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Wer an diesem Freitagabend im Stadion an der Clausewitzstraße auf Tore hoffte, bekam stattdessen eine Lektion in Verteidigungskunst, Geduld - und ein bisschen Slapstick. Falke Hannover und Empor Rostock trennten sich vor 3.215 Zuschauern mit 0:0, ein Ergebnis, das auf dem Papier langweilig wirkt, in der Realität aber an Dramatik kaum zu überbieten war. Schon nach drei Minuten zeigte sich, dass es kein gemütlicher Fußballabend werden würde: Rostocks junger Linksaußen Nicolae Munteanu sah Gelb, weil er offenbar dachte, der Ball müsse mit voller Wucht samt Gegenspieler aus dem Weg geräumt werden. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", sagte der 19-Jährige später mit einem fast schuldbewussten Grinsen. Danach übernahm Empor das Kommando. Ganze 17 Schüsse aufs Tor feuerten die Gäste ab - allerdings mit einer Präzision, die jedem Golfspieler Tränen in die Augen getrieben hätte. Hauser, Munteanu, Krueger, Hofmann - sie alle probierten es, scheiterten aber regelmäßig am glänzend reagierenden Falke-Keeper Iker Futre. Der 20-jährige Portugiese im Tor der Hannoveraner zeigte eine Parade nach der anderen und bekam hinterher den verdienten Applaus von den Rängen. "Ich hatte irgendwann das Gefühl, die schießen, bis ich umfalle", lachte Futre nach dem Abpfiff. "Aber heute war ich einfach nicht in der Stimmung, sie reinzulassen." Falke Hannover kam dagegen offensiv kaum aus der eigenen Hälfte. Zwei Torschüsse - einer von Abwehrmann Herbert Siebert in der 5. Minute, der andere vom jungen Stürmer Javier Oliveira nur eine Minute später - das war’s. Trainer Müller (der in Hannover längst den Spitznamen "Beton-Müller" trägt) hatte seine Elf auf Offensive eingestellt, zumindest laut Taktikzettel. Auf dem Platz sah es allerdings eher nach einer Mischung aus kontrolliertem Chaos und leidenschaftlichem Überleben aus. "Ich weiß, die Statistik sieht ein bisschen wild aus", sagte Müller mit einem schelmischen Lächeln nach der Partie. "Aber wir haben den Laden dichtgehalten. Und ehrlich: Null Tore sind manchmal auch schön - für den Torwart zum Beispiel." Rostocks Trainer Johan Johansson dagegen rang mit der Fassung. "Wir haben alles versucht. Kurzpassspiel, Flanken, Distanzschüsse - nur das Tor war nicht bereit, unser Freund zu werden." Tatsächlich ließ Empor den Ball mit 52 Prozent Ballbesitz geduldig laufen, kombinierte gefällig, doch im Strafraum wurde das Ganze zur Realsatire: Hauser drosch in der 65. Minute freistehend über das Tor, Brückner traf in der 81. Minute das Außennetz, und Hofmann versuchte es gleich dreimal in den letzten zehn Minuten - jedes Mal mit der gleichen Konsequenz: Ball weg, Kopf in den Nacken, Publikum stöhnt. Die Rostocker, die in der 68. Minute Bernt Riedel für den jungen Björn Hafner brachten und später Frank Brückner für Nicolae Munteanu einwechselten, blieben bis zur letzten Minute dran. In der Nachspielzeit (93.) versuchte Hofmann es erneut, bevor Brückner in der 95. Minute den letzten Schuss des Abends abgab - direkt in die Arme von Futre. Die Zuschauer, die bis dahin schon alles gesehen hatten, was ein torloses Spiel bieten kann - Gelbe Karten, hektische Trainer, und einen Ball, der einfach nicht ins Netz wollte - verabschiedeten ihre Teams mit erstaunlich viel Applaus. "So ein 0:0 fühlt sich manchmal wie ein Sieg an", meinte Hannovers Verteidiger Yisrael Tzabar später in der Mixed Zone. "Vor allem, wenn du weißt, dass du 90 Minuten lang auf einer Abrissbirne namens Hauser reitest." Empors Kapitän Christopher Lauer, der selbst in der 71. Minute Gelb sah, fasste es nüchtern zusammen: "Wir hätten heute auch bis Mitternacht spielen können, der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen." Und so endete ein Abend, der zwar keine Tore brachte, aber dafür reichlich Geschichten. Falke Hannover bleibt zu Hause ungeschlagen, Empor Rostock hadert mit der Chancenverwertung - und die Fans? Die gehen nach Hause, erzählen ihren Freunden vom "besten 0:0 der Saison" und wissen: Fußball kann manchmal herrlich absurd sein. Oder, wie es ein älterer Herr auf der Tribüne beim Abpfiff formulierte: "Wenn sie das nächste Mal wieder so spielen, bring ich mein Sudoku mit." 22.12.643999 20:33 |
Sprücheklopfer
Das Wort 'mental' gab es zu meiner Zeit als Fußballspieler noch gar nicht. Nur eine Zahnpasta, die so ähnlich hieß.
Rudi Assauer