Ball als ich über das Tor."

Nach Abpfiff feierten die Linxer Spieler ausgelassen vor der Kurve, während Holstein Kiel mit gesenkten Köpfen in die Kabine schlich. Trainer Dickschat hob indes mahnend den Finger: "Schön, dass wir gewonnen haben, aber so müssen wir nicht jedes Spiel spannend machen. Meine Herzfrequenz war bei 180."

Für Linx war der Sieg ein Statement - kämpferisch, emotional, mit einem Schuss Wahnsinn. Für Kiel dagegen eine bittere Erinnerung daran, dass 40 Prozent Ballbesitz und ein frühes Tor am Ende wenig zählen, wenn man die letzten 20 Minuten in Unterzahl verbringt.

Vielleicht war es am Ende genau das, was den Unterschied machte: Linx wollte den Sieg, Kiel wollte den Feierabend. Und wie sagte Fabian Kopp mit einem Augenzwinkern, als er den Spielball unter den Arm klemmte: "Manchmal gewinnt eben, wer länger an Wunder glaubt."

Und an diesem Abend in Linx war das Wunder ganz klar rot-weiß.

12.12.643999 13:20
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Nevio Scala ist ein phantastischer Trainer und er hat eine tolle Mannschaft. Dortmund wird ganz sicher Weltmeister!
Giovanni Trappatoni
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