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Es war ein lauer Frühlingsabend in Magdeburg, 20:15 Uhr Anstoß, Flutlicht an, 4288 Zuschauer im Stadion. Blau-Weiß Magdeburg empfing den FC Wusterwitz zum 9. Spieltag der Regionalliga B - und was die Hausherren boten, war vor allem eines: eine tapfere, aber schmerzhaft zahnlose Abwehrschlacht. Am Ende hieß es 0:1, und das Ergebnis schmeichelte eher den Gastgebern als den Gästen. Denn Wusterwitz, trainiert von Tom Fritz, spielte von Beginn an so, als hätten sie sich vorgenommen, den Ballbesitzrekord der Liga zu brechen. 59 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse, und ein Gefühl, als würde der Ball nur versehentlich mal kurz in Magdeburger Füßen landen. Die Gastgeber von Sven Lange verbarrikadierten sich in einer "ausgewogenen" Formation - was in der Praxis bedeutete: alle Mann hinten, und hoffen, dass vorne vielleicht ein Wunder passiert. Schon in den ersten Minuten rollten die Angriffe der Wusterwitzer wie Wellen auf die Magdeburger Defensive zu. Vor allem Finn Roth, der rechte Flügelstürmer, prüfte früh die Aufmerksamkeit des Torhüters Bernd Franz. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball von rechts kam", stöhnte Franz später. "Aber immerhin hab ich jetzt einen neuen Rekord bei gehaltenen Schüssen." In der 8. Minute zog der junge Luca Philipp ab, in der 11. wieder Roth, in der 22. Fröhlich - immer wieder flog der Ball gefährlich in Richtung des Magdeburger Kastens. Nur einmal, in der 39. Minute, durften die Heimfans kurz aufspringen: Uwe Witte hatte sich ein Herz gefasst und aus der Distanz abgezogen. Der Ball rauschte zwar gut zwei Meter über das Tor, aber hey - ein Torschuss ist ein Torschuss. Die erste Halbzeit endete torlos, 0:0, und man hatte den Eindruck, BW Magdeburg wäre mit einem Punktgewinn schon hochzufrieden gewesen. Trainer Lange wirkte in der Pause erstaunlich gelassen. "Wir wollten kompakt stehen und das Spiel eng halten", sagte er. "Das hat ja auch fast geklappt." Fast. Denn in der 57. Minute war es dann soweit: Wusterwitz belohnte sich für die Dauerbelagerung. Walther Buchholz legte den Ball mit feinem Gespür in den Lauf von Nico Behrendt, der aus halbrechter Position abzog und das Leder trocken ins lange Eck setzte - 0:1. Der Jubel der Gäste war laut, aber eher erleichtert als ekstatisch. "Wenn du 13 Mal draufschießt und das Ding nicht reingeht, fängst du an zu zweifeln", grinste Behrendt nach dem Spiel. "Aber dann hat Walther mir den Ball genau richtig serviert. Da hätt sogar mein Opa getroffen." Magdeburg versuchte danach, irgendwie eine Antwort zu finden. Der Versuch blieb theoretisch. Die Gastgeber hatten weder Struktur noch Mut, und selbst ein lautes "Vorwärts jetzt!" von Kapitän Erdmann in der 75. Minute ging im Rascheln der Wusterwitzer Kurzpässe unter. "Ich hab das Pressing auf NO gestellt und das hat man wohl gemerkt", witzelte Trainer Lange später mit einem schiefen Lächeln. Wusterwitz dagegen wechselte clever. In der 66. Minute kam Stephan Werner für den jungen Philipp - frische Beine für den Endspurt. Und tatsächlich hätten die Gäste das Ergebnis noch ausbauen können: Fröhlich (68.) und Behrendt (81.) scheiterten denkbar knapp. In der Nachspielzeit setzte Rafael Witte noch einen Schuss auf die Tribüne, was zu spontanen Ovationen der Magdeburger Fans führte - vermutlich aus Erleichterung, dass das Spiel bald vorbei war. Trainer Fritz zeigte sich nach dem Abpfiff zufrieden, aber nicht überschwänglich. "Das war ein Arbeitssieg. Wir haben dominiert, aber es fehlte die letzte Präzision. Trotzdem: drei Punkte, fertig." Sven Lange hingegen suchte nach den positiven Aspekten: "Wir haben nur ein Tor kassiert - das ist auch eine Leistung." Auf die Frage, ob er an der Taktik etwas ändern wolle, antwortete er trocken: "Vielleicht stell ich das Pressing das nächste Mal auf ’YES’. Nur zum Testen." Und so blieb Magdeburgs Abend ein Beispiel dafür, dass man mit 40 Prozent Ballbesitz, einer einzigen Torchance und viel Hoffnung zwar nicht gewinnt - aber immerhin Geschichten schreibt. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft höflich, aber mit der stillen Bitte, beim nächsten Mal wenigstens über die Mittellinie zu kommen. Fazit: Wusterwitz souverän, Magdeburg bemüht, das Ergebnis schmeichelt den Blauen. Und wer wissen will, wie man ein Spiel mit 14:1 Torschüssen "knapp" gewinnt, sollte sich einfach die Aufzeichnung dieses Abends ansehen. Denn manchmal reicht im Fußball eben ein einziger Schuss - wenn er von Nico Behrendt kommt. 22.06.643997 19:50 |
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Der Genuss von Zuckerlimonade beeinträchtigt die Trainingsadaption.
Peter Neururer