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Es war einer dieser nasskalten Abende in Malchin, an denen man sich fragt, warum man sich nicht für Schach begeistert hat. Doch 3892 unerschütterliche Fußballfreunde entschieden sich am Montagabend für das volle Programm: Flutlicht, Spannung und ein FSV Malchin, der den FK Pirmasens mit 2:1 (1:1) niederkämpfte - und das auf eine Art, die irgendwo zwischen kontrolliertem Chaos und taktischer Beharrlichkeit lag. Schon die ersten Minuten waren ein Vorgeschmack auf den Abend: Pirmasens legte los, als habe jemand den Espresso direkt in die Blutbahn gespritzt. Drei Torschüsse in den ersten sieben Minuten - allen voran der unermüdliche Alex Coviello, der Malchins Keeper Rafael Münch mit einem frühen Weckruf zwang, die Handschuhe nicht nur zum Wärmen zu benutzen. "Ich dachte kurz, der will mir den Ball samt Netz in die Kabine schießen", grinste Münch später. Doch Malchin antwortete. Besonders Rafael Raab, der rechte Wirbelwind, prüfte den Pirmasenser Schlussmann Dennis Frei mehrfach. In der 26. Minute war es dann so weit: Martin Schmitz setzte sich auf links durch, flankte butterweich in den Strafraum - und Jürgen Werner verwandelte per Direktabnahme zum 1:0. Das Stadion bebte, und Trainer (dessen Name die Vereinschronik verschluckt hat) rief von der Seitenlinie: "Endlich mal einer, der nicht aufs Fangnetz zielt!" Die Freude währte jedoch nur acht Minuten. Denn Pirmasens, trainiert von der resoluten Gudrun Schweitzer, ließ sich nicht beirren. David Bernier schickte einen Pass in die Schnittstelle, Müjdat Öztürk nahm Maß und vollendete eiskalt zum 1:1. "Ich habe einfach gemacht, was der Trainer immer sagt: nicht nachdenken", erklärte Öztürk trocken nach dem Spiel. Zur Pause war alles offen - statistisch wie spielerisch. Malchin lag beim Ballbesitz leicht vorn (51 zu 49 Prozent), Pirmasens hatte minimal mehr Zweikämpfe gewonnen. Eine Partie auf Augenhöhe, in der jede Grätsche nach Entscheidung roch. Die zweite Halbzeit begann mit einem Wechsel bei Pirmasens: Nachwuchs-Stürmer Noah Specht kam für Alexander Satchmore. Ein Zeichen, dass Schweitzer noch etwas riskieren wollte. Doch das Spiel verlor ein wenig an Struktur. Gelbe Karten gegen Samuel Reid (13.) und später Coviello (92.) zeugten davon, dass der Gast zunehmend mit sich selbst rang. Malchin blieb indes ruhig. Jesus Krug, der 34-jährige Mittelfeldstratege, zog die Fäden mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon in der Kreisklasse alles gesehen hat. Und er war es auch, der in der 78. Minute den entscheidenden Pass spielte: Ein klasse Zuspiel in den Lauf von Rafael Raab, der mit einem satten Schuss ins linke Eck das 2:1 erzielte. "Ich hab einfach draufgedroschen", bekannte Raab nachher lachend. "Wenn ich überlegt hätte, wär der Ball wahrscheinlich im Parkplatz gelandet." Danach war Zittern angesagt. Coviello prüfte Münch in der 88. Minute noch einmal aus kurzer Distanz - doch der Keeper parierte glänzend. Die vierminütige Nachspielzeit fühlte sich für die Heimfans an wie vier Stunden. Als der Schlusspfiff ertönte, fielen sich Spieler, Trainer und sogar der Ordner an Block C in die Arme. Trainer Schweitzer zeigte sich nach dem Spiel sportlich: "Wir haben gut gespielt, aber Malchin war heute einfach einen Tick cleverer." Ihr Gegenüber grinste nur: "Wir clever? Das ist neu. Aber ich nehm’s!" Unterm Strich war’s ein Spiel, das keine taktischen Lehrbücher füllte, aber Herzen eroberte. 15 Torschüsse Malchin, 13 Pirmasens - auf dem Papier fast ausgeglichen, auf dem Platz ein Beweis, dass Wille manchmal mehr zählt als Passquote. Oder, wie ein Zuschauer beim Bierstand sagte: "Das war kein schöner Fußball, aber wenigstens warm." Und irgendwie war’s das auch - ein Abend, an dem der FSV Malchin bewies, dass man mit Leidenschaft, Humor und einem Schuss Pragmatismus auch in der Regionalliga B große Geschichten schreiben kann. 02.05.643994 13:35 |
Sprücheklopfer
Worüber ich mir die ganze vergangene Zeit Gedanken gemacht habe? Meine Frisur, die ist nämlich scheiße.
Mehmet Scholl