Anpfiff
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Mathieu trifft, Hoffenheim siegt - und Pirmasens kämpft mit Würde

Ein lauer Frühlingsabend, Flutlicht über der Arena, 5592 Zuschauer mit Bier in der Hand und Erwartungen im Herzen: Der TSV Hoffenheim empfing am 4. Spieltag der Regionalliga B den FK Pirmasens - und am Ende stand ein knappes, aber verdientes 1:0. Das Ergebnis klingt nüchtern, aber wer im Stadion war, sah ein Spiel voller kleiner Dramen, großer Laufbereitschaft und jener Momente, in denen ein Torwart plötzlich zum Philosophen wird.

"Ich habe irgendwann aufgehört, die Bälle zu zählen", seufzte Pirmasens‑Keeper Dennis Frei nach dem Abpfiff. Man konnte es ihm nicht verdenken: 16 Schüsse feuerten die Hoffenheimer aufs Tor, während seine Vorderleute gerade einmal fünf zustande brachten. Doch Frei hielt, kratzte und flog - bis zur 50. Minute. Dann war selbst er machtlos.

Liam Mathieu, der erst 20‑jährige Mittelstürmer, zeigte in jener Minute, warum Trainer Dennis Simon ihn so beharrlich aufstellt. Nach einem feinen Zuspiel von Liam Herrmann - ja, die Doppel‑Liam‑Achse ist real - nahm Mathieu den Ball mit der Brust an, drehte sich wie auf einer Tanzfläche und schob die Kugel trocken ins rechte Eck: 1:0! "Ich wollte eigentlich querlegen", grinste der Torschütze später, "aber der Ball hat mich überzeugt, es selbst zu versuchen."

Bis dahin war es ein Geduldsspiel gewesen. Hoffenheim dominierte leicht (51 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe), doch Pirmasens verteidigte zäh und mitunter rustikal. Besonders Marcel Baer auf der rechten Seite nahm seinen Job ernst - so ernst, dass ein Reporter auf der Tribüne meinte: "Der tackelt sogar den Pausenpfiff."

Schon früh hatte das Spiel seine erste Zwangspause erlebt: In der 18. Minute verletzte sich Pirmasens‑Angreifer Noah Specht ohne gegnerische Einwirkung. Trainerin Gudrun Schweitzer reagierte schnell und brachte Alexander Satchmore, später dann zur Halbzeit Dani Tabenkin. "Wir mussten improvisieren, aber Improvisation ist ja auch eine Kunstform", erklärte Schweitzer mit einem Lächeln, das zwischen Trotz und Stolz pendelte.

Hoffenheim hingegen blieb geduldig. In der ersten Halbzeit versuchte es Jan Kozel aus der Distanz (14.), Giuseppe Guarano per Volley (18.) und Javier Beto gleich mehrfach - doch das Tor schien verflucht. "Ich hab das Gefühl, der Ball wollte heute nicht mit mir reden", murmelte Beto später in der Mixed Zone.

Nach dem Seitenwechsel fiel dann endlich der Bann. Der Jubel war groß, das Bier floss, und Trainer Simon klatschte sogar mit einem Ordner ab - "aus Versehen", wie er später versicherte. Weniger erfreulich: Nur 30 Minuten nach seinem Treffer musste Torschütze Mathieu verletzt vom Platz. Er hatte sich bei einem Pressschlag das Sprunggelenk verdreht. "Nichts Schlimmes, hoffe ich. Ich wollte nur nicht riskieren, dass mich der Rasen frisst", sagte er mit gequältem Lächeln. Für ihn kam Lucas Delap, der das Ergebnis mit kühlem Kopf über die Zeit brachte.

Pirmasens versuchte in der Schlussphase noch einmal alles, stellte auf aktives Pressing um und schob die Ketten nach vorn. Doch die Defensive um Nikola Lomic und Liam Carey hielt dicht, Torwart Tommaso Aiello musste nur noch einmal ernsthaft eingreifen - und tat das mit jener stoischen Ruhe, die italienischen Torhütern offenbar genetisch mitgegeben wird.

In der 86. Minute hätte Herrmann fast noch das 2:0 erzielt, sein Schlenzer strich jedoch haarscharf am Pfosten vorbei. Trainer Simon nahm’s mit Humor: "Wir wollten den Spannungsbogen für die Fans halten. Hollywood hätte es nicht besser geschrieben."

Nach dem Abpfiff standen beide Teams Arm in Arm vor der Kurve - ein schönes Bild nach einem intensiven, fairen Spiel. Gudrun Schweitzer fasste es treffend zusammen: "Wir haben defensiv viel richtig gemacht, offensiv zu wenig. Aber wir fahren mit erhobenem Kopf nach Hause."

So blieb es beim 1:0 - einem Ergebnis, das Hoffenheim drei Punkte und ein Lächeln bescherte. Und während die letzten Zuschauer das Stadion verließen, meinte ein älterer Fan augenzwinkernd: "Früher hätten wir so ein Spiel 0:0 vergeigt. Heute gewinnen wir’s halt. Fortschritt, oder?"

Vielleicht war es genau das: ein Abend des kleinen Fortschritts, des geduldigen Arbeitens und des einen Moments, in dem Talent auf Timing trifft. Und irgendwo in der Kabine summte Liam Mathieu leise vor sich hin - wohl eine Melodie, die nur Torschützen kennen.

25.04.643997 22:45
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