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Metros zähmen die Gorillas - ein Abend zwischen Hoffnung und Harmlosigkeit

Die Sonne war kaum hinter den Tribünen des "Atlanta Bowl" verschwunden, als 43.569 Zuschauer am Dienstagabend eine jener Fußballgeschichten erlebten, die man später mit einem Schulterzucken und einem "Tja, war wohl nicht ihr Tag" erzählt. Die New York Metros gewannen beim 12. Spieltag der 1. Liga USA mit 2:0 gegen die Atlanta Gorillas - ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet deutlich schmeichelhafter für die Gastgeber ausfiel, als es der Spielverlauf vermuten ließ.

Von Beginn an war klar, wer hier den Ton angab: Die Metros, offensiv ausgerichtet, aggressiv im Zweikampf, und mit jener unverschämten Kaltschnäuzigkeit ausgestattet, die man sonst nur bei erfahrenen Pokerspielern findet. Schon nach zwei Minuten prüfte Alexis McAllister, 19 Jahre jung und mit dem Selbstbewusstsein eines Straßenkickers aus Brooklyn, den gegnerischen Keeper Alberto Benedetto. "Ich wollte einfach mal sehen, ob er wach ist", grinste McAllister später. Benedetto war es - zumindest zu diesem Zeitpunkt.

Atlanta hingegen wirkte, als hätte man das eigene Angriffsspiel beim Einlaufen in der Kabine vergessen. Ein Schuss aufs Tor in 90 Minuten - das ist weniger Offensive als ein Verkehrsschild. Trainerin Anja Meister versuchte es mit diplomatischer Gelassenheit: "Wir wollten den Ball haben, haben ihn auch gehabt, aber irgendwie immer an der falschen Stelle." Tatsächlich lag der Ballbesitz nahezu ausgeglichen (50 zu 50 Prozent), doch wer zusah, wusste: die Metros wussten etwas mit dem Ball anzufangen, Atlanta eher nicht.

In der 37. Minute dann das logische Ergebnis dieser Kräfteverhältnisse: McAllister traf, nach feinem Zuspiel von Fabian Wirtz, zum 0:1. Ein Schuss aus 16 Metern, flach, präzise, unhaltbar - und begleitet vom resignierten Seufzen der Heimkurve. "Ich hab gar nicht gesehen, wie der reinging", gestand Verteidiger Mason Warrington später, "ich war zu sehr damit beschäftigt, meine Schuhe wieder richtig zu binden."

Die Gorillas retteten sich ohne weiteren Schaden in die Pause, doch wer dachte, die zweite Halbzeit würde eine Wende bringen, wurde schnell eines Besseren belehrt. New York legte weiter zu - zwölf Torschüsse insgesamt, ein Feuerwerk im Vergleich zu Atlantas einsamer Offensivkerze. In der 65. Minute dann der zweite Stich: Benjamin Lockhart, der bullige Mittelstürmer der Metros, nutzte eine Vorlage von Brandon Prinsloo und traf mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der genau weiß, wo das Tor steht. 0:2, die Entscheidung.

"Das war ein Arbeitssieg - aber mit Stil", bilanzierte Metros-Coach Du Dado später augenzwinkernd. "Unsere Jungs wollten Tore, Atlanta wollte den Ball. Wir haben uns auf das Wesentliche konzentriert." Und tatsächlich: Während die Metros schnörkellos und effizient agierten, verwickelte sich Atlanta in endlose Querpassorgien, die zwar hübsch aussahen, aber ungefähr so gefährlich waren wie ein nasser Waschlappen.

In der Schlussphase wurde es dann noch einmal chaotisch - allerdings weniger sportlich als emotional. Zunächst sah Atlantas Kai Haas nach einem rustikalen Einsteigen Gelb (73.), dann verabschiedete sich New Yorks Enrique Pascual in der 93. Minute mit Rot. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er, "aber der Ball wollte wohl nicht." Selbst sein Trainer konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. "Er ist jung, er lernt. Vielleicht auch, dass man in der Nachspielzeit keine Akrobatik versucht."

Die letzten Minuten plätscherten dahin, das Publikum hatte längst den Sarkasmus entdeckt: "Schießt doch mal!", rief einer, woraufhin ein anderer trocken entgegnete: "Wem sagst du das?" Torwart Benedetto wurde dann auch noch ausgewechselt - wohl mehr aus symbolischen Gründen, denn verletzt wirkte er nicht. Sein 17-jähriger Ersatzmann Ethan Thuringer durfte immerhin einmal den Ball abfangen und kann sich nun "Profidebüt" in die Vita schreiben.

Nach dem Abpfiff standen die Gorillas ratlos auf dem Rasen, während die Metros jubelnd in die Gästekurve winkten. Alexis McAllister, der auffälligste Mann des Abends, fasste es pragmatisch zusammen: "Wenn du zwölfmal schießt und zwei triffst, ist das okay. Wenn du einmal schießt und null triffst, ist das… na ja, Training."

Atlanta bleibt nach dieser Niederlage im Tabellenmittelfeld stecken, während New York den Anschluss an die Spitzengruppe wahrt. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 12:1 Torschüsse, zwei Tore - und ein Gegner, der brav mitspielte, ohne je gefährlich zu werden.

Oder, um es mit einem Fan der Metros zu sagen, der beim Hinausgehen grinsend in die Kamera rief: "Die Gorillas hatten heute zwar den Ball, aber wir hatten den Spaß."

Ein Satz, den man in Atlanta vermutlich noch eine Weile verdauen wird.

05.03.644003 08:33
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